Landwirt

Ein Landwirt wurde wegen «illegalem» Misthaufen verurteilt

Landwirt wurde verurteilt

Landwirt wurde verurteilt

Das Bezirksgericht Lenzburg verurteilte einen Landwirt, weil er den Umwelt- und Gewässerschutzvorschriften nicht nachgekommen war. Er deponierte seinen Dünger zu nahe am Wasser. Der Landwirt erwägt den Gang vors Obergericht.

Thomas bucher

Es kommt oft vor, dass Bauern am Rand ihrer bepflanzten Felder organisches Material deponieren, welches im Herbst als Dünger in den Boden eingepflügt werden kann.
So tat es auch ein 56-jähriger Landwirt aus dem Bezirk Lenzburg. Äste von Brombeergestrüpp, Topferde sowie Stroh und Gras mit Mistbestandteilen von Kaninchen und Kühen: All das hatte er vorletztes Jahr am Feldrand vorübergehend gelagert. Ein Dorfbewohner erstattete Anzeige gegen ihn: Der Landwirt betreibe eine Mistdeponie, die den gesetzlichen Vorschriften nicht entspreche, so der Vorwurf. Für den betroffenen Landwirt steht fest, dass es ich dabei um einen «Racheakt» des Mitbewohners für einen ähnlichen Fall handle.

Nahe an Wald und Wasser

Den Untersuchungen folgte ein Strafbefehl: Der Landwirt sollte gemäss Anklageschrift wegen fahrlässigen «Verstosses gegen die Gewässerschutz-Gesetzgebung» eine Busse von 1200 Franken bezahlen, dazu die Gerichtskosten und eine bedingte Geldstrafe von knapp 2940 Franken (14 Tagessätze zu 210 Franken).
Das Material liege im Einzugsgebiet eines Baches, wie ein Gutachten ergeben hatte. Weiter steht in der Anklageschrift, dass der Haufen sich auf unbefestigtem Boden und zu nahe am Waldrand befunden habe sowie besser hätte abgedeckt werden sollen.

«Verhältnisblödsinn»

Der Landwirt wollte den Strafbefehl nicht auf sich sitzen lassen und erhob Einsprache. In ein weisses Hemd und einen schwarzen Anzug gekleidet, trat er gstern morgen vors Lenzburger Bezirksgericht. Der Angeklagte titulierte die Geldstrafe als «Verhältnisblödsinn». Falls er verurteilt werde, würden ihm gar Direktzahlungen von 2500 Franken gestrichen.
Der Landwirt zeigte sich «enttäuscht» darüber, dass es ihm nicht ermöglicht worden sei, das vermeintliche Problem vor dem gefällten Urteil zu beseitigen: «Ich hätte alles im Herbst auf die Felder verteilt, wäre da nicht die Anzeige gekommen.»

Urteil: leichte Milderung

Das Gericht wies die Einsprache des Landwirts ab. Das abgelagerte Material inklusive Grüngut sei «Dünger» und somit gefährdend, besonders im Einzugsgebiet eines Bachs. Eine leichte Milderung des Urteils wurde dem Landwirt gewährt, weil er bereits bei den Direktzahlungen Abstriche hinnehmen müsse. Die bedingte Busse wurde auf zehn Tagessätze (2100.-), die Geldstrafe auf 400 Franken reduziert.
Der Landwirt ist sichtlich unzufrieden: Er erwägt nun, das Urteil erneut anzufechten und vors Obergericht nach Aarau auf Kantonsebene weiterzuziehen. Der letzte Mist ist also wohl noch nicht geführt.

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