«Ein Fumoir ist für mich Pflicht»

Ab morgen gilt es, das Rauchverbot. Doch nur wenige Restaurants im Kanton Bern richten ein Fumoir ein. Die es tun, sehen ohne separaten Raucherraum ihre Existenz bedroht.

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Solothurner Zeitung

Johannes Reichen

Ein paar neue Gäste im Insiderpub in Wanzwil? Könnte ja sein, dass sich Nichtraucher in Zukunft besser aufgehoben fühlen in diesem Pub, in dem bis anhin so ziemlich jeder rauchte, der vorbeischaute. Wirtin Ruth Schärer ist skeptisch. «Eine Völkerwanderung zum Pub wird es sicher nicht geben. Eher eine in den ersten Stock.»

«Für manche ist das unmöglich»

Bis Ende Mai hatten von 5561 Gastronomiebetrieben im Kanton Bern 221 ein Gesuch für ein Fumoir eingereicht. Seither ist die Zahl der Gesuche etwas gestiegen. Im Amt Aarwangen beispielsweise waren es Ende Mai acht Gesuche, jetzt deren 15. Die geringe Nachfrage vermutet Regierungsstatthalter Martin Lerch in der Jahreszeit. «Im Sommer ist das ja nicht so aktuell.» Lerch hat zehn Gesuche bewilligt, ein paar sind noch hängig. Im Amt Wangen waren bis vergangene Woche elf Gesuche eingegangen, im Mai waren es noch sechs gewesen. Auch hier vermutet Regierungsstatthalter Martin Sommer saisonale Gründe.»Es könnte sein, dass es im Herbst eine zweite Staffel von Gesuchen gibt.» Allerdings gebe es auch Wirte, die froh um das neue Gesetz seien, so müssten sie sich nicht selbst Gedanken über ein Rauchverbot machen. «Für manche ist es aber aufgrund der Betriebsstruktur unmöglich, ein Fumoir einzurichten.» Im Amt Trachselwald waren bis Ende Mai elf Gesuche eingegangen, zwei sind in der Zwischenzeit dazu gekommen. «Zwei konnten wir nicht bewilligen», sagt Claudia Rindlisbacher, juristische Mitarbeiterin im Regierungsstatthalteramt. «Das eine Fumoir wäre ein Durchgang zu einem grösseren Raum gewesen, und das geht natürlich nicht.» Fumoirs müssen abgetrennt sein, über eine Lüftung verfügen, dürfen nicht grösser als 60 Quadratmeter sein und höchstens einen Drittel der gesamten Restaurantfläche einnehmen. Ein Grund für die geringe Zahl von Gesuchen dürfte auch die ausstehende Beschwerde von GastroBern vor dem Bundesgricht sein. Der Wirteverband will unter anderem erreichen, dass der Ausschank in den Raucherträumen gestattet ist. (joh)

Dort befindet sich ab morgen, wenn die Bestimmungen zum Schutz vor Passivrauchen in Kraft treten, das Fumoir. Australisch angehaucht sieht es aus, «Kangaroo Lodge» heisst es, und hier sollen sich Raucher wohlfühlen. Nichtraucherin Schärer findet, dass Raucher vom Bund und vom Kanton wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden, «diskriminiert und kriminalisiert». Bei ihr sind es nicht wenige: «95 Prozent meiner Gäste rauchen.» Ein Fumoir sei für sie aus wirtschaftlichen Überlegungen Pflicht, sagt sie.

Erst wenige Fumoirs bewilligt

Ruth Schärer gehört einer Minderheit an im Kanton Bern. Gemäss einer Liste von Markus Grossenbacher, Trachselwalder Regierungsstatthalter und Präsident der bernischen Statthalter, wurden bis Ende Mai insgesamt 221 Gesuche eingereicht. Seither sind zwar noch einige dazu gekommen, doch der Ansturm bei den Bewilligungsbehörden hält sich in Grenzen (siehe Kasten). Für Manuel Ferrin aber war immer klar, dass er ein Fumoir einrichtet. In seinem Bar- und Billardcenter Bebeto in Langenthal gibts nun einen 60 Quadratmeter grossen Raucherraum, abgetrennt durch Holz und Plexiglas. 150 Quadratmeter bleiben rauchfrei. Der 53-Jährige ist überzeugt, dass er ohne Fumoir Schwierigkeiten hätte. Und zwar nicht nur wirtschaftliche. «Wenn alle Gäste draussen rauchen würden, gäbe es jeden Abend viel Dreck und viel Lärm.» Schwierigkeiten mit den Nachbarn will er jedoch nicht haben. «Darum ist ein Fumoir am besten», sagt Ferrin, auch wenn ihm das einiges abverlangt. «Für micht entstehen Kosten, die eigentlich gar nicht nötig wären.»

Wie im Insiderpub oder Billardcenter Bebeto kommen auch die Gäste des Saloons Madiswil oder des «Pöschtli» in Huttwil eher des Trinkens und Zusammenseins als des Essens wegen. Beide Betriebe werden von Bruno Alabor geführt. «Die rauchen nun mal», sagt er, auf 70 Prozent schätzt er ihren Anteil in den beiden Gaststätten, «und man muss ihnen eine Alternative bieten.»

Viel Geld und Aufwand für Fumoirs

In Huttwil wird er ihnen darum ein Sääli, in Madiswil einen Anbau zur Verfügung stellen. Diese Umbauten kosten ihn «ziemlich viel Geld» - aus seiner Sicht ohne Not. «Viele Wirtschaften kennen doch bereits ein Rauchverbot. Dafür braucht es doch kein Gesetz.» Eher hält er es mit der «perönlichen Freiheit» - für Wirt und Gast.

Die Bewilligung einzuholen, den Raum vorschriftengerecht einzurichten, das verlange grosse Anstrengungen, sagt Ruth Schärer vom Insiderpub. Auch bei der Toilette braucht es noch einige Änderungen. Mit «gemischten Gefühlen» steht sie nun dem Rauchverbot gegenüber. «Aber wir werden ja sehen, wie das läuft.» Gut immerhin, dass sich die rauchenden Gäste in der «Kangaroo Lodge» nicht umgewöhnen müssen, da Fumoirs nicht bedient werden dürfen. «Das hier ist ein englisches Pub. Da kommen die Gäste für die Bestellung an die Theke.»