Rüdtligen-Alchenflüh
Ein haarsträubendes Projekt realisieren

Seit einem halben Jahr arbeiten Coiffeur Christian Holenweg und Rüdtligen-Alchenflühs Gemeindeschreiber Urs Lüthi intensiv zusammen. Mit Haaren hat ihr gemeinsames Projekt aber definitiv nichts zu tun.

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Urs Lüthi und Christian Holenweg

Urs Lüthi und Christian Holenweg

az Langenthaler Tagblatt

Von Fabienne Wüthrich

Coiffeure und Gemeindeschreiber haben auf den ersten Blick nur wenig Gemeinsamkeiten. Kümmert sich einer um die Haare seiner Kunden, beschäftigt sich der andere mit den dorfeigenen Geschäften.

In Rüdtligen-Alchenflüh ist das aber anders - hier arbeiten die beiden Berufsgattungen momentan eng zusammen. «Mit Frisuren und Verwaltungsangelegenheiten hat das aber nicht viel zu tun - das wäre an den Haaren herbeigezogen», sagt Gemeindeschreiber Urs Lüthi und lacht.

Zusammen mit dem ortsansässigen Coiffeur Christian Holenweg realisiert er seit etwa sechs Monaten ein Film-projekt. Dieses handelt den Bau der Bahn 2000 in Rüdtligen-Alchenflüh ab. Lüthi erklärt: «Das war eine sehr intensive Zeit für uns.»

Nach der Fertigstellung hätten er und der ehemalige Gemeinderat Ueli Roth den Wunsch gehabt, einmal auf der Strecke eine Führerstandfahrt miterleben zu dürfen. Daraus sei die Idee entstanden, einen Film darüber zu drehen. «Dieser Bau hat in unserer Gemeinde viel ausgelöst - er ist ein Teil unserer Geschichte.»

«Damit wurde viel bewegt»

Wegen der Bahn 2000 war laut Lüthi auf ihrem Gemeindegebiet ein veränderter Autobahnanschluss «Kirchberg» notwendig. Dank dem neuen Autobahnanschluss sei die Entlastungsstrasse Alchenflüh/Kirchberg bewilligt worden; aus Lärmschutzgründen führte das zum Bau der Autobahnüberdeckung - auf der ein neuer Dorfplatz umgesetzt wurde.

Mit dem neuen Autobahnanschluss habe die Shopping-Meile ihre heutige Form erhalten, und es konnten auf Gemeindegebiet Rüdtligen-Alchenflüh etliche Firmen angesiedelt werden. Lüthi konkretisiert: «Ohne dieses Projekt stünden wir heute nicht hier - damit wurde viel bewegt.»

Film als ein Erinnerungsstück

Das will die Gemeinde Rüdtligen-Alchenflüh auch im geplanten Film dokumentieren, deshalb hat sich Lüthi im vergangenen Jahr an Christian Holenweg gewandt. Er ist nämlich nicht nur Friseur, sondern auch Filmer.

Laut Lüthi hat Holenweg bereits mehrere Projekte für den Kanton Bern und die Gemeinde realisiert. Im September fingen die beiden mit den Dreharbeiten an - erster Tatort war der Führerstand eines Zuges. Gemeinsam seien er, Holenweg, Roth sowie SBB-Mediensprecher Roland Binz die Strecke Zürich - Bern gefahren.

Lüthi schwärmt: «Mit 200 Sachen unterwegs zu sein - das war schon toll.» Diese Aufnahmen sollten den Leuten bewusst machen, wie die Strecke nun eigentlich aussehe.

Nach dem Führerstand folgte die Sichtung des alten Bildmaterials, denn: Der Film zeigt neben dem Innenleben der Bahn hauptsächlich einen Rückblick des Baus. «Dieses Projekt ist im Prinzip ein Erinnerungsstück.» Doch der Gemeindeschreiber erklärt: «Der Aufwand lohnt sich.»

Im Augenblick sei Holenweg daran, den Film zu gliedern und zu schneiden. Die Zusammenarbeit mit dem Coiffeur sei super. «Wir kennen uns schon lange», sagt er und fügt lachend an: «Holenweg schneidet mir bereits seit Jahren die noch verbleibenden Haare.»

Viel ehrenamtliche Arbeit

Die Teamarbeit des Coiffeurs und des Gemeindeschreibers
bekommt die Bevölkerung schliesslich am 13. November zu sehen: Im Rahmen eines Anlasses des Kultur Forums Rüdtligen-Alchenflüh wird der Film vorgestellt.

An diesem Abend werde ebenfalls über die laufenden Arbeiten zum Ortsbuch informiert. «Deshalb wählten wir das Datum aus.» Bis dahin warte aber noch etliche Arbeit auf sie: «Wir planen noch Interviews mit den damals Betroffenen», sagt er.

Auch müsse der Film vertextet und vertont werden. Lüthi: «Wir sind aber im Zeitplan; das reicht sicher bis im November.» Die Bevölkerung werde dereinst den Film kaufen können; Details seien jedoch noch nicht festgelegt.

Finanziell habe das Projekt keine grossen Auswirkungen: «Ein Budget gibt es nicht», sagt er. Teuer werde es aber bestimmt nicht. Christian Holenweg wolle kein Honorar für seine Tätigkeit, und alle Beteiligten würden viel ehrenamtliche Arbeit leisten.

«Wir nehmen das gerne in Kauf», so der Gemeindeschreiber, «denn das Projekt macht grossen Spass.» Bis zur Filmpremiere muss sich Rüdtligen-Alchenflühs Bevölkerung noch gedulden und vor allem eines hoffen: Dass die Dokumentation nicht zu haarsträubend wird.

Am Freitag, 13. November, 20 Uhr, werden im Gemeindesaal Rüdtligen-Alchenflüh der Film zur Bahn 2000 und die Arbeiten zum Ortsbuch vorgestellt.