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Dubler-Mohrenköpfe statt Luxemburgerli

Fusion der friedlichen Art: Aargauer Fans und Musikanten begegnen sich und veranstalten dann einen gemeinsamen Umzug durch die Innenstadt. (Bild: Walter Schwager)

Musik

Fusion der friedlichen Art: Aargauer Fans und Musikanten begegnen sich und veranstalten dann einen gemeinsamen Umzug durch die Innenstadt. (Bild: Walter Schwager)

550 als Schweizer verkleidete Aargauer besetzen den Place d’Armes in der Hauptstadt Luxemburg

Jörg Meier

Von der Weltöffentlichkeit kaum bemerkt, geschah für diesen Kanton und das Grossherzogtum Luxemburg geradezu Historisches: Noch nie befanden sich so viele Aargauer in Luxemburg wie am vergangenen Samstag: mindestens 550. Verantwortlich dafür war der Mäder Kurt aus Biberstein. Er hat das alles organisiert. Mitgeholfen haben auch Radio Argovia und die Zeitung «Sonntag». Die haben die geplante Invasion im ganzen Kanton bekannt gemacht. Und Eurobus Knecht sorgte für den sicheren Transport des aus 12 Cars bestehenden Konvois.

Genau 22 Stunden dauerte die Aargauer Operation in Luxemburg, und sie darf als durchaus gelungen bezeichnet werden. Sie begann für die allermeisten am Samstagmorgen um 6 Uhr an den Sammelplätzen in Windisch und Aarau; es war noch dunkel und trotzdem waren bei vielen schon deutlich Spuren der rot-weissen Verkleidung erkennbar. Sechs Stunden später traf man sich im Untergeschoss des «Hilton Luxemburg», leicht ausserhalb der Hauptstadt. Der Mäder Kurt hatte wieder an alles gedacht und einen Apéro aus der Schweiz mitgebracht, inklusive Dublers Mohrenköpfe aus Waltenschwil.

Das notwendige taktische Wissen repetierten die Strategen Ivan Benito, Hausi Hilfiker und Jeff Saibene; Letzterer selber Luxemburger, aber auch Teamleiter im Aargau und in einer schwierigen Situation steckend. Aber darüber wolle man hier nicht reden, sagte Kündig Roland vom Radio Argovia, der die Fragen stellte. Die bereits sehr gut aufgelegten Aargauer wollten jetzt lieber in die Stadt. Alle erhielten einen unsäglich hässlichen Schweizer Hut; die meisten setzten ihn sich sogleich auf. Und spätestens jetzt verkleideten sich auch noch die letzten der 550 anwesenden Aargauer als Schweizer: mit Schals und T-Shirts und Pullis, Fahnen und Treicheln und Schuhen und allerlei lustigen Kopfbedeckungen, sie holten ihre Requisiten hervor und stiegen in die Kostüme, sie schminkten sich gegenseitig und übten die drei mehrheitsfähigen Fan-Gesänge ein, das alles lautstark, fröhlich und konsequent in Rot-Weiss.

Wenig später ziehen 550 als Schweizer verkleidete Aargauer durch die Innenstadt. Die Luxemburger staunen über den farbenfrohen Zug und machen freundlich Platz. Doch da kommt den Aargauern ein Musikkorps entgegen, stramm marschierende Musikanten in wunderschönen marineblauen Uniformen und eindrücklichen Mützen. Aargauer und Musikanten bleiben stehen: Es gibt kein Durchkommen. Einer muss weichen.

Da passiert es: Der Dirigent gibt ein kurzes Kommando, die Musikanten machen rechtsumkehrt. Die Aargauer schliessen sich an. Gemeinsam ziehen sie jetzt durch die Fussgängerzone. Vorne die Musik, hinten die Aargauer. Dazu spielen die Musikanten die Melodien der drei Fan-Gesänge, die Aargauer singen und das Publikum am Strassenrand applaudiert. Die wenigsten Einheimschen wissen, wie sie sich die friedliche Invasion erklären sollen.

Der Umzug endet mitten im Flohmarkt auf dem Place d'Armes, wo in der Mitte kein Kriegsdenkmal steht, sondern ein Pavillon. Hier gibt es nun konzertante Blasmusik, im Wechsel mit den Fangesängen; die Aargauer erholen sich in den vielen Bars, Cafés und Brasseries, die es rund um den Place d'Armes gibt.

Der Marsch von der Innenstadt zum Stadion heimelt die Aargauer an, er erinnert stark an den Weg durch die Quartiere ins Aarauer Brügglifeld. Im Stade Josy Barthel treffen sie die übrigen 5000 Schweizer, ein paar Luxemburger sind auch da.

Über das Spiel gibt es nichts mehr zu berichten. Ausser: Beim Absingen der Nationalhymne haben die Schweizer im Sektor B gewonnen. Sie waren zuerst fertig. Knapp vor den Schweizern im Sektor A, wo sich die meisten Aargauer aufhalten. Dritter wurde das Militärspiel aus Luxemburg.

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