Raser
Ein Denkzettel für «Rennfahrer»

Weil sie sich ein Autorennen geliefert hatten, sind zwei 20-jährige Männer vom Bezirksgericht Brugg zu bedingten Freiheitsstrafen von je 6 Monaten und zu Bussen verurteilt worden.

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Louis Probst

«Das stimmt hundertprozentig nicht», sagte der eine Angeklagte vor Gericht. «Ich habe niemanden überholt.» Der zweite Angeklagte erklärte: «Ich bin aus der Gegenrichtung gekommen.»
Vorgeworfen wurde den Angeklagten, die aus Südosteuropa stammen, aber in der Schweiz aufgewachsen sind, sich zwischen Windisch und Hausen ein Autorennen geliefert zu haben. Die Lenkerin eines Autos, die sich gefährdet sah, hatte den einen der Angeklagten angehalten, zur Rede gestellt und die Polizei gerufen.

Staatsanwalt intervenierte

Die beiden Männer waren darauf vom Bezirksamt gebüsst worden. Gegen die Busse hatten sie - und die Staatsanwaltschaft - Einsprache erhoben. Der Staatsanwalt beantragte, beide Lenker wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln in mehreren Punkten zu bedingten Geldstrafen von 40 respektive 30 Tagessätzen zu je 60 Franken sowie zu Bussen von je 1200 Franken zu verurteilen. Und damit hatte sich das Bezirksgericht Brugg mit dem Vorfall zu befassen.

«Das war wie ein Spiel», sagte vor Gericht eine Zeugin, die als Beifahrerin im Auto gesessen hatte, das überholt worden war. «Die haben mehrmals überholt. Einer auch rechts, über einen Parkplatz hinweg. Vor uns musste das eine Auto wegen einer Verkehrsinsel einbiegen. Eine Velofahrerin ist dermassen erschocken, dass sie beinahe vom Velo gesprungen ist.» Die zweite Zeugin bestätigte die Aussagen. «Ich hatte einen Schock», meinte sie.

Aussage gegen Aussage

Die Angeklagten schienen die Sache - vorerst - auf die leichte Schulter zu nehmen. «Hören Sie auf zu lachen, sonst gibts eine Busse», musste sich der eine von Gerichtspräsidentin Franziska Roth jedenfalls ermahnen lassen. Beide Angeklagten zogen die Aussagen der Zeuginnen in Zweifel. «Die Frau hat mich angehalten und beschimpft», erklärt der eine. «Die Aussagen der Zeuginnen stimmen nicht überein. Ich hatte Leute im Auto, die können bezeugen, dass die Vorwürfe nicht stimmen.» Der andere sagte: «Ich weiss nicht, was diese Frau hat. Vielleicht habe ich ein schöneres Auto und sie ist eifersüchtig.»

Gerichtspräsidentin Franziska Roth als Einzelrichterin sprach aber beide Angeklagten schuldig und verurteilte sie zu bedingten Freiheitsstrafen von je 6 Monaten sowie zu Bussen von je 1200 Franken. «Die Zeuginnen sind glaubwürdig», betonte sie. «Die Aussagen der Angeklagten sind Schutzbehauptungen. Das Gericht ist auch der Überzeugung, dass Geldstrafen hier keine Wirkung erzielen.»