Leben

Ein Leben für die Blumen

Blühende Leidenschaft: Yvonne Roth hat ein Händchen für Blumen.

Floristin

Blühende Leidenschaft: Yvonne Roth hat ein Händchen für Blumen.

Die «beste Floristin der Schweiz» arbeitet in Unterengstringen. Yvonne Roth wird nächstes Jahr am Weltcup der Floristen in Shanghai die Schweiz vertreten. Die Kunstliebhaberin hat viele, aber noch nicht alle ihrer Träume verwirklicht.

Kathrin Schaffner
Der Ausdruck in ihrem Gesicht ist konzentriert, aber nicht verkrampft. Mit geübten Bewegungen nimmt Yvonne Roth, Floristin im Gartencenter Hoffmann in Unterengstringen, eine Blume aus der Vase, schneidet sie zu und steckt sie in die Schale mit der dunkelgrünen Steckmasse. Nigella, Rose, Ammi - sie alle werden unter den zierlichen Händen der 26-jährigen Floristin innert weniger Minuten zu einem kleinen Kunstwerk zusammengefügt.

Die Gefässgrösse gibt beim Arrangement den Rahmen vor, daneben spielt die Form- und Farbzusammensetzung eine wichtige Rolle. «Die Komposition soll spannend, gleichzeitig aber noch harmonisch sein», erklärt Roth, während ihre Augen bereits Ausschau halten nach weiteren passenden Blumen, Gräsern und Blättern.

Die gebürtige Bernerin weiss, wovon sie spricht. Vor kurzem wurde sie anlässlich eines Wettbewerbs des Blumen-Grosshändlers Fleurop zur besten Floristin der Schweiz gekürt. Neben dem Dekorieren mussten die Kandidatinnen und Kandidaten auch ihr Talent im Malen sowie Belastbarkeit und Teamgeist unter Beweis stellen. Familie und Freunde hätten sich sehr über ihren Sieg gefreut, und auch von ihren Arbeitskolleginnen sei keinerlei Neid zu spüren. «Wir sind ein tolles Team», strahlt Roth, die in Zukunft auch als Fleurop-Botschafterin unterwegs sein wird. Erfahrung mache viel aus, meint die frisch Gekürte, und davon hat sie schliesslich eine ganze Menge.

Bereits als Kind hatte sie das Berufsziel Floristin klar vor Augen und verfolgte dieses trotz der elterlichen Bedenken, sich nicht zu schnell auf etwas festzulegen. «Sie ermunterten mich, mir Zeit zu lassen und mich umzuschauen - ich aber wusste von Anfang an, dass ich Floristin werde», lacht sie, und man sieht die Leidenschaft in ihren Augen aufblitzen. Die Männer in der Familie seien Mechaniker, die Frauen Krankenschwestern, erzählt Roth. Mit ihrer Berufswahl tanze sie also etwas aus der Reihe.

Vom Elternhaus habe sie aber sicher die Freude an der Natur mitbekommen. So halte sie sich in der Freizeit gerne draussen auf, gehe wandern und sammle dabei neben Blumen auch Tannzapfen, Steine und alles, was sonst noch Schönes aufzufinden sei. «Mein Freund ist auch oft dabei auf solchen Ausflügen und macht dann zu Hause mit, wenn es darum geht, etwas aus den mitgebrachten Schätzen zu gestalten», so Roth. Und fügt schmunzelnd an: «Er ist tatsächlich auch Florist.» Gemeinsam oder alleine geht es regelmässig ins Kunsthaus oder in andere Museen, und die Lektüre von Kunstbüchern gehört ebenfalls zum Alltag der Ästhetin. Dass sie sich dadurch auf dem neusten Stand der Gestaltung befinde, habe wohl auch die Wettbewerbs-Jury honoriert, glaubt Roth.

Hinter ihrer ehrlichen Bescheidenheit wird da ein grosser Ehrgeiz spürbar, und es erstaunt nicht, wenn sie von sich selbst sagt: «Wenn ich etwas mache, dann richtig!» Dass sie mit dieser Mischung aus Begeisterung und Durchhaltewillen Erfolg hat, beweist der eben errungene Titel als «beste Floristin der Schweiz». Aus diesem Grund darf sie 2010 die Schweiz am internationalen Wettbewerb in Shanghai vertreten.

Am 13. Weltcup treffen in der chinesischen Metropole die Sieger aus 20 verschiedenen Ländern aufeinander. Über ihre Konkurrenz wisse sie noch nichts, genauso wenig wie über die Aufgaben. «Aber ich habe ja noch eine intensive Vorbereitung mit floristischem Training, Persönlichkeitsschulung und Medientraining vor mir», sagt Roth mit einer Gelassenheit, die sich jemand leisten kann, der sich und seine Fähigkeiten realistisch einzuschätzen gelernt hat.

Auf die Frage nach zukünftigen Zielen meint sie ganz selbstverständlich: «Ich will weiter als Floristin arbeiten». Etwas aber stehe noch auf ihrer Wunschliste. «Ich würde gerne reisen.» Dieser Traum erfüllt sich nun mit der Qualifikation zum Weltcup in China zumindest ein erstes Mal.

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