Ein blutiger Streit im Asylantenheim Holderbank

Im März dieses Jahres war in der Asylbewerberunterkunft in Holderbank ein Streit zwischen zwei Bewohnern eskaliert. Am Schluss stand eine Gerichtsverhandlung.

Rosmarie Mehlin

Eigentlich hätten sich beide Kontrahenten vor Gericht verantworten müssen, doch der eine hat sich inzwischen verdünnisiert. So wurde nur gegen den 40-jährigen Afrikaner Hamidou (Name geändert) verhandelt. Er war, nebst einigen Nebenpunkten, der versuchten vorsätzlichen Tötung angeklagt.

Hamidou ist brandmager und krank. Er hat Aids, Hepatitis und Tuberkulose. In Guinea hat er keine Schulen besucht, er hat eine geschiedene Frau und zwei Kinder und hatte als Chauffeur gearbeitet. Eigentlich sollte er schon längst wieder in seiner Heimat sein. Mitte April 2008 war er, von Spanien kommend, ohne Papiere in die Schweiz eingereist. Nur drei Wochen später hatten die Behörden Nichteintreten auf sein Asylgesuch entschieden und seine Wegweisung aus unserem Land verfügt.

Mit Pfanne, Glas und Messer

Er aber blieb hier, wohnte in der Asylantenunterkunft, wurde im Oktober wegen Drogenhandels für sechs Tage in U-Haft genommen, war nach seiner Freilassung zurück in das Asylantenheim gegangen. Anfang März war es dort zu einem Streit zwischen ihm und einem anderen Afrikaner gekommen. Angefangen habe es damit, so Hamidou vor Gericht, dass der andere nachts dauernd das Licht angezündet habe und er deswegen nicht habe schlafen können. Zunächst waren die zwei mit Fäusten aufeinander losgegangen, dann hatte der andere mit einer Pfanne auf Hamidou eingeschlagen. Als Hamidou am Morgen seinen Gegner beschuldigte, ihm das Handy geklaut zu haben, folgte erneut eine handfeste Auseinandersetzung, in deren Verlauf Hamidou mit einem zerbrochenen Glas verletzt wurde.

Hamidou hatte daraufhin in der Küche ein Metzgermesser behändigt und damit seinen nunmehr fliehenden Kontrahenten verfolgt. «Als er über eine Mauer klettern wollte, habe ich ihn gestellt. Als ich zustechen wollte, realisierte ich aber, dass ich ihn damit töten konnte, und habe mich zurückgehalten.» Mit einem Schnitt verletzte er den Andern am Hinterkopf. Er habe ihn niemals töten wollen und er bedauere, was er getan hat, versicherte Hamidou mehrfach.

Teilbedingte Freiheitsstrafe

Der Staatsanwalt forderte eine 4½-jährige Freiheitsstrafe, der Verteidiger für vorsätzliche einfache Körperverletzung höchstens zwei Jahre bedingt: Es gebe keinen Beweis, dass sein Mandant den Vorsatz gehabt habe, den Gegner zu töten, obwohl dieser Hamidou massiv verletzt gehabt habe. «Das Verschulden meines Klienten ist nicht gering, doch muss berücksichtigt werden, wie es dazu gekommen war.» Die Asylantenunterkunft sei schmutzig, mit Möbeln ausstaffiert, die kein Brockenhaus annehmen würde, es herrsche grosse Unordnung und die Bewohner hätten absolut keine Privatsphäre. «Der Paragraf über artgerechte Haltung im Tierschutzgesetz ist wesentlich strenger», so der Verteidiger.

Das Gericht unter Vorsitz von Daniel Aeschbach hielt Hamidou zugute, dass er den Andern nicht hatte töten wollen, sprach ihn aber schuldig der vorsätzlichen schweren Körperverletzung, der illegalen Einreise und des illegalen Aufenthalts sowie des Drogenhandels und verurteilte ihn zu drei Jahren. Die Hälfte wird bedingt erlassen.

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