Drogendealer
Drogendealer muss für vier Jahre hinter Schloss und Riegel

Das Bezirksgericht Lenzburg verurteilt ein Mitglied der «Holderbank-Connection» zu viereinhalb Jahren Gefängnis. Der Anwalt fordert eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren.

Merken
Drucken
Teilen
Beim Bahnhof Schlieren wurden ein Konsument und sein Dealer bei der Drogenübergabe überrascht (Symbolbild).

Beim Bahnhof Schlieren wurden ein Konsument und sein Dealer bei der Drogenübergabe überrascht (Symbolbild).

Keystone

Michael Spillmann

Seinen Geburtstag hätte der Nigerianer Adekunle (Name geändert) wohl lieber an einem anderen Ort verbracht als auf der Anklagebank des Bezirksgerichts Lenzburg. Seitdem ihn die Polizei Anfang Oktober 2008 am Bahnhof Aarau mit drei Kokainfingerlingen im Magen festgenommen hatte, sitzt der junge Mann, der gestern 27 Jahre alt wurde, hinter Gittern.

Für Adekunle, angeklagt der mehrfachen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, forderte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Der Angeklagte sei aus «egoistischen und finanziellen» Gründen «massiv im Drogenhandel tätig» gewesen. Der Ankläger brachte vor, dass bereits andere Akteure aus der «Holderbank-Connection» zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt worden seien.

Adekunle sei an der «Verteilung» von rund zwei Kilogramm Kokain beteiligt gewesen. «Dieser Mann ist kein ahnungsloser Strassendealer», betonte der Staatsanwalt.

«Dazu kann ich nichts sagen»

Der Angeklagte räumte via Dolmetscher ein, Kokainkäufe im Umfang von knapp über 300 Gramm getätigt zu haben. In früheren Einvernahmen hatte der Nigerianer noch alles abgestritten. Er habe Geld für Essen gebraucht, da er als Asylbewerber nichts verdient habe. «Hätte ich arbeiten können, wäre es nie so weit gekommen», beteuerte Adekunle.

Zu Fragen bezüglich der anderen Geschäfte, zu den Telefonaten (auch mit dem mysteriösen «Black Jesus») und den vielen Ausflügen nach Freiburg oder Bern lautete die Antwort in der Regel: «Dazu kann ich nichts sagen.»

In den behandelten Punkten forderte der Verteidiger – ausser für die eingestandenen Käufe – Freisprüche. Wie der Anwalt begründete, hätten die Untersuchungen, insbesondere die Telefonüberwachungen, «tonnenweise kryptische Botschaften» in der Igbo-Sprache – zusammengesetzt aus Pseudonymen und Codewörtern – ergeben. Bewiesen sei damit nichts: «Klar ist nur, dass nichts klar ist.»

«Gefängnis verzögert Ausschaffung»

Er verlange zwar keine Geschenke, so der Verteidiger, eine Freiheitsstrafe von zweiJahrenseiaberangemessen. Ein längerer Gefängnisaufenthalt verzögere nur die Ausschaffung, so der Anwalt. Dies entspreche auch dem Wunsch des Angeklagten. Ein Geschenk gab es aber nicht: Die Richter verurteilten den
27-jährigen Nigerianer zu viereinhalb Jahren Gefängnis, wovon er allerdings bereits fast zwei Jahre abgesessen hat.