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Ein Gewinn besonderer Art

Seit gut einem Jahr arbeitet Doris Scheidegger als Freiwillige. Ihre Einsätze im Garten des Kloster Beinwil und im Altersheim Drei Linden in Oberwil (BL) bereichern sie zwar nicht finanziell, aber persönlich.

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Solothurner Zeitung

Corina Marti

Doris Scheidegger ist 59 Jahre alt und lebt mit ihren fünf Katzen in einem Einfamilienhaus im basellandschaftlichen Wahlen. Sie ist geschieden und hat keine Kinder. Bis vor zwei Jahren arbeitete sie 100 Prozent als medizinische Laborantin. Dann musste das Labor schliessen und Doris Scheidegger suchte nach einer neuen Arbeitsstelle. In einem anderen Labor fand sie eine 50 Prozent-Anstellung, wiederum als medizinische Laborantin. Aber schon nach einem Jahr fühlte sie sich mit dem Teilzeitpensum nicht ganz ausgelastet. Sie wollte etwas «Sinnvolles» mit ihrer freien Zeit machen und dachte als erstes an Freiwilligenarbeit.

Jäten wirkt beruhigend

Freiwilligenarbeit

Im Rahmen einer lockeren Artikelfolge stellen wir Männer und Frauen vor, die in Organisationen und Vereinen unterschiedlicher Art ohne materiellen Lohn arbeiten. Freiwilligenarbeit lässt sich dabei nicht auf Besuchs- und Begleitdienst bei Betagten, kranken Menschen oder ehrenamtliche Arbeit in Vereinen reduzieren. Freiwillige Einsätze werden vielmehr auch in Natur und Umwelt, Sport, Kultur, Kirche, Schule und Integration geleistet. Seit Anfang Jahr wirkt die Geschäftsstelle der Vereins Benevol in Olten auf kantonaler Ebene als Koordinations- und Vermittlungsstelle im Bereich institutioneller Freiwilligenarbeit. (szr)
Informationen bei Benevol Kanton Solothurn, Ringstrasse 17 in Olten - entweder persönlich, aber auch per Telefon: 062 212 26 45 oder über E-Mail: info@benevol-so.ch

Neben der Gartenarbeit im Kloster Beinwil, leistet sie zusätzliche Stunden im Altersheim Drei Linden in Oberwil (BL). Dort führt sie Maltherapien mit demenzkranken Menschen durch. «Vor allem die Farben vergessen demente Menschen sehr schnell, deshalb male ich mit ihnen. Da ich auch privat gerne male, macht mir dies doppelten Spass», meint Doris Scheidegger.

«Für mich sind diese Arbeiten kein Muss, denn ich arbeite gerne. Wenn ich nichts zu tun habe, wird es mir schnell langweilig,» betont die 59-Järige. «Es macht mir Spass im Kloster Gartenarbeiten zu verrichten und im Altersheim mit den demenzkranken Menschen zu malen. Ich gewinne durch diese Arbeit sehr viel für mich persönlich.»

Worin der persönliche Gewinn genau besteht, kann ich nur schwer erklären. «Für mich ist Freiwilligenarbeit wie ein Hobby, von dem andere auch noch profitieren können. Es gibt einem ein gutes Gefühl, wenn man sehen kann wie viel Freude man den Menschen bereiten kann, denen man hilft.»

Doris Scheidegger glaubt dabei nicht, dass sie ein besonders wohltätiger Mensch sei, nur weil sie Freiwilligenarbeit leistet: »Solange ich etwas freiwillig mache, das mir sogar noch Freude bereitet, ist das nicht besonders selbstlos.» Durch die Freiwilligenarbeit erlebe man viele Dinge auf einer anderen Ebene, als man es zum Beispiel in der normalen Freizeit erleben würde. »

Alle Beteiligten profitieren

Viele Leute reagieren überrascht, wenn sie hören, dass Doris Scheidegger Freiwilligenarbeit leistet. «Sogar die Krankenpflegerinnen aus dem Altersheim waren erstaunt, dass ich freiwillig und kostenlos arbeite», erzählt sie lachend. Die Arbeit ist körperlich nicht sehr anstrengend. Deshalb können auch ältere Menschen, die genügend Zeit zur Verfügung haben, problemlos Freiwilligenarbeit leisten. «Der Verein Benevol ist in meinem persönlichen Umfeld, sowie im Laufenthal, praktisch unbekannt. Obwohl ich stets versuche meine Freunde und Bekannten zu animieren auch Freiwilligenarbeit zu leisten, lassen sich die wenigsten dazu bewegen», sagt sie.

Doris Scheidegger bedauert es, dass nach wie vor nur relativ wenige Menschen dazu bereit sind, als Freiwillige oder Freiwillier tätig zu sein. Denn: «Die Zeit, die man dafür aufwendet, geht nicht verloren. Man stellt lediglich jemandem ein bisschen von seiner Freizeit zur Verfügung.» Und: «Die zur Verfügung gestellte Zeit kommt allen Beteiligten zugute.»

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