RGZ-Stiftung

Ein guter Draht zum Kind als Basis

Konzentration: Aline und Ergotherapeutin Jacqueline Zecher-Neeser arbeiten seit zwei Jahren zusammen und sind ein eingespieltes Team.

Ergotherapeutin Jacqueline Zecher-Neeser

Konzentration: Aline und Ergotherapeutin Jacqueline Zecher-Neeser arbeiten seit zwei Jahren zusammen und sind ein eingespieltes Team.

Sie sind noch Säuglinge oder bereits Teenager, haben motorische Störungen, Wahrnehmungsprobleme oder verzögerte Sprachentwicklung: Rund 300 Kinder aus dem ganzen Bezirk besuchen jährlich die Dietiker Therapie- und Frühberatungsstelle der RGZ-Stiftung.

Bettina Hamilton-Irvine

Aline (Name geändert) streicht kurz mit ihren nackten Füssen über das kleine Stück Fell am Boden und lacht verzückt, bevor sie vorsichtig auf das bewegliche Holzbrett klettert, welches an Metallfedern befestigt ist. Sie verlagert ihr Gewicht, balanciert einen Moment lang und steht dann triumphierend mit strahlendem Gesicht da. Sie hat den Parcours, den Ergotherapeutin Jacqueline Zecher-Neeser aufgebaut hat, mit Bravour gemeistert. «Das hast du super gemacht», lobt die Therapeutin.

«Je früher, desto besser»

Seit knapp zwei Jahren besucht die 6-jährige Aline wöchentliche Ergotherapiestunden in der Dietiker Frühberatungs- und Therapiestelle der RGZ-Stiftung. Die Stiftung begann einst als Elternverein «Regionalgruppe Zürich» der Schweizerischen Vereinigung zugunsten cerebral Gelähmter. Wie Hannah Nora Egli, Leiterin der Therapiestelle in Dietikon, betont, ist heute jedoch der Anteil der therapierten Kinder mit cerebraler Behinderung relativ klein. Man betreue Kinder mit allen Arten von motorischen Auffälligkeiten, Wahrnehmungs- und Verhaltensproblemen sowie Spiel- und Sprachentwicklungsverzögerung. Die Frühberatungs- und Therapiestelle bietet dazu die Bereiche heilpädagogische Früherziehung, Ergotherapie und Physiotherapie an und arbeitet ausschliesslich mit Kindern. Von Säuglingen bis zu 18-Jährigen sei das Altersspektrum gross, so Egli. Doch: «Je früher sie kommen, desto besser, weil das Veränderungspotenzial dann noch grösser ist.»

Auf Umwegen zum Ziel

In der Therapiestunde hat Aline unterdessen mehrere Holzfische am Boden platziert, welche sie nun konzentriert mit einer magnetischen Angelrute zu fischen versucht, während sie auf den Hindernissen ihres Parcours steht. «Ich bin der Kapitän, ai ai», ruft sie lachend.

«Bei mir geht es vordergründig um Motorik und Wahrnehmung», sagt Ergotherapeutin Zecher-Neeser, die seit bald zehn Jahren bei der Dietiker Therapiestelle arbeitet. Sie wolle den Kindern jedoch nicht vorschreiben, wie sie eine Aufgabe lösen sollten: «Ich als erwachsener Mensch würde vieles anders angehen. Doch Kinder haben ihre eigene Strategie.» So lasse sie die Kinder bewusst ihre eigenen erfolglosen Versuche machen, damit sie nachher selbst eine bessere Methode entwickeln könnten.

So hat auch Aline nun gemerkt, dass sie ihre Bauchtasche umdrehen muss, damit sie die Holzfische darin verstauen kann, ohne dass sie gleich wieder herausfallen. Dass sie dies selber entdeckt hat, ist für sie ein Erfolgserlebnis. Sie strahlt ihr herzerwärmendes Zahnlückenstrahlen.

Fortschritt nicht forcieren

«Wenn Aline Therapiestunde hat, ist es, als ob ein Sonnenschein zur Tür hereinkommt», sagt Zecher-Neeser liebevoll. Als sie die Arbeit mit ihr vor knapp zwei Jahren begonnen habe, hätte das Mädchen Augenkontakt vermieden und sei viel ängstlicher gewesen. Auch sei sie öfters hingefallen, habe kaum einen Malstift richtig halten können und hätte grössere Probleme mit dem Gleichgewicht gehabt als jetzt. Auch sei sie heute emotional stabiler und kommuniziere differenzierter. Dies freue sie sehr, so Zecher-Neeser: «Das wichtigste ist für mich die Beziehung zum Kind. Wenn diese stark ist, lässt es sich auch auf schwierigere Aufgaben ein.»

Doch könne man den Fortschritt nicht forcieren, da jedes Kind seine eigene Entwicklung mache, erklärt die Ergotherapeutin: «Alines Fortschritt ist langsam, aber kontinuierlich.»

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