Tritt man durch die Tür zum Saalbau, fühlt man sich in vergangene Tage versetzt. Man ist in der Zeit des «guten Porzellangeschirrs von Tante Irma» und der «Drehörgelispieler» gelandet.
Der 25-jährige Elvis «The King» Presley - der gestern 75 Jahre alt geworden wäre - sieht einem mit einem Lächeln, das Frauen noch heute dahinschmelzen lässt, entgegen: Er ziert das Titelbild einer 1959 erschienenen Ausgabe der Zeitschrift «Bravo». «Die habe ich damals selbst gekauft», sagt die Händlerin stolz.

Am nächsten Stand liegt eine silberne Haarbürste, daneben der passende Handspiegel. Sie scheinen darauf zu warten, von einer edlen Dame in die Hände genommen zu werden. Alle 15 Minuten ertönt eine Standuhr, zur vollen Stunde sind es mehrere Uhren. Der Geruch von altem Holz liegt in der Luft. Man fühlt sich in Zeiten versetzt, in denen Frauen die Wäsche noch mit einem schweren, mit Kohle gefüllten Eisen bügeln mussten. Heute gehören solche Dinge in die Sparte «Antiquität» und werden bewundert und an Antiquitätenmessen verkauft.

Dora Brand und ihr Mann Jakob Brand organisieren den 24. Antiquitäten- und Sammlermarkt im Tägi Wettingen.Sie selbst sammeln und verkaufen Postkarten aus älteren Tagen. «Postkarten sind der Klassiker an solchen Märkten», sagt sie. Dieses Jahr seien aber vor allem Silber und Schmuck sehr gefragt. Gegenüber dem Stand des Ehepaars Brand sitzt Walter Pfenninger auf einem alten Holzstuhl. Bestimmt 20-mal war Pfenninger bisher in Wettingen dabei. «Ich bin selbst Sammler. Allerdings keiner der ‹vergifteten› Sorte, die ihr ganzes Haus mit Sammlerstücken füllen», sagt er. Pfenninger fühlt sich an der Messe im Tägi wohl. Die Atmosphäre sei entspannt, die Menschen seien grösstenteils sehr sympathisch. «Besonders schön ist es, wenn Leute etwas finden, wonach sie schon lange gesucht haben», sagt der 65-Jährige.

Finden kann man an der Messe vieles. Unter anderem ein Buch aus dem Jahr 1921, in dem Kupferstiche einer frühen Badenfahrt abgedruckt sind. Gegenüber stehen restaurierte Möbel, von denen man zu gerne wüsste, was sie alles gesehen, gehört und erlebt haben. Passionierte Antiquitätensammler und weniger Sachkundige schlendern durch die Gänge zwischen den Ständen, Händler und Sammler diskutieren und verhandeln über die Preise der Antiquitäten und Raritäten. «Ein bisschen feilschen gehört einfach dazu», sagt Mitorganisatorin Dora Brand.(ewa)