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Ein Augenschein an der Erotikmesse «Extasia 09»

An der Erotikmesse «Extasia 09» suchte frau die Erotik vergebens.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Andrea Masek

« . . . und die Nachbarn fühlen sich gleich angemacht . . . » Nena röhrt über die Lautsprecher und hat offensichtlich geschnallt, um was es an der Erotikmesse «Extasia 09» in der St.Jakobsarena geht. Erotik sucht frau hier nämlich fast vergeblich. Es geht, wie an jeder Messe, um Geld, um neue und alte Produkte. Und die werden mit viel nackter weiblicher Haut vermarktet. Da fühlen sich eben nur die Nachbarn angemacht.

Nachbarn sind da, viele, viele junge. Auf sie warten viele leicht bekleidete Damen, viel Busen, zum Betatschen nah. Soll dieser Fleischmarkt erotisch sein? Wie Vieh oder wie einst Sklavinnen werden die Frauen dann noch versteigert. Auf der Messe folgt ein Klischee dem anderen. Lange Haar(teil)e gehören dazu. Vis-à-vis der - seufz - nicht aus der Mode kommenden Raubtierdessous bewegt sich ein Pornostar lasziv auf einer kleinen Bühne, in Schulmädchen-Uniform und mit strenger Lehrerinnenbrille. Tja, mann ist stehen geblieben, in jeder Beziehung.

Nicht nur hier wird ein Bild der Erotik vermittelt, das jung ist, kindlich oder gar kindisch. Es erstaunt deshalb nicht, dass ein paar Jugendliche über ein Aktfoto eines alten Paares lachen. Schade, denn Erotik hat nichts mit Jugend zu tun. Im Gegenteil, je älter und erfahrener, desto besser . . .

Da ist nichts mit Ekstase

Aber solange nur von den Frauen Erotik verlangt wird und die Männer einfach konsumieren, ist nichts mit Ekstase. Doch dafür vibriert - pardon blüht - das Spielzeuggeschäft an der «Extasia 09» in allen Farben. Frau würde allerdings einen Mann bevorzugen. Doch der erfindet lieber Fetisch-Stühle, bei deren Anblick allein schon die Lust vergeht, erinnern sie frau an die unangenehmen Besuche beim Frauenarzt.

Von erotischer «Gleichberechtigung» ist an der Messe also herzlich wenig zu sehen, hören und kaufen. Zwar haben die Kleider und Dessous durchaus ihren Reiz, doch muss Erotik gleich so teuer sein? Selbst 50 Prozent Rabatt machts nicht billiger, und auch nicht erotischer. Nein danke, ins Korsett lässt sich frau nicht mehr zwingen. Überhaupt, muss Erotik so unbequem sein, angefangen bei den hochhackigen Schuhen bis zum Nippelschmuck?

Da kommt frau der Song «I put a spell on you» in den falschen Hals. Bis die Männer uns Frauen verzaubern, müssen wir offenbar noch lange warten an der Extasia. Selbst die «Women only»-Zone ist zu.

«Hallelujah, it's raining men», wir Frauen werden doch nicht ganz ausgeschlossen: halbnackte Männer mit Schirmen auf der Hauptbühne. Leider ist der Latino kaltblütig, der grosse Eric aus Stahl und sein Kollege kriegt die Hose nicht runter und nichts auf die Reihe.

Die 26 Grad in der St. Jakob-Arena machen die Show auch nicht heisser und das Ganze nicht erotischer. Da bevorzugt frau fast noch die kalten Eishockey-Abende, an denen natürliche Kerle vollen Einsatz leisten und erotischer wirken als die künstlich gebräunten Stripper.

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