75-Jahr-Feier Arbeiterstrandbad Tennwil
«Ein Heimatrecht am See sichern»

Geschaffen auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise 1935, hat das Arbeiterstrandbad Tennwil alle Widerstände überwunden. Vergangene Woche feierten rund 100 Stiftungsratsmitglieder, Politiker und befreundete Organisationen das «Juwel der Arbeiterbewegung».

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75-Jahr-Feier Arbeiterstrandbad Tennwil

75-Jahr-Feier Arbeiterstrandbad Tennwil

Lenzburger Bezirks-Anzeiger

Philipp Muntwiler

Während einer Bootsfahrt auf dem Hallwilersee sei in Fritz Baumann die Idee gereift, den kleinen Leuten, namentlich den Arbeitern, ein Heimatrecht am See zu sichern, bevor es zu spät sein würde. Die Initiative des Oberrichters aus Aarau stiess sowohl bei bürgerlichen Kreisen wie auch bei den Arbeitern zunächst auf wenig Gegenliebe. Denn die Arbeiter hatten auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise mit Hunderttausenden von Arbeitslosen andere Sorgen, als an Baden und andere Freizeitvergnügungen zu denken.

Eine Schnapsidee?

«Es brauchte Mut, dieses Projekt in dieser schwierigen Zeit anzupacken und darauf zu bestehen, dass auch weniger privilegierte Menschen Anrecht auf Erholung und Musse haben», sagte Urs Hofmann, Regierungsrat und Stiftungsratsmitglied des Arbeiterstrandbads, an der Jubiläumsfeier. Und dennoch sei es richtig und wichtig gewesen, dieses Recht einzufordern und sich durchzusetzen. Denn das Leben bestehe nicht nur aus Arbeit.

Es sei kein Zufall, dass weder Krieg noch gesellschaftliche Umwälzungen, weder Hochkonjunktur noch Krisenzeiten dem Arbeiterstrandbad etwas anhaben konnten, sagte Hofmann. «Gute Ideen gehen nicht so schnell unter.»
Noch heute sei das Arbeiterstrandbad für viele nicht einfach nur eine Badi, sondern ein Stück Heimat, ein gemeinsames Werk vieler: «Und damit ein einmaliges Werk, nicht nur in unserem Kanton, sondern weit darüber hinaus.»

Susi Hulst-Baumann, die Tochter des Initianten Fritz Baumann, amüsierte die Gäste mit Anekdoten aus ihrer Jugendzeit und ihren vielen Aufenthalten im Arbeiterstrandbad. Eine besondere Sache sei die Bootsvermietung gewesen, stellte sie fest. «Manchmal sind die Boote einfach nicht mehr zurückgekommen und wir mussten sie entlang des Seeufers suchen gehen.»

Stiftungspräsident Werner Werder erklärte, dass in den ersten Betriebsjahren das Arbeiterstrandbad nur dank der Zusatzeinnahmen aus einem kleinen Kiosk, der Wurst und Brot und nichtalkoholische Getränke verkaufte, überleben konnte. Um weitere Geldquellen zu erschliessen, seien Parkgebühren eingeführt worden - jedoch nicht für Autos, sondern für Velos.

Heute beträgt der jährliche Umsatz im Arbeiterstrandbad gegen eine Million Franken. Wurden damit die Ideale der Gründerväter verraten? Nein, findet Werder. Denn noch immer seien die Preise für Dienstleistungen und Platzmiete moderat. Und die Wirtschaftlichkeit müsse gewährleistet sein, damit der Stiftungszweck mit Investitionen gesichert werden könne. Das nächste grössere Projekt stehe nämlich bereits an: Als Jubiläumsgeschenk soll ein neuer Kinderspielplatz erstellt und die Uferpartie beim See-Einstieg neu gestaltet werden.

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