Amtsgericht

Drogenhandel für wohltätigen Zweck

Lukratives Geschäft: Der Handel mit Tabletten kann einträglich sein. az

Tabletten

Lukratives Geschäft: Der Handel mit Tabletten kann einträglich sein. az

Der Angeklagte hat ein langes Sündenregister, aber vielleicht doch ein gutes Herz: 187 000 Franken nahm er mit Tablettenhandel ein – zu Gute kam es der suchtkranken Gattin.

Samuel Misteli

Die Rechnung, die Staatsanwalt Martin Schneider dem Angeklagten Martino A.* präsentierte, stellte diesem kein gutes Zeugnis aus: Mehr als 60 000 Dormicum- und 100 Valium-Tabletten soll der 54-jährige Italiener zwischen Anfang 2004 und Ende 2007 geordert und weiterverkauft haben. Einen Umsatz von rund 187 000 Franken und einen Gewinn von rund 60 000 Franken soll A. erzielt haben.

Um das 34-fache hat der Angeklagte gemäss den Berechnungen des Staatsanwaltes die mengenmässige Grenze zum schweren Fall überschritten und damit ein Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz begangen. A. ist nicht zum ersten Mal mit dem Gesetz im Konflikt: Wiederholt ist der gelernte Maschinenmechaniker im Verlauf seines Lebens mit Freiheitsstrafen belegt worden. Die letzte Verurteilung datiert von 2006.

Neben krimineller Energie scheint Martino A. aber auch einen Hang zum Guten zu haben: Von den Einnahmen aus dem Tablettenhandel hat vor allem seine Gattin profitiert, sie dienten zur Finanzierung ihres Methadonkonsums. Entweder tauschte A. die Tabletten direkt gegen Methadon ein, oder er verwendete Einnahmen aus dem Verkauf zur Beschaffung der Zusatzdosen, welche seine Frau neben der ärztlich abgegebenen Menge verlangte.

Einen Gewinn erzielt oder nicht?

Er habe seiner Frau helfen wollen, sagte der Angeklagte A. gestern dem Amtsgericht Solothurn Lebern. «A. hat sich uneigennützig in den Dienst seiner massivst tablettensüchtigen Frau gestellt», fand der Verteidiger. Sein Mandant habe keinerlei Absicht gehabt, mit dem Tablettenhandel ein Einkommen zu erzielen. Der Staatsanwalt war anderer Ansicht: Er hatte ausgerechnet, dass, wenn sämtliche Einnahmen aus dem Tablettenhandel in Methadon umgesetzt worden wären, die Ehepartnerin des Angeklagten eine Tagesdosis in «unvorstellbar grosser» Höhe konsumiert hätte.

Die Vermutung des Staatsanwaltes: Ehegattin A. nahm weniger Methadon zu sich, als sie und ihr Mann bei den Befragungen durch die Ermittlungsbehörden angegeben hatten. Ergo sei nicht der gesamte Gewinn aus dem Tablettenverkauf in Methadon investiert worden, womit durchaus Gewinn für den Angeklagten abgefallen sei: Rund 250 Franken pro Woche.

Stellenantritt nicht gemeldet

14 Monate bedingt forderte der Verteidiger, 34 Monate (zehn davon unbedingt) plus 200 Franken Busse der Staatsanwalt. Die Verteidigung fordert neben den Betäubungsmitteldelikten drei Freisprüche, die Anklage drei weitere Schuldsprüche: Wegen Hehlerei, Anstiftung zu geringfügigem Betrug sowie wegen eines Vergehens gegen das Bundesgesetz über AHV/IV-Ergänzungsleistungen. A. und seine Frau, so letzterer Vorwurf, sollen von der Ausgleichskasse unrechtmässig Ergänzungsleistungen von rund 12 500 bezogen haben, weil sie es unterliessen, Meldung zu erstatten, als der zuvor arbeitslose A. Ende 2006 eine Stelle antrat.

So schlecht das dem Angeklagten von Staatsanwalt Schneider ausgestellte Zeugnis war, etwas Lob gab es doch: Der Arbeitgeber sei zufrieden mit A. und halte zu ihm. Zudem rechnete Schneider A. hoch an, dass er seinerseits seit mehr als zehn Jahren zu seiner suchtkranken Partnerin stehe. Das Gericht zeigte weniger Geduld: Nach einer knappen Stunde und nachdem sie das Plädoyer des Staatsanwaltes unterbrochen hatte, wurde die Frau aus dem Saal gewiesen. Das Amtsgericht gibt sein Urteil in den nächsten Tagen bekannt.

* Name von Redaktion geändert

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