Ein Kanton sucht den Sommer

Ferienplanung Kuoni-Reiseberater Norbert Meier (r.) berät Martin Attiger aus Wettingen. Er fliegt mit seiner Frau und Freunden im August auf Rhodos. (kus)

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Ferienplanung Kuoni-Reiseberater Norbert Meier (r.) berät Martin Attiger aus Wettingen. Er fliegt mit seiner Frau und Freunden im August auf Rhodos. (kus)

Die Reisebüros hätten letzte Woche vom schlechten Sommerwetter profitieren können – wenn nicht schon viele Schnäppchen ausverkauft wären.

Sabine Kuster

Der Regen tropft von den Rollläden des Reisebüros Kuoni in Baden. Eine Frau steht mit dem Schirm in der Hand vor dem Schaufenster und studiert die ausgehängten Listen mit den Flügen in sonnige Länder. Auf die Insel Kreta wolle sie oder nach Rhodos, aber die Flüge seien immer noch zu teuer, sagt sie.

Nun folgen zwar ein paar freundlichere Tage, doch schon am Wochenende soll es wieder feucht und kühl werden. Das Regenwetter treibt viele Aargauer in die Reisebüros, die ursprünglich mitten in der Krise nicht verreisen wollten - auf dem Zeltplatz ist es dann ungemütlich. Die Reiseanbieter im Kanton verzeichneten letzte Woche alle einen Ansturm auf Last-Minute-Angebote; Kurzentschlossene, die am liebsten schon morgen am Strand liegen würden. «Ich habe selten einen solchen Ansturm auf Last-Minute-Angebote erlebt», sagt beispielsweise die stellvertretende Filialleiterin vom TUI-Reisecenter in Aarau, Tanja Andermatten.

Es wird weniger geflogen

Spontane und billige Badeferien sind momentan zwar gefragt, aber gesamthaft gesehen spüren auch die Reisebüros die Krise. Sie erhalten weniger Aufträge. Daher wären die Voraussetzungen eigentlich ideal, spontan noch buchen zu können. Doch die Fluggesellschaften haben sich auf die Krise eingestellt und ihr Angebot reduziert. Bei den Reisebüros Knecht in Wohlen, TUI in Aarau sowie Twerenbold, Kontiki-Saga und Kuoni in Baden heisst es unisono: «Wir haben nicht mehr viele Schnäppchen für Badeferien im Angebot.» «Die Kunden sind preissensibler als auch schon», sagt Ruth Knecht von Eurobus in Windisch.

Viele Familien können sich heuer selbst Badeferien am Mittelmeer nicht leisten. «Die Familien fehlen uns», sagen Anja Meier, Filialleiterin von Kontiki-Saga, und Norbert Meier, Reiseberater bei Kuoni. Familien sind nicht nur am stärksten von der Krise betroffen, für sie ist es auch besonders schwer, kurzfristig zu buchen. «Für eine fünfköpfige Familie in einer ganz bestimmten Woche jetzt noch Plätze in einem Flugzeug zu finden, ist fast aussichtslos», sagt Anja Meier.

Immer mehr buchen im Internet

Wollen die Aargauer ans Meer, reisen sie diesen Sommer vor allem nach Mallorca, in die Südtürkei, nach Griechenland oder mit dem Car an die Costa Brava und nach Rimini - falls sie ihre Reisen übers Reisebüro buchen. Im Trend liegt ausserdem Amerika - hier verzeichnen Kuoni und Kontiki-Saga eine Zunahme an Buchungen.

Viele andere - vor allem Jüngere - buchen ihre Flüge heute jedoch übers Internet. Auch das spüren die Reisebüros. «Zu uns kommen die Leute vermehrt, um kompliziertere Individualreisen zu buchen», sagt Norbert Meier von Kuoni.

Wer einen Flug bucht - ob im Reisebüro oder im Internet -, kann seinen Anteil am CO2-Ausstoss der Reise kompensieren. Wie die Aargauer Reisebüros mitteilen, wird dies bislang jedoch nur für wenige Flüge gewünscht. Das Angebot sei noch zu wenig bekannt. Myclimate ist das bekannteste Unternehmen, welches diese Kompensationen anbietet. Auf www.myclimate.org kostet dies für den Flug Zürich-Athen-Zürich 25 Franken für ein Projekt zur Reduktion von Emissionen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Deutlich mehr, nämlich 75 Franken, zahlt, wer ein Projekt in der Schweiz unterstützt.

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