Meiereien: Ein fröhliches Mittagessen
Ein fröhliches Mittagessen

Die tägliche Portion Meiereien in der Aargauer Zeitung.

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AUF DER REDAKTION hatte sich die Mittagspause nach und nach selber abgeschafft; knappe Ressourcen und Zeitdruck hatten dazu geführt, dass man nur noch kurz wegging oder sich direkt am Arbeitsplatz verpflegte. Klar, früher war das anders gewesen, da gab es noch die legendären Redaktionsessen. Und die dauerten oft bis weit in den Nachmittag hinein oder noch länger. Aber das ist schon lange her.

DOCH NUN LUD die jubilierende Kollegin ihr Ressort zum Mittagessen zu Italienerin. Volles Programm, und das mitten in der Woche. Natürlich sagten alle zu, aber schon mit dem festen Vorsatz, bald wieder auf der Redaktion zu sein, es gab noch viel zu recherchieren und zu schreiben und der Redaktionsschluss kam mit jeder Minute näher.

ALS SIE DANN aber miteinander am grossen Tisch sassen, Franca einen Gang nach dem andern auftischte und der Chianti das Seinige tat, geriet die Runde ins Erzählen und wurde immer fröhlicher. Einer erzählte vom Vogelliebhaber, der seine Stube in eine Voliere verwandelt hatte. Was wiederum die Geschichte von den Leguanen im Hochhaus auslöste und diese wiederum die Geschichte der Familie, die sich in den Küchenschränken Kaninchen hielt. Alles selber erlebt und gut dokumentiert. Sie fabulierten weiter zu Cassata und Tiramisù und vergassen dabei einen Moment lang die eigenen, noch ungeschriebenen Geschichten und die leeren Seiten.

DER NACHMITTAG war schon recht fortgeschritten, als das Ressort gut gelaunt in die Redaktion zurückkehrte. So konzentriert wie möglich machten sich alle an die Arbeit, um gut und pünktlich fertig zu werden. Das gelang: Die heutigen Aargau-Seiten kommen doch wie gewohnt ordentlich und seriös daher. Oder etwa nicht?

joerg.meier@azag.ch

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