Kalifornien

Drohende Flutwelle bei vollem Staudamm – 200'000 Menschen evakuiert

Wegen der kritischen Lage an einem riesigen Staudamm hat Kalifornien den Notstand für mehrere Bezirke ausgerufen. Nach tagelangen Regenfällen ist der Damm des Oroville-Stausees an seine Belastungsgrenze gestossen. Fast 200'000 Menschen brachten sich in Sicherheit.

Wegen der kritischen Lage an einem riesigen Staudamm hat Kalifornien den Notstand für mehrere Bezirke ausgerufen. Nach tagelangen Regenfällen ist der Damm des Oroville-Stausees an seine Belastungsgrenze gestossen. Am Montag entspannte sich die Lage jedoch etwas.

Nach Mitteilung der Behörden konnte der unkontrollierte Abfluss von Wassermassen an einem beschädigten Kanal aufgehalten werden. Doch nach wochenlangem heftigen Regen sind die Wasserreservoire in dem Westküstenstaat prall gefüllt.

Die Anlage stand wegen eines beschädigten Abflusskanals vor dem Zusammenbruch - das Wasser könnte Teile des US-Bundesstaats überfluten. Gouverneur Jerry Brown rief am späten Sonntagabend (Ortszeit) den Notstand für die Bezirke Butte, Sutter und Yuba aus. Einige Stunden zuvor hatte die Polizei rund 188'000 Anwohner aufgefordert, sich in Sicherheit zu begeben.

Oroville-Staudamm steht vor Zusammenbruch

Oroville Staudamm

Brown sprach von einer "sehr ernsten Situation". Die Lage sei komplex und verändere sich sehr schnell. Die Mitteilung der Polizei war mehrfach mit dem Hinweis "Dies ist keine Übung" versehen.

Sollte der beschädigte Kanal den abfliessenden Wassermassen nicht standhalten, sei mit einer Flutwelle zu rechnen, die weite Teile der Region rund um den See treffen könne. In den drei genannten Bezirken wurden zahlreiche Notunterkünfte für die Einwohner bereitgestellt.

Auch Nancy Albrecht, eine Deutschlehrerin in Yuba City, erreichte diese Nachricht. "Mein Mann hat einige Koffer gepackt, aber die Strassen waren alle verstopft, er blieb daher im Haus", sagte Albrecht der Nachrichtenagentur dpa. Sie selbst hielt sich bei Freunden ausserhalb der möglichen Gefahrenzone auf.

Die heftigen Regenfälle in diesem Winter hätten "zuviel des Guten" gebracht, sagt Albrecht. Nach einer jahrelangen Dürre, in denen die Menschen Wasser rationieren mussten, kommt es in dem Westküstenstaat nun vielerorts zu Überschwemmungen, Flüsse treten über die Ufer, Strassen und Dämme werden beschädigt.

Abflusskanal beschädigt

Der Oroville-Staudamm dient der Stromgewinnung. Die 235 Meter hohe und rund 2300 Meter lange Anlage liegt etwa 125 Kilometer nördlich der Hauptstadt Sacramento.

Der hohe Damm selbst war nicht gefährdet, doch ein durch Erosion beschädigter Abflusskanal, der nur im Notfall genutzt wird, war vom Kollaps bedroht. Beim Einbruch des Seitenkanals könnte eine Flutwelle weite Teile der Region rund um den See treffen.

Um eine Katastrophe zu verhindern, ordnete die kalifornische Wasserbehörde DWR die kontinuierliche Reduzierung des über den kaputten Kanal abfliessenden Wassers an.

Die Massen wurden nach und nach wieder auf den Hauptabfluss umgeleitet - der allerdings erst in der vergangenen Woche wegen eines Loches geschlossen worden war. Der Not-Abfluss war damit nur wenige Tage im Einsatz, bis er zusammenzubrechen drohte.

Teile des sonst dürregeplagte Kaliforniens wurden in den zurückliegenden Tagen von heftigem Regen überrascht. Bewohner mussten aus ihren Häusern gerettet werden, nachdem der Fluss San Lorenzo über die Ufer getreten war. In dem Bundesstaat war fünf Jahre lang zu wenig Regen gefallen. 2014 wurde sogar ein Dürre-Notstand ausgerufen.

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