Ein Brocken und ein Glücksfall

Die Weisung für die vorberatende Gemeindeversammlung und der Termin der Urnenabstimmung liegen vor. Für die riesige Aufgabe könnte Urdorf in betrieblicher Hinsicht auf einen Glücksfall zählen.

Merken
Drucken
Teilen
Alterszentrum Urdorf

Alterszentrum Urdorf

Limmattaler Zeitung

Der Umbau des Alterszentrums Weihermatt wurde in Urdorf schon als «der grösste Brocken, den wir je hatten», bezeichnet. Das ist er in der Tat bei einem Volumen von 29 Millionen Franken, wie es in der Weisung festgehalten ist. Wie Sandra Rottensteiner als Sicherheits- und Gesundheitsvorsteherin gegenüber der Limmattaler Zeitung erklärte, wird das Geschäft am 1. Juli an eine vorberatende Gemeindeversammlung und am 27. September vor die Urne gebracht.

Für zwei Jahre umziehen

Das Alterszentrum, das infrastrukturell auf mittel- bis stark pflegebedürftige sowie an Demenz erkrankte Personen ausgerichtet sein soll, könnte sich auf einen Glücksfall verlassen, wenn die Stimmbürger den Kredit annehmen sollten. So habe sich die Baugenossenschaft Azur bereit erklärt, ihre noch zu bauenden Alterswohnungen während den zwei Jahren Umbauzeit der Gemeinde zu vermieten.

Rottensteiner erklärte, eine Sanierung unter Betrieb sei für Personal wie Bewohner nicht zumutbar. Deshalb würde der Heimbetrieb während zweier Jahre vollständig ausgelagert. In qualitativer und betrieblicher Hinsicht sei das noch zu bauende benachbarte Azur-Gebäude bestens geeignet.

«Haben Kosten hinterfragt»

Gemeindepräsident Werner Gutknecht bezeichnet die Lösung gar als «absoluten Glücksfall». Man habe erst noch die Option Hotel oder Spital in Betracht gezogen, aber keine geeigneten Möglichkeiten in vertretbarer Nähe von Urdorf finden können. Das hätte indes eine Etappierung des Umbaus und sogar einen temporären Rückbau des Heimbetriebs mit einem provisorischen Abbau von Plätzen bedeutet, so Gutknecht gegenüber der LiZ.

In der Weisung sind für die Bereitstellung des Provisoriums während der Bauzeit 2,5 Millionen Franken aufgeführt. Dieses Geld beinhalte auch eine bauliche Anpassung der Wohnungen während der Umbauzeit sowie den Rückbau. Beim Umbau des Alterszentrums fallen weitere, quasi externe Kosten an, welche in den 29 Millionen Franken enthalten sind: 450 000 Franken für Pflichtparkplätze, ein Verbindungsgang zwischen Alterszentrum und Alterswohnungen für 400 000 Franken, die energietechnische Sanierung nach Minergiestandard für 1,1 Millionen Franken, höhere Projektierungskosten aufgrund des gesteigerten Investitionsvolumens sowie die Bauteuerung von rund 9 Prozent, was rund 1,3 Millionen Franken entspricht.

«Wir haben sämtliche Kostenpositionen kritisch hinterfragt und wo möglich immer Einsparungen vorgenommen», äussert sich Gutknecht. «Am Projekt lässt sich nichts mehr abspecken», so Rottensteiner.

In Besitz der Gemeinde

Der Gemeinderat hatte aufgrund des sehr hohen Investitionsvolumens alternative Finanzierungsmodelle fürs Alterszentrum geprüft. Dabei habe keines der geprüften Modelle einen wesentlichen wirtschaftlichen Vorteil wie Kostensenkung und Risikominimierung erbracht, heisst es in der Weisung. Man wolle die Bereitstellung des sanierten Alterszentrums selber vornehmen. Gemeindeschreiber Urs Keller dazu: «Dies entspricht auch den Entscheidungen der Legislative bisher.»

Minergie und Pellets

Das gesamte Projekt wird wie erwähnt im Minergiestandard 2008 umgebaut. Die Gemeinde wolle Vorbild sein, betonte Sandra Rottensteiner. Die dafür vorgesehenen 1,2 Millionen Franken seien der Nachhaltigkeit geschuldet. Als Heizungslösung ist im vorliegenden Projekt eine Pellet-Heizung vorgesehen.

Der Gemeinderat rechnet im ersten Jahr nach Vollendung des Alterszentrums Weihermatt mit Nettofolgekosten von 1,5 Millionen Franken. Darunter fallen eine Million Abschreibungskosten sowie Zinsen von 900 000 Franken abzüglich Mehrerträge durch Taxanpassungen von 10 Prozent von 400 000 Franken. Das entspricht rund sechs Steuerprozenten, wie Sandra Rottensteiner aufzeigte. Unzweifelhaft habe das Projekt Auswirkungen auf den Urdorfer Finanzhaushalt. Rottensteiner: «Wir sind gefordert, einzusparen und zu kompensieren.

Wo das genau sein wird, ist jetzt noch nicht absehbar.» Diese Zahlen würden in den langfristigen Finanzplan einfliessen. Das Ziel des Gemeinderats bleibe unverändert, so Gutknecht, nicht in den Steuerfussausgleich hineingeraten. Sollte der Kredit die Urnenabstimmung passieren, wäre 2011 Baubeginn. Der Bezug des sanierten und umgebauten Altersheims mit seiner Pflegestation mit 72 Betten und der Wohngruppe für demente Patienten mit 19 Betten soll nach Plan Anfang 2013 erfolgen.