Ein Jüngling unter vielen Alten

Im Vergleich zu seinen Bewohnern ist es noch ein echter Jüngling: Das Altershein Kirchberg wird 25 Jahre alt. Trotz seines zarten Alters hat es bereits einiges erlebt.

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Solothurner Zeitung

Marisa Cordeiro

In den 25 Jahren, seit es das Altersheim Kirchberg gibt, hat sich vieles verändert: Die Menschen werden älter, bleiben mobiler und treten - wenn überhaupt - spät in ein Altersheim ein. Doch ehe sie sich dazu entschliessen, profitieren sie vom 14-Tage-Schnupper-Wohnen - schliesslich will der moderne Pensionär wissen, worauf er sich einlässt. Entscheidet er sich schliesslich fürs Heim, hat er beim Einzug gleich das eigene Bett im Gepäck. Der Grund liegt auf der Hand: So fühlt man sich gleich von Beginn weg wieder wie zu Hause.

Ein harziger Start

15 Jahre, neun Monate und 21 Tage - so lange dauerte es, das Altersheim Kirchberg zu planen. Im März1982 erfolgte schliesslich der Spatenstich und nach einer Bauzeit von 26 Monaten war das sieben Millionen Franken teure Heim errichtet. Seit 1988 wird es vom Gemeindeverband getragen. Doch der Bau war kaum beendet, traten erste Mängel zutage: Das Flachdach wurde mangelhaft verarbeitet, so dass schon bald nach starken Regenfällen Wasserschäden entdeckt wurden. Der Schaden war aber geringer als zunächst vermutet: Eine Sanierung war dennoch nicht zu umgehen. «Abgesehen davon ist die Bausubstanz aber einwandfrei», sagt der heutige Heimleiter Ernst Christen. (com)

Ja, das sind neue Ansprüche, an die sich das Leiterehepaar Annemarie und Ernst Christen erst gewöhnen musste. Ausserdem seien die Arbeitszeiten unattraktiver geworden, sagt der 54-Jährige und fragt selbsterklärend: «Wer will schon beispielsweise um sechs Uhr abends mit der Arbeit beginnen und erst nach Mitternacht Feierabend haben?» Ja, es gibt wahrhaftig Berufe, deren Alltag besser mit dem Puls der Gesellschaft mithalten kann.

Die Sorge um den Hausfrieden

Seit bald 20 Jahren führen die beiden gelernten Gerontologen nun das Altersheim. Sie kümmert sich um die Hotellerie und die Betreuung während er die Heimleitung innehat. Im Altersheim wohnen 49 Menschen, die von zirka 45 Mitarbeitenden betreut werden. Für das Ehepaar Christen stellen die neuen Möglichkeiten für Senioren aber keine Konkurrenz dar. Betreutes Wohnen im Alter oder die Spitex seien andere Wohnformen für Personen, die noch selbständig genug sind. Mit dem Eintritt ins Altersheim allerdings, sei immer eine herbe Umstellung verbunden. Nach langer Unabhängigkeit müssten sich alte Menschen wieder in eine Gesellschaft einfügen lernen. Das sei für viele nicht einfach, wissen sie. «Den Hausfrieden zu wahren ist deshalb nicht immer einfach», sagt Annemarie Christen.

25 Jahre in Fronarbeit serviert

Ebenfalls Grund zu feiern hat der Gemeinnützige Frauenverein Kirchberg. Seit der Eröffnung des Altersheims betreiben 60 Frauen dessen Cafeteria, sieben Nachmittage die Woche - ehrenamtlich. «Darauf sind wir stolz, auch wenn wir anfänglich Lampenfieber hatten», sagt Marlene Läng (76, Kirchberg), die viele Jahre die Einsatzpläne gemacht hat. Ressourcenknappheit kannte sie nie. Um so mehr amüsieren sich die Frauen heute ob der Situation, als ein Mann zu Beginn misstrauisch meinte: «Das macht ihr höchstens ein Jahr.» Inzwischen sei aus der Cafeteria ein Treffpunkt für Jung und Alt geworden, wo Gäste - notabene - noch immer von neun Gründerinnen bedient werden. (com)

Wie lassen sich die Wünsche der Bewohner am besten mit dem Heimalltag vereinbaren? Das sei deshalb die zentrale Frage, worauf sie immer wieder eine Antwort finden müssten, fährt die 49-Jährige fort. Auf diesem Grundgedanken basiere auch die Idee ihres Menu-Stammtischs, der alle 14 Tage stattfindet. «Wem das Essen schmeckt, fühlt sich sofort wohler», sagt sie. Deshalb biete der Menu-Stammtisch den Bewohnern die Gelegenheit, liebgewonnene Gewohnheiten, die sie im Heim vermissen, als Wunsch anzubringen. Ernst Christen nennt ein Beispiel: «Menschen, die sich währschaftes Essen gewohnt sind, mögen ‹Diät-Rösti› nicht. Für sie gehört ein wenig Schweineschmalz dazu.»

Jeder ist selber verantwortlich

Über 20 Jahre hat das Ehepaar Christen nun Einblicke in das Leben älterer Menschen gesammelt und dadurch einen eigenen Zugang zum Älterwerden entwickelt. Für beide steht fest: Jeder ist selber für sein Leben im Alter verantwortlich. «Darauf muss man sich vorbereiten und das geht über die körperliche Fitness hinaus», sagt Annemarie Christen. Beispielsweise sei es wichtig, ein intaktes Beziehungsnetz aufrecht zu halten. «Und die Bresten wennmöglich mit psychischer Fitness auszugleichen», fügt Ernst Christen an. «Das hält vif und den Alltag im Alter lebenswert.»

Am Samstag 20. Juni findet von 10 bis 16.30 Uhr rund ums Altersheim ein öffentliches Jubiläumsfest statt. Infos unter www.altersheim-kirchberg.ch