Geschichte
Ein Kleid mit Blätzli von Herzog Leopold

Die Laufenburger Narronen verdanken ihr buntes Blätzlikleid Herzog Leopold III. von Österreich. Die Untertanen huldigten anno 1386 ihrem neuen Herrn, der ihnen als Belohnung das Kleid schenkte.

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Fasnacht Laufenburg

Fasnacht Laufenburg

Aargauer Zeitung

Von Walter Christen

Die Herkunft des Blätzlikleides der Narronen, die Sage von der Larve und die verschiedenen Deutungen des Narrolaufens bilden unter anderem den geschichtlichen Hintergrund der Laufenburger Narro-alt-Fischerzunft 1386.

Die Zunft der Laufenburger Narronen kann auf eine grosse Tradition zurückblicken und ist mit der Stadtgeschichte des Felsennests am Rhein untrennbar verbunden. Seit dem napoleonischen Verdikt sind zwar die beiden Städte getrennt in das linksrheinische, das schweizerische Laufenburg und in das am rechten Flussufer gelegene deutsche Laufenburg Baden. Während sich das Volk hüben wie drüben dem politischen Willen Napoleons im Jahr 1803 beugen musste, widersetzten sich die Narronen der Trennung. Sie blieben eine Zunft mit ein und derselben Herkunft - Landesgrenze hin oder her.

«Hätte Napoleon nur ein einziges Mal die Laufenburger Tschättermusik gehört, wäre die Stadt heute bestimmt nicht geteilt.» Dies betonte der inzwischen leider verstorbene Stadtammann Alfred Kuratle bei der Präsentation des Jubiläumsbuchs der Narro-alt-Fischerzunft zu deren 600-Jahr-Jubiläum.

An den drei Faissen Donnerstagen versammeln sich frühmorgens und abends Jung und Alt kostümiert und mit allerlei Lärminstrumenten versehen am Wasentor, voran die Narronen. Dann beginnt der uralte Rhythmus. Gewaltig und mit ohrenbetäubenden Schlägen ertönt die Tschättermusik. Verwendet werden Trommeln, Pauken, Trompeten, alte Pfannendeckel, Eisenrohre, Sägeblätter und ausgediente Töpfe - kurzum alles, was Lärm macht. Die Tschättermusik in der Altstadt klingt unheimlich schön, und in ihrem monotonen Gleichklang entfaltet sie ein dumpfes Grollen.

Die Zunftbrüder auf beiden Seiten des Rheins pflegen regen Kontakt untereinander und bewahren die überlieferte Fasnachtstradition. Dazu zählt das bunte Blätzlikleid, an dem die Laufenburger Narronen zu erkennen sind. Das Gewand schenkte ihnen Herzog Leopold III. von Österreich, der am 24.Juni anno 1386 die Huldigung seiner neuen Untertanen entgegennahm (Laufenburg gehörte damals zu Vorderösterreich; Red.). Denn in besagtem Jahr musste Graf Hans IV. von Habsburg-Laufenburg die stark verschuldete Herrschaft Laufenburg an seinen Vetter Herzog Leopold III. verkaufen.

Gegenüber den Laufenburgern zeigte sich dieser wiederum erkenntlich und schenkte ihnen «ein aus hundert Bletzen» zusammengesetztes Kleid. Die Angehörigen der Fischerzunft nahmen es gerne an, weil sie die farbigen Lappen mit den Schuppen der grossen Lachse verglichen, die ihnen am Laufen, den damals noch vorhandenen Stromschnellen im Rhein, in die Netze gingen. So ist das Blätzlikleid bis heute das Festgewand der Narro-alt-Fischerzunft 1386.

Um die Larven der Narronen und deren Ursprung rankt sich die Sage von Graf Hans IV., der einst zur Fasnachtszeit auf der Rheinbrücke von seinem Pferd abgeworfen worden sein soll. Er sei auf das Brückengeländer gefallen. Dank der hölzernen Larve, die er getragen habe, sei er hängen geblieben und nicht in die Tiefe gefallen. Durch viele Generationen wurde diese kunstvoll geschnitzte Larve vererbt und an der Fasnacht getragen.

Am Narrolaufen verteilen die Zunftbrüder jeweils am Fasnachtsdienstag Würste, Weggen und Orangen unter das Volk. Geschichtsforscher vermuten, dass es sich dabei um die Weiterführung des mittelalterlichen Brauchs der Witwen- und Waisenbescherung handelt. Denn die Hilfsbedürftigen mussten damals aus der gemeinsamen Kasse der Zunft unterstützt werden - so verlangten es die sozial verfassten Fischer- und Flösserverordnungen.