Kraftwerk Ruppoldingen
Ein Kraftwerk kennt auch im Sommer keine Ferien

Für Wasserkraftwerke ist der Juli eigentlich einer der ergiebigsten Monate im Jahr. Trotz hohen Schneemengen im Winter fliesst das Schmelzwasser jetzt aber eher mager.

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Kraftwerk Ruppoldingen

Kraftwerk Ruppoldingen

Aargauer Zeitung

Peter Keller

Die Frühlings- und Sommerzeit von April bis Juli ist für Urs Hofstetter, Geschäftsleiter der Atel Hydro AG, die «Haupterntezeit» im Jahr. Dann führen die Flüsse das Schmelzwasser aus den Bergen ab und lassen die Turbinen auf Höchstleistung laufen. «Dieses Jahr verlief eher durchzogen», sagt Hofstetter, «aufgrund der enormen Schneemengen des Winters erwarteten wir eine hohe Abflussmenge in der Aare, doch die Realität sieht anders aus.»

Letzte Woche betrug der Durchfluss in Ruppoldingen 330 Kubikmeter pro Sekunde und lag damit sogar unter dem langjährigen Durchschnitt von 356 Kubikmetern. Hofstetter vermutet, dass die langen Windphasen in den Bergen grosse Mengen Schnee direkt verduns-ten liessen.

Hohe Verfügbarkeit

Ziel des Kraftwerksleiters ist es, eine möglichst hohe Verfügbarkeit der Anlagen zu gewährleisten und die Maschinenstillstände auf das absolut Notwendige zu minimieren. Die Revisionsarbeiten an Turbinen und Generatoren werden deshalb bewusst in den Niederwasserphasen im Spätherbst oder im Januar ausgeführt.

Das inzwischen neun Jahre alte Kraftwerk Ruppoldingen weist gute Werte aus: Die Jahresverfügbarkeit liegt bei rund 98,7 Prozent. Der Ausfall von 1,3 Prozent entfällt auf geplante Revisionen - lediglich 2 Promille der Stillstandszeit werden durch technische Störungen verursacht.

Ohne Mensch gehts nicht

Aus Atel wird Alpiq

Das Kraftwerk Ruppoldingen produziert mit zwei Rohrturbinen jährlich im Schnitt 114 Mio. Kilowattstunden Strom. Ausgelegt ist es für eine maximale Turbiniermenge von 450 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Die optimale Leistung (18,8 Megawatt) erbringt es bei 400 Kubikmetern pro Sekunde.

56 Prozent der Produktion fallen im Sommerhalbjahr an. Ruppoldingen bildet mit den Schwesterwerken Niedergösgen und Flumenthal die Atel Hydro AG, die noch dieses Jahr umfirmiert wird und den neuen Konzernnamen Alpiq integriert. (pk)

Eine Betriebsmannschaft von 17 Fachleuten, stationiert in Niedergösgen, sorgt für den einwandfreien Betrieb der beiden Kraftwerke Niedergösgen und Ruppoldingen. Im Pikettdienst ist jeweils ein Mann während einer Woche rund um die Uhr für ein Kraftwerk verantwortlich. Tagsüber versieht er Dienst vor Ort, kontrolliert, überwacht und erledigt anfallende Arbeiten - nachts wird er alarmmässig aufgeboten, wenn das Überwachungssystem Anomalien meldet.

Das Kraftwerk Ruppoldingen werde vollautomatisch gesteuert, trotzdem sei menschliche Präsenz nach wie vor sehr wichtig in den Kraftwerken, sagt Hofstetter. «Unsere Spezialisten kennen die Werke und ihre Maschinenkomponenten so gut, dass sie sehr früh spüren, wenn sich irgendwo etwas anbahnt. Das ermöglicht uns, frühzeitig zu re-agieren und unnötige Stillstände zu vermeiden.»

Einsatz für Natur und Mensch

Die Betriebsequipen sind aber nicht nur in den, sondern auch in der Umgebung der Werke aktiv. Das Unterwasser ist auch in Ruppoldingen ein beliebter Freizeittreffpunkt der Bevölkerung - mit dem bekannten Litteringproblem.

Erfreut ist Urs Hofstetter, dass die hohen Inves-titionen von 20 Mio. Franken in Ersatzmassnahmen für die Natur Früchte tragen: «Das alle vier Jahre angesetzte Umweltmonitoring zeigt, dass sich Fisch- und Vogelwelt positiv entwickeln. Die Eisvogelpopulation ist beispielsweise auch nach dem Neubau immer noch vorhanden, und seit kurzem machen sich die Biber breit.»

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