dies
«Ein grosses Abschiedsgeschenk»

Vor wenigen Monaten trat Peter Jezler als Leiter des Historischen Museums zurück. Jetzt erhielt er für seine Verdienste die Ehrenpromotion der Uni Bern verliehen.

Merken
Drucken
Teilen
dies

dies

Solothurner Zeitung

Johannes Reichen

Merkel will später nach Bern kommen

Prominente Abwesende an der 175. Stiftungsfeier der Uni Bern vom Samstag in Bern war Angela Merkel. Der deutschen Bundeskanzlerin wurde vom Senat und der Universitätsleitung die Ehrendoktorwürde verliehen. Ihr Terminkalender passte allerdings nicht mit jenem der Uni überein - sie werde zu einem späteren Zeitpunkt nach Bern kommen, sagte Rektor Urs Würgler. Merkel habe sich «konsequent für das öffentliche Wohl verwendet», steht in der Laudation. Es war die erste Auszeichnung der Uni Bern dieser Art - bisher wurden Ehrendoktortitel nur von Fakultäten verliehen. Neben Merkel und Peter Jezler (siehe Haupttext) wurden weitere Personen mit einem Ehrendoktortitel ausgezeichnet. Die Amerikanerin Susan Jean Ashbrook Harvey erhielt ihn von der Theologischen Fakultät für Forschungen zum frühen syrischen Christentum und der Bedeutung des Geruchsinns im Christentum. Stephan Weber aus Eglisau erhielt die Würde von der Rechswissenschaftlichen Fakultät - er ist Spezialist im Haftpflicht- und Versicherungsrecht. Die zwei Amerikaner Wayne D.
Hoyer und Gregory G. Dess wurden von der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät geehrt. Hoyer hat Wesentliches in der Konsumverhaltensforschung geleistet, Dess im Strategischen Management. Ein Ehrendoktor ging weiter ins solothurnische Niederrohrdorf bei Olten. Von der Medizinischen Faklutät ausgezeichnet wurde Andreas C. R. Mayer, der mit seiner Firma «Technik Thermische Maschinen TTM» als Ingenieur und Wissenschafter Pionierarbeit in der Entwicklung sauberer Dieselmotoren geleistet hat und so «zur verbesserten Gesundheit der Bevölkerung in der Schweiz und auch weltweit» beigetragen hat. Die Vetsuisse-Fakultät zeichnete den Amerikaner David E. Hinton aus. Die philosophisch-historische Fakultät vergab den Titel an Richard Ernst aus Winterthur, der sich für die tibetische und mongolische Kultur einsetzt. Die philosophisch-humanwissenschaftliche Fakulät zeichnete ferner Denis Huguenin aus Boll aus, den Pionier der schweizerischen Verkehrspsychologie. (joh)

Vor wenigen Monaten hat Jezler als Museumsleiter nach erfolgreichen Jahren gekündigt und ist nun Direktor der Hochschule für Gestaltung und Kunst der Fachhochschule Nordwestschweiz in Basel. Für seine «faszinierende Aufbereitung der europäischen Kulturgeschichte» hat er nun die Ehrendoktorwürde der Philophisch-historischen Fakultät der Uni Bern erhalten.

«Kulturelles Gedächtnis»

Er habe dem Publikum «einen neuen Zugang zum Museum» verschafft, so die Laudatio. Jezler habe «die Bedeutung der Museen als Speicher des kulturellen Gedächtnisses und als Stätten der Vermittlung kultureller Tradition» in Bern neu definiert. Das Historische Museum habe er zu einem «Brennpunkt des bernischen Kulturlebens» gemacht und ihm zu einem hervorragenden Ruf verholfen.

«Ich glaube schon, dass es uns im Team gelungen ist, einen Weg zu finden, um die Begeisterung für Bildung und Wissenschaft zu entfachen», sagt Jezler auf die Auszeichnung angesprochen. Mit Ausstellungen zu Karl dem Kühnen, Albert Einstein oder dem «Bildersturm» sorgte das Historische Museum in den letzten Jahren für grosses Aufsehen auch im Ausland. «Dass das nun auch akademisch anerkennt wird, ist mir ein grosses Abschiedsgeschenk», sagt er.

«Verschwindend gering»

Jetzler bekam in Bern aber auch Kritik zu hören - so wurde ihm etwa die «Vermarktung der Geschichte» vorgeworfen. «Gemessen am Zuspruch war der Anteil der Kritiker verschwindend gering», sagt er heute im Rückblick. «Ich habe sie zwar ernst genommen, aber in ihr keine grosse Relevanz gesehen.» Damals hatte er die «Abstimmung mit den Füssen» gewonnen, und nun im Nachhinein auch noch den Zuspruch der Gelehrten erhalten.

Seine Jahre in Bern von 1997 bis 2009 bezeichnet Jezler als «fantastische Zeit». Vor allem in den ersten Jahren habe er grossen Handlungsspielraum gehabt, der es ihm erlaubte, «neue, kreative Ideen zu entwickeln». Dass er später «sich widersprechende Forderungen» erfüllen sollte, trug auch zu seinem Entscheid bei, das Amt schliesslich eher überraschend aufzugeben. «Die Entfaltungsmöglichkeiten waren am Schluss kleiner.»

«Viele neue Möglichkeiten»

An seiner neuen Wirkungsstätte in Basel ist er nun wieder glücklich: «Wir haben ein tolles Team, es tun sich viele neue Möglichkeiten auf», sagt der Hochschuldirektor darauf angesprochen. Derzeit beschäftigt sich Peter Jezler mit dem Informationsdesign und der Frage, auf welchen Wegen und Medien Informationen in kurzer Zeit vermittelt werden können. Ähnliche Fragen hatten sich ihm auch im Historischen Museum Bern gestellt.