Vogelklau
Dreister Vogelklau: Polizei ist ratlos

Zwischen 100 und 120 Distelfinken sind in Pratteln aus einem Gartenhaus gestohlen worden. Der Fall gibt der Polizei Rätsel auf.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Muriel Mercier

«In dem umgebauten Gartenhaus leben nicht nur Distelfinken. Die Vögel anderer Arten wurden aber nicht gestohlen. Der Dieb hatte es also gezielt auf die Distelfinken abgesehen», erklärt Rolf Wirz, Sprecher der Baselbieter Polizei. Dass Zuchtvögel Zielscheibe für Einbrecher sind, ist für Wirz neu. «Ich bin nun seit vier Jahren Polizeisprecher. Einen solchen Vogel-Diebstahl habe ich noch nie erlebt», sagt Wirz.

Am letzten Donnerstag um 18 Uhr verliess der bestohlene Zuchtvogel-Besitzer sein Gartenhaus in der Schrebergartenanlage an der Giebenacherstrasse in Pratteln. Als er gegen 9 Uhr am folgenden Morgen seine Vögel wieder besuchen wollte, waren die Distelfinken ausgeflogen. Die Täterschaft ist bisher unbekannt - der Grund für ihre Tat stellt die Polizei vor ein Rätsel.

Denn: Die Distelfinken sind in der Schweiz nicht bedroht. «Sie stehen auf keiner roten Liste», beteuert Suzanne Oberer-Kundert vom Baselbieter Natur- und Vogelschutzverband. Allerdings fallen die Distelfinken - im Gegensatz zu den meist unscheinbaren einheimischen Vögeln - mit ihrer Vielfarbigkeit auf. «Kennzeichen ist die kräftig rote Gesichtsmaske.» Zudem weisen die Flügel eine deutlich abgesetzte leuchtend gelbe Binde auf.

Stark sind die Distelfinken aber auch punkto Gesangstechnik. «Die Vögel sind bekannt als schöne Sänger», bestätigt Kurt Mohler. Den Ornithologen beschleicht ein Verdacht: «Es kann sein, dass der Täter die Tiere einfach in die Freiheit entlassen wollte, weil Distelfinken eigentlich Wildvögel sind.»

Davon, dass sich der Diebstahl finanziell lohnt, geht Oberer-Kundert nicht aus. «Wenn jemand mit Vogel-Verkauf Geld verdienen will, hält er sich an Greifvögel.» Vor 15 Jahren seien vor allem Wanderfalken begehrt gewesen, da diese Jahre zuvor in der Schweiz ausgestorben waren.

Chance, die Vögel zu finden, ist gering

Der Wert der rund 120 verschwundenen Distelfinken beläuft sich auf etwa 100 000 Franken. Ob die Tiere tatsächlich zu je 1000 Franken verkauft werden können, bezweifelt Polizeisprecher Wirz allerdings. «Man muss zuerst Käufer finden, die diesen Betrag bezahlen.» Bei den Vögeln handle es sich schliesslich um lebendige Tiere.

«Die kann man nicht ewig verstecken wie zum Beispiel ein gestohlenes Handy.» Allerdings hat er während des laufenden Verfahrens erfahren, dass Distelfinken in Italien beliebt sind. «Sie werden auch dort gezüchtet und streng bewacht.» Obwohl die Distelfinken beringt sind und die Züchternummer CH1560 tragen, schätzt Wirz die Chance, die Täterschaft ausfindig zu machen, als gering ein.