Eigenkapital bis 2013 aufgebraucht

Die politische Gemeinde braucht Geld, viel Geld. Deshalb erhält sie von der Schulgemeinde zwei Steuerprozentpunkte zugesprochen. Der Gesamtsteuerfuss bleibt bei 118 Prozent.

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Jürg Krebs

Im Zentrum der Urdorfer Gemeindeversammlung stand der Abtausch von zwei Steuerprozenten zwischen der Schule und der politischen Gemeinde. Die 118 anwesenden Stimmberechtigten stimmten den beiden entsprechenden Anträgen zu. Damit reduziert sich der Steuerfuss der Schulgemeinde für 2010 von 62 auf 60 Prozent, jener der politischen Gemeinde erhöht sich von 56 auf 58 Prozent. Der Gesamtsteuerfuss (ohne Kirchen) bleibt deshalb bei 118 Prozenten bestehen - das war das Ziel.

Die Ergebnisse

Ehrung Gemeindepräsident Werner Gutknecht ehrte im Vorfeld der Versammlung vom Mittwochabend die Dienste von LiZ-Redaktor Flavio Fuoli, der seit 25 Jahren journalistisch in Urdorf tätig ist.
Schulbudget Das Budget 2010 der Schulgemeinde wurde ohne Gegenstimmen angenommen. Der Steuerfuss sinkt von 62 auf 60 Prozent.
Gemeindebudget Budget 2010 der politischen Gemeinde wurde ohne Gegenstimmen angenommen. Der Steuerfuss erhöht sich von 56 auf 58 Prozent.
Wassergebühren Die Einzelinitiative Jürg Elmiger für eine neue Berechnungsart für Wassergebühren wurde
mit 93 zu 8 Stimmen abgelehnt.
Abschied Für die abtretenden Gemeinderäte Werner Gutknecht, Philipp Locher und Andreas Burger war es die letzte «Gmeind». Die Ehrung erfolgt nach den Neuwahlen an der Versammlung vom 16. Juni 2010. (jk)

Schulfinanzen saniert

Möglich geworden ist diese Umschichtung von Steuergeldern, weil die Schule im guten Steuerjahr 2008 ihren Haushalt ins Lot bringen konnte. Zwar wies Schulfinanzvorstand Danilo Follador darauf hin, dass die Eigenkapitaldecke mit veranschlagten 4,7 Millionen Franken per Ende 2010 knapp unter einem Soll von 5 Millionen liege, trotzdem erklärte er die Finanzen für saniert. Die Schule plant Nettoinvestitionen von gut 5 Millionen Franken. Sistiert worden ist der Ausbau des Lehrerbereichs Weihermatt. Die Schule wird an der nächsten Gemeindeversammlung einen Nachtragskredit beantragen. Das Schulbudget 2010 mit einem Plus von rund 390 000 Franken wurde von der Versammlung ohne Gegenstimme genehmigt.

Thomas Hächler, Finanzvorstand der politischen Gemeinde, durfte zufrieden feststellen, dass die Versammlung der Steuerfusserhöhung von 56 auf 58 Prozent zustimmte. Damit bleibt der Gesamtsteuerfuss bei 118 Prozent bestehen. Dies war eine wichtige Massnahme, damit der Gemeinderat die anstehenden Investitionen finanzieren kann. Alleine für 2010 sind gut 11,5 Millionen Franken vorgesehen: für das Alterszentrum, den Ausbau des Spitals und auch die Sanierung diverser Strassen. Ziel sei es, so Hächler, den Steuerfuss nicht über die aktuellen 118 Prozent steigen zu lassen.

82 Millionen Fremdkapital

Trotz zweier zusätzlicher Steuerprozente wird der Haushalt angespannt bleiben. Denn mit den fetten Jahren ist es vorbei. Ab 2010 rechnet Hächler mit negativen Jahresabschlüssen. Weil gleichzeitig der Investitionsbedarf hoch ist, wird das Eigenkapital von aktuell rund 16 Millionen Franken bis 2013 wohl aufgebraucht sein. Der Bedarf an Fremdkapital steigt gleichzeitig von 33 Millionen Franken auf 82 Millionen. Hächler kündigte deshalb ein sehr restriktives Budgetieren für die kommenden Jahre an. Es dürfte zu Leistungskürzungen kommen. Die Gemeindeversammlung genehmigte das Budget 2010 mit einem zu erwartenden Minus von 1,246 Millionen ohne Gegenstimme.

Initiative Elmiger abgeblitzt

Keine Chance hatte die Einzelinitiative von Jürg Elmiger. Dieser regte an, die Wassergebühren künftig nicht nach dem Gebäudeversicherungswert zu berechnen, sondern dafür die Kubatur des Gebäudes heranzuziehen. Gemeinderat und Rechnungsprüfungskommission waren dagegen. Das bisherige System habe sich bewährt, sagte Werkvorstand Jürg Pauli, es werde von 133 der 171 Zürcher Gemeinden angewandt und biete Rechtssicherheit.

Elmiger hatte dafür wenig Verständnis. Das aktuelle System sei ungerecht, weil Eigentümer mit wertvollen Gebäuden bestraft und Renovationen unter 50 000 Franken von der Gebäudeversicherung nicht an die Gemeinde weitergegeben würden. Er sehe zudem nicht ein, warum er höhere Gebühren bezahlen müsse, wenn er ein Parkett erneuere. Was habe dies mit Wasser zu tun? Die Versammlung lehnte seine Initiative mit 93 zu 8 Stimmen ab.