Philippe Klein

Heute Freitag, um 18 Uhr, werden auf dem Bürkliplatz Hunderte Fans von Energy Zürich erwartet. Sie wollen gegen

die angekündigte Schliessung des Radiosenders protestieren. Mit dabei: die Schweizer Popsternchen Stress, Baschi, Bligg oder Börni Höhn. Die Musiker werden mit Ansprachen die Nichtkonzessionierung von Energy kritisieren und die Radiomacher selber von der Politik eine UKW-Übergangsfrequenz fordern, zumindest bis man Radio über die neue Technologie DAB senden kann.

Der Ort der Kundgebung scheint nicht zufällig gewählt: Demonstrationen auf dem Bürkliplatz für ein Radio, das die Behörden abschalten wollen - das gabs vor rund 30 Jahren schon einmal. Am 26. Januar 1980 skandierten rund 5000 Personen «Rosche, Rosche», unterstützten so Medienpionier Roger Schawinski beim Aufbrechen der staatlichen Radiolandschaft und trugen dazu bei, dass Radio 24 wieder auf Sendung gehen konnte.

«Wie nach Drehbuch kopiert»

Dazu sagt Dani Büchi, Geschäftsleiter von Energy Zürich: «Es gibt durchaus Parallelen zu den Vorkommnissen von damals: Auch 1980 wollte der Staat ausgerechnet ein Radio für Junge abschalten, obwohl das Bedürfnis dafür ausgewiesen war.» Und wenn man sich die Argumente des damaligen Bundesrats anhöre («Es geht darum, geltendes Recht durchzusetzen»), so klinge es 2009 ganz ähnlich. Mit Blick auf Schawinskis konzessioniertes Radio 1 meint Büchi spitz: «Ironie der Geschichte ist, dass, wer damals für eine Sendeerlaubnis kämpfte, heute auf der anderen Seite steht.»

Vehement gegen den Vergleich von Radio-24-Protesten und Energy-Sympathiewelle wehrt sich allerdings Radiopionier Schawinski. Er sagt: «Unsere Aktivitäten 1979/80 entstanden spontan und in einem völlig anderen rechtlichen und medialen Umfeld. Wenn Energy Zürich dreissig Jahre später alles wie nach Drehbuch kopiert - Höreraktionen, Petition, Auftritt vor dem Bundeshaus, Demo auf dem Bürkliplatz -, erscheint dies weder besonders innovativ noch kann es die Probleme dieses Senders lösen.»

Was zählt die Internet-Symphatie?

Etwas moderater fällt das Urteil von Medienwissenschafter Matthias Künzler aus. Der Oberassistent am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienwissenschaft der Uni Zürich sieht «oberflächlich gesehen» Parallelen zwischen den beiden Protestwellen. Die Szenerie sei dieselbe: Ein Radiosender muss wegen staatlicher Regulierung schliessen. Mit Radio 24 habe man aber einen Typus Privat- und Jugendradio schliessen wollen, den es so noch nicht gab. «Davon kann heute keine Rede sein. Mit Radio 105 ist seit kurzem ein Jugendradio auf Sendung und über Musikclubs, Internet und iTunes gibt es für alle Zugang zur Pop- und Jugendkultur», so Künzler. Und schliesslich sei es bei der Protestbewegung für Radio 24 gar um mehr gegangen als «nur» einen Radiosender. «Es war der Ausdruck einer Unzufriedenheit einer ganzen Generation mit den vorherrschenden Lebensumständen.»

Im neuen Jahrtausend formiert sich der Widerstand im Internet: Auf der Community-Plattform Facebook haben sich rund 500 Personen für den Anlass angemeldet, die Gruppe «Rettet Energy Züri» zählt bereits mehr als 15 000 Mitglieder. Eine solche Form von Unterstützung hatte Radio 24 nicht. Was sie wert ist und wie gross die Symphatie für Energy wirklich ist, wird sich heute ab 18 Uhr an der gut einstündigen Kundgebung zeigen.