Bischofswahl
Drei wollen das Bischofsamt

Am 12. Juni wählt die christkatholische Nationalsynode in Olten einen neuen Bischof. Drei Kandidaten stehen zur Wahl. Sie präsentierten sich am Samstag an einer Veranstaltung in Bern dem interessierten Kirchenvolk.

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Solothurner Zeitung

Brigitta Köhl

Synodepräsidentin Manuela Petraglio-Bürgi (Magden) begrüsste in Bern die anwesenden Synodalen und interessierten Christkatholiken. Man wolle sich informieren und die Verantwortung für eine gute Wahl gemeinsam tragen.

Daniel Konrad

Geboren 1958, ledig, Pfarrer in Schönenwerd-Niedergösgen seit 2003, Wohnort Schönenwerd. Aufgewachsen in Luzern, Besuch Primarschule und Gymnasium, Studium in Allgemeiner Geschichte, Englisch und Ethnologie in Zürich, Lizenziat 1984. 1985 bis 1991 Studium der Theologie, Diakonatsweihe 1991, Priesterweihe 1992 in Schönenwerd. Pfarrer in Obermumpf-Wallbach 1993 bis 2003. (bk)

Die Motivation, sich für das Amt des Bischofs zur Verfügung zu stellen, ist für Kandidat Daniel Konrad aus Schönenwerd die Bereitschaft für den Dienst am Bistum und die Wertschätzung der bischöflich-synodalen Struktur, der Einsatz für die nationale und internationale Vernetzung sowohl innerkirchlich als ökumenisch.

Besonders wichtig ist ihm die Förderung des spirituellen und gottesdienstlichen Lebens, die Katechese und die Ausbildung von Kindern. «Ich möchte unsere Interpretation von Katholischer Kirche leben und bekannt machen.»

Vom liberalen Geist geprägt

Harald Rein aus Dübendorf liegt das Fortbestehen der Christkatholischen Kirche am Herzen. «Kirche ist der Ort, wo sich Himmel und Erde berühren, ich möchte ein Bischof sein, den man in allen Gemeinden stark spürt.» Schwerpunkte würde er setzen in den Bereichen Kinder und Jugend, Gottesdienst, soziale Arbeit und Ökumene, Stärkung von Lehre, Liturgie und Sakramentenpraxis.

Harald Rein

Geboren 1957, geschieden, drei erwachsene Kinder, Pfarrer in Zürich-Stadt seit 2008, Wohnort Dübendorf. Aufgewachsen im Rheinland, Studium der Theologie in Bonn, ab 8. Semester in Bern. Promotion zum Dr. theol. In Praktischer Theologie in Luzern, Nachdiplomstudien in Management und öffentliche Verwaltungsführung. 11 Jahre Pfarrer in Obermumpf- Wallbach, 15 Jahre Pfarrer in Zürich-Oerlikon und Winterthur. (bk)

Der Berner Christoph Schuler ist überzeugt, dass die christkatholische Kirche, die eine vom liberalen Geist des 19. Jahrhunderts geprägte Kirche Gottes ist, eine Zukunft hat. Er vertraue auf den dreieinigen Gott und das Gute im Menschen. Die Kirche müsse Gotteserfahrung vermitteln können. Er kämpfe für eine biblisch verankerte, weltoffene und sozial engagierte Kirche. Weitere Schwerpunkte seien Religionsunterricht und Jugendarbeit.

Christoph Schuler

Geboren 1962, verheiratet, eine Tochter, seit 2008 Pfarrer von Bern und Thun, Wohnort Bern. Aufgewachsen in Wettingen, Matur und aargauisches Lehrerpatent, Unterrichtstätigkeit in Rheinfelden, Studium der Theologie in Bern 1987 bis 1995. Vikar in Genf und Lancy-Carouge, 1996 bis 2004 Pfarrer im Kanton Neuenburg und Lausanne, 2004 bis 2005 Pfarrer in Solothurn, 2006 bis 2008 Pfarrer von Bern und Lausanne. (bk)

Der Bischof als Brückenbauer

Nach Meilensteinen in einem Bischofsamt befragt, sagte Konrad: «Es ist wichtig, das Bekenntnis über unseren Glauben zu vermitteln und den Glauben in der Praxis zu leben.» Für Rein ist die Frauenordination in keiner Weise erledigt, da sie zu Verstimmungen mit den anglikanischen und orthodoxen Kirchen geführt habe.

Nun gelte es zu zeigen, dass dies unsere Kirche weiterbringe. Jugendarbeit müsse spiritueller werden, man müsse die Jungen über die Herzen gewinnen. Für Daniel Konrad muss der Bischof spirituell Hirte sein, der sich auf gut organisierte Kirchgemeinden verlassen können muss. Er möchte den Leuten Mut machen, sich trotz starkem Individualismus wieder in einer christlichen Gemeinschaft zu binden und zu verpflichten.

Harald Rein sieht den Bischof als Moderator, der Fragen stellt an die Kirche und an sich selbst und hoffentlich darauf auch Antworten findet. Er möchte die Herzen der Menschen mit christlichem Glauben erreichen. Der Bischof als Brückenbauer sei so viel wert wie die Verankerung der Brücke. Diese sei die Identität der christkatholischen Gemeinden.

Der Brückenbau sei ein Prozess, der auch bei unterschiedlichen Meinungen weitergeführt werden müsse. Schuler sieht eine Verbindung von Spirituellem und Organisatorischem, möchte barocke Lebensfreude in die Kirche hineintragen, möchte ein «guide spirituel» sein und sich auf das Spirituelle stützen.

Die engagierten Voten für den einen oder andern Kandidaten zum Schluss der Wählerversammlung lassen am 12. Juni in der Stadtkirche Olten eine spannende Bischofswahl erwarten. Zwei Drittel der Synodalen und Geistlichen müssen sich für einen Kandidaten entscheiden. Es dürfte mehr als einen Wahlgang erfordern, bis der weisse Rauch aufsteigen könnte.