Ein kleines bisschen Weihnachtsstimmung

Tanja Enseroth hat diese Woche das erste Mal einen Pullover getragen, seit sie sich im Austauschjahr in der Dominikanischen Republik befindet.

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Monumento de Santiago

Monumento de Santiago

Regen, Wind und unter 25 Grad Celcius. Scheint, als wollte mir das Wetter diese Woche zumindest ein Minimum an Weihnachtsstimmung zukommen lassen.

Oder mir die Gelegenheit geben, zu Hause zu bleiben um für die Semesterprüfungen zu lernen, denn bei strahlendem Sonnenschein fehlt mir eindeutig die Motivation dazu. Im Allgemeinen nehme ich zurzeit die Schule nicht allzu ernst, da ich dieses Jahr in der Schweiz sowieso repetieren muss. Wieso sich also die Zeit mit Mathematik vertreiben wenn man die Karibik vor der Haustür hat?

So liess ich mich auch vom Regen nicht beeindrucken und fuhr am Freitagabend mit einigen Freunden nach Villa Trina, wo die Familie von einem dieser Freunde eine wunderschöne Finca besitzt. Da Villa Trina auf dem Land und ein wenig in den Bergen liegt, war es dort erstaunlich kalt, und so kam ich schlussendlich das erste Mal seit langem in den Genuss einen Pullover zu tragen. Was allerdings alle meine Freunde erstaunte, meinten sie doch ich sollte mir schliesslich kältere Temperaturen gewöhnt sein.

Tanja Enseroth Tanja Enseroth, (17), aus Wölflinswil besucht das Gymnasium in Muttenz BL. Seit Ende August verbringt sie ein Austauschjahr in der Dominikanischen Republik, wo sie bei Gastmutter Olga und deren drei Kindern Santiago, (23), Juan, (22) und Catherine (19) in Moca nahe der Hauptstadt Santiago wohnt.

Tanja Enseroth Tanja Enseroth, (17), aus Wölflinswil besucht das Gymnasium in Muttenz BL. Seit Ende August verbringt sie ein Austauschjahr in der Dominikanischen Republik, wo sie bei Gastmutter Olga und deren drei Kindern Santiago, (23), Juan, (22) und Catherine (19) in Moca nahe der Hauptstadt Santiago wohnt.

Zur Verfügung gestellt

Samstags ging es dann mit meiner Gastschwester und einer Schweizer Freundin ins Kino wo es - Klimaanlage sei Dank - fast so kalt wie in Villa Trina war, um uns den zweiten Twilight-Film anzuschauen. Da meine Freundin vor wenigen Wochen erst die Familie gewechselt und von El Seybo nach Santiago und damit in meine Nähe gezogen ist, blieb ich nach dem Film bei ihr und übernachtete in ihrem Haus. Nun ja, zum schlafen kamen wir nicht gross, da uns ihr Gastbruder Santiagos Nachtleben in seiner vollen Länge demonstrieren wollte.

Nach einer dementsprechend kurzen Nacht fuhren wir am Sonntag in der Früh mit anderen Austauschschülern in eine Art Kloster um uns dort ein Nacimiento anzuschauen. Ein Nacimiento nennt man eine Ausstellung mit vielen Arten von Weihnachtskrippen, die meistens von Schülern gebastelt werden. Danach wollten wir uns das „Monumento de Santiago", das Wahrzeichen der Stadt, ein wenig genauer ansehen. Das Monumento wurde in den 40er Jahren für den damaligen Diktator Trujillo im Namen seines selbst errichtet und soll die Form eines männlichen Geschlechteils darstellen. Trujillo wird oft auch „Hitler der dominikanischen Republik genannt und seine Amtszeit ging als eine der blutigsten Epochen des 20. Jahrhunderts in die dominikanische Geschichte ein.

Zur Zeit des Errichtung befanden sich rund um das Bauwerk nur vereinzelte Häuser. Heute, rund 70 Jahre später und umbenannt in "Monumento a los Héroes de la Restauración" befindet sich dieses im Zentrum der zweitgrössten Stadt des Landes.

Mit etwas zu Essen im Bauch und ein Stückchen dominikanischer Kultur im Kopf ging es dann schliesslich doch nach Hause - um ein wenig zu lernen.