Utzenstorf

Ein Handbuch für Naturpädagogik

ANSCHAUUNGSUNTERRICHT: Romeo de Monaco vermittelt Jägerinnen, Jägern und anderen Interessierten Wissenswertes. (Bild: AFU)

Jagd

ANSCHAUUNGSUNTERRICHT: Romeo de Monaco vermittelt Jägerinnen, Jägern und anderen Interessierten Wissenswertes. (Bild: AFU)

Auf Schloss Landshut – wo das Schweizer Museum für Wild und Jagd beheimatet ist – wurde dem Fachpublikum und weiteren Interessierten das soeben erschienene Handbuch für jagdliche Naturpädagogik «Treffpunkt Jagd» vorgestellt.

ANDREA FLÜCKIGER

Dies vorweg: Das neue Handbuch spricht nicht nur Jägerinnen und Jäger an. Es ist auch für Lehrpersonen jeder Altersstufe empfehlenswert. Sowohl Hintergründe wie auch Übungsanleitungen und Modellplanungen dürften für (Wald-)Spielgruppen, Schulen, Vereine sowie andere interessierte Kreise viele sehr brauchbare Impulse geben.

Im hinteren Teil des Schlossparks bilden zwölf Personen einen Kreis. Rundherum steht eine weit grössere Gruppe und beobachtet gespannt, was weiter passiert. Das neue Handbuch für naturbezogene Umweltbildung «Treffpunkt Jagd» wird an der Vernissage auf Schloss Landshut gleich auch praktisch vorgestellt. Die «Versuchspersonen» halten die Hände hinter den Rücken. Peter Kyburz, Hauptautor und Redaktor von «Treffpunkt Jagd», legt allen etwas in die Hände - einen Stein, einen Zweig mit Blättern, einen angefressenen Tannzapfen, Rehwolle: «Je zwei von Ihnen haben den gleichen Gegenstand erhalten. Finden Sie nun Ihr Gegenstück - aber nur mit Spüren.»

Dieses Spiel ist einer der zahlreichen Übungs-Vorschläge, die im eben erschienenen Handbuch für jagdliche Naturpädagogik zu finden sind. Wie Peter Kyburz, Mitarbeitender der Stiftung für Umweltbildung und Wald Silviva sowie Leiter des Projekts «Treffpunkt Jagd», erklärt, sei es gerade in der heutigen Gesellschaft, in welcher die Natur vor allem als Freizeitsport-Kulisse wahrgenommen werde, äusserst wichtig, die naturbezogene Umweltbildung im Lebensraum Wald zu fördern: «Da der Mensch ohne Natur nicht denkbar ist, ist die logische Folge daraus, dass dieser lernen muss, mit der Natur partnerschaftlich umzugehen.»

Weil die auf Hege basierenden Jagdsysteme der Schweiz ein gutes Beispiel für nachhaltige Nutzung seien, könnten gerade Jägerinnen und Jäger einen wichtigen Beitrag zu einem besseren Naturverständnis leisten: «Wie Forstleute verfügen Menschen, die beruflich oder privat auf die Jagd gehen, über ein grosses Wissen um natürliche Zusammenhänge und Abläufe. Dieses möchten wir auch einer breiteren Öffentlichkeit erschliessen.»

Erlebnisse prägen späteres Verhalten

Bei der nächsten Aufgabe müssen je zwei Personen an den markierten Stellen - diese sind so markiert, wie es bei Autounfällen mit Wild üblich ist - nach Tierspuren beziehungsweise Tierhaaren suchen und versuchen herauszufinden, um welche Tierart es sich handelt. Der Tipp von Jagdinspektor Romeo de Monaco: «Riechen Sie auch an den Haaren.»

Elementare Erlebnisse und ein positiver Umgang mit Naturerlebnissen seien speziell bei Kindern extrem wichtig für einen späteren respektvollen Umgang mit der Natur, meint Romeo de Monaco - und: «Kinder imitieren Erwachsene in ihrem Verhalten. Wenn sich die Eltern zum Beispiel angeekelt von einem toten Tier abwenden, werden dies auch die Kinder machen, obwohl diese es von sich aus nicht täten.» Deshalb lege er im Wald-Unterricht seinen Hund oft auch auf eine Fährte an, an deren Ende ein echtes (natürlich totes) Tier liege.

Er sagt es und führt dies gleich vor. Als sein Hund mit einem toten Fuchs zurückkommt, wendet sich de Monaco an die anwesenden Jägerinnen und Jäger: «Wenn ihr mit toten Tieren arbeitet, ist die Hygiene ein besonders wichtiger Aspekt. Aus diesem Grund ziehe ich stets Handschuhe an, wenn ich den Kindern Ohren, Schnauze, Zähne und Pfoten eines echten Tieres zeige.»

Leitfaden für Unterricht

Das Handbuch «Treffpunkt Jagd» sei vor allem als Leitfaden für Jägerinnen und Jäger gedacht, erklärt Peter Kyburz: «Damit diese ihr Wissen und Verständnis um natürliche Abläufe pädagogisch und didaktisch sinnvoll weitergeben können, sind in diesem Buch neben Hintergründen und methodischen Grundlagen zu Naturpädagogik und naturbezogener Umweltbildung auch praktische Anleitungen zu verschiedenen Einzelübungen und ganze Planungsmodelle enthalten.»

Zum Abschluss seiner Vorführung testet Romeo de Monaco in einer letzten Übung die Beobachtungsgabe der Anwesenden: «Hier hinten im Umkreis von nur 30 Metern liegt ein Rehkitz. Wer sieht es?» Die erfahrenen Beobachter sehen es sofort - kaum zehn Meter entfernt im
etwa 30 Zentimeter hohen Gras -, die Unerfahrenen allerdings erst, als jemand hingeht und mit dem Finger darauf zeigt. De Monaco beruhigt lachend: «Es ist auch schon vorgekommen, dass das Kitz kaum einen halben Meter entfernt lag - und niemand hat es gesehen ...»

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