Ein Ende wie in einer Verdi-Oper

Classic openair, die Zauberfloete,

Ein Ende wie in einer Verdi-Oper

Classic openair, die Zauberfloete,

Opernreifes Ende des grössten kulturellen Anlasses in Solothurn. Das Classic Openair wird eingestellt. Die vergangene 20. Ausgabe war die Letzte. Über die Gründe dafür kann vorerst nur spekuliert werden.

Fränzi Rütti-Saner

Der Solothurner Geschäftsmann und grosse Liebhaber klassischer Opern Dino Arici hatte vor zwanzig Jahren eine Idee: «Warum nicht meine kleinen Sponsor-Opernabende für ein breites Publikum organisieren? In Solothurn und auf der St.-Ursen-Bastion? Was damals mit einigen Arien und dem noch «bezahlbaren» José Carreras begann, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu dem gesellschaftlichen Event in Solothurn, zu einem der kulturellen Leuchttürme des Kantons. An dem auf zehn Tage angewachsenen Classic Openair, kurz COA, traf sich alles, was Rang und Namen hatte, und war es auch nur beim Opern-Apéro.

Das Publikum kam in Scharen. Pro Jahr um 12000 Besucher. Selbst die kritischsten Musikkritiker liessen die Opernaufführungen nach Konzept «Arici», nämlich ohne Regie-Schnickschnack und mit einem «zahlbaren» Orchester und ebensolchen Solisten, gelten. Hin und wieder einen absoluten Weltstar zu präsentieren, war Aricis Ehrgeiz, und es gelang ihm immer wieder.

Doch Arici ist genauso Opernfreund wie cleverer Geschäftsmann. Eine Mischung, die dem Anlass zum Segen wurde, aber vielleicht auch zum Fluch. Zum Segen, weil die Veranstaltung ohne namhafte öffentliche Mittel durchgeführt werden konnte, zum Fluch aber, weil sie einzig und allein mit der Person Dino Arici so durchzuführen war.

Denn ein Damoklesschwert hing seit Jahren über dem COA. Wer soll die Nachfolge von Arici antreten, der mit Jahrgang 1933 nicht mehr der Jüngste ist? Wer kann und will seine Vorgaben erfüllen? Vor zwei Jahren präsentierte Arici nach langer Suche mit dem Sänger Daniel Reumiller einen Nachfolger. Das erstaunte, denn Reumiller und Arici waren bisher noch nie miteinander in Zusammenhang gebracht worden. Doch: Kurz nach der Bekanntgabe der Zusammenarbeit folgte die Auflösung derselben.

Jäggis Paukenschlag

Dann kam Martin Jäggi ins Spiel. Der frisch pensionierte Solothurner Polizeikommandant schien den Herausforderungen gewachsen zu sein: ein routinierter Organisator, aber kein Opernspezialist. Einer also, der sich nicht mit künstlerischen Aspekten befasst, das blieb Aricis Part. Perfekt also. Am 1. August übernahm Jäggi offiziell sein Amt, nachdem er es während des vergangenen COA 2010 praktisch schon ausüben musste: Arici fiel krankheitshalber aus.

Und nun der Paukenschlag! Martin Jäggi verschickt am letzten Samstagnachmittag eine E-Mail an ausgewählte Freunde und Bekannte und gibt seinen sofortigen Rücktritt aus seinem COA-Engagement bekannt. Warum? Die Frage bleibt unbeantwortet. Die beiden Protagonisten nehmen derzeit keine Telefonanrufe entgegen.

So kann nur spekuliert werden. Zu hören ist, dass Dino Aricis Gesundheit stark angeschlagen sei. Ist das der Grund für das Aus? Aus dem Umfeld des COA-OK hört man, dass insbesondere mit der internen Kommunikation von Jäggi Unzufriedenheit entstanden sei. Der Finanzverantwortliche sowie die Kommunikationsfrau haben ihre Demissionen eingereicht. Und es bleiben Fragen: Was passiert mit den eventuell schon abgeschlossenen Künstlerverträgen für das Programm des kommenden Jahres? Jäggi und Arici betonten vor wenigen Wochen noch unbeirrt, die Programmation 2011 sei abgeschlossen, Künstler und Orchester engagiert. Man wolle jetzt auch Operetten zeigen. Und die Frage ist auch: Kommt die Dino-Arici-Stiftung eventuell auf ihren Entscheid zurück, das Classic Openair nach 20 Jahren zu beenden? Für Spekulationen bleiben Tür und Tor geöffnet.

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