Zur alten Post
Drei Betriebe unter einem Tatarenhut

Nach 26 Jahren im Restaurant Zur alten Post, in Langenthal liebevoll das «Pöstli» genannt, ist Ende Juni vorübergehend Schluss. Das Ehepaar Hofer verlässt das Restaurant und konzentriert sich fortan auf seine beiden anderen Wirtshäuser in Reisiswil.

Drucken
Teilen
Zur alten Post

Zur alten Post

az Langenthaler Tagblatt

Quentin Schlapbach

Noch geniessen die Gäste das Essen auf der sonnigen Terrasse des Restaurants Zur alten Post. Die Kundschaft reicht vom Geschäftsmann bis zum Bauarbeiter, genau so wie Esther und Ulrich Hofer das vor 26 Jahren geplant hatten. Das Wirtepaar, welches damals noch in der Ostschweiz wirkte, suchte zu diesem Zeitpunkt ein Restaurant in der Nähe von Reisiswil, von wo Ulrich Hofer ursprünglich stammt.

Per Zeitungsinserat wurden sie auf das Lokal - das zu dieser Zeit noch im Rohbau war - in Langenthal an der Aarwangenstrasse aufmerksam. Der Besitzer der Liegenschaft baute anschliessend den Raum so um, wie das Restaurant heute noch aussieht, denn: An der gemütlichen Einrichtung hat sich seither nicht viel verändert. Zu diesem Zeitpunkt dachten Ulrich und Esther Hofer nicht, dass sie das Restaurant Zur alten Post 26 Jahre lang bewirtschaften würden.

Geplant war damals, in der näheren Zukunft das Restaurant Traube in Reisiswil zu übernehmen, welches Ulrich Hofers Eltern gehörte. Dieser Plan wurde im Jahr 1992 auch in die Tat umgesetzt. Neben der «Traube» übernahmen Hofers zudem das Restaurant Hochwacht. Trotzdem führten sie das «Pöstli» weiter.

Nur mithilfe der Familie möglich

Dass das Führen von drei Restaurants eine organisatorische Höchstleistung erfordert, war dem Ehepaar Hofer schon damals klar. Die Tatsache, dass es über all die Jahre so gut funktioniert hat, ist vor allem dem Einsatz der ganzen Familie sowie den übrigen Mitarbeitenden zu verdanken.

Ulrich Hofer übernahm die Bereiche Einkauf, Küche und Büro, während sich Esther Hofer voll und ganz der Betreuung der Gäste widmete. Auch die beiden Söhne wurden in den Familienbetrieb integriert. Der eine Sohn ist als Koch tätig, der andere kümmert sich um die buchhalterischen Tätigkeiten. Im Service arbeiten ausserdem die beiden Schwestern von Ulrich Hofer.

Zusammengezählt auf die drei Betriebe beschäftigen sie 25 Leute inklusive der Teilzeitangestellten. «Wir sind froh, dass wir niemandem kündigen müssen», sagt Ulrich Hofer. Möglich wurde dies, weil sie den Auszug schon seit längerer Zeit geplant und mitgeteilt hatten.

Das «Pöstli» lebt weiter

Heidi Gugelmann und Thomas Baettig heissen die neuen Pächter des «Pöstlis». Die gelernte Serviceleiterin und der diplomierte Küchenchef, welche bis anhin in Grenchen tätig waren, werden das «Pöstli» Anfang September neu eröffnen. Gemäss Otto Tona, dem Besitzer der Liegenschaft, wird das Lokal von Juli bis August zuerst renoviert.

Ein neuer Boden und ein neues Interieur sollen das Restaurant heller und freundlicher machen. Am Unternehmenskonzept und an der Ausrichtung der Küche soll allerdings nicht viel verändert werden. (qsc)

Dass Hofers nun nach einem guten Vierteljahrhundert einen Schlussstrich ziehen, liegt hauptsächlich an der zeitlichen Belastung, die das Führen von drei Betrieben mit sich bringt. So freuen sie sich in Zukunft vor allem auf mehr gemeinsame Freizeit, denn: Während der letzten Jahre hatten Esther und Ulrich Hofer fast keine freien Tage mehr.

Um sich diese Zeit zu nehmen, werden die beiden Restaurants in Reisiswil jeweils am Montag und Dienstag geschlossen bleiben. Nichtsdestotrotz sind Esther und Ulrich Hofer noch voller Unternehmungslust. So findet auch in diesem Jahr vom 8. bis 12. Juli wieder das Open-Air-Kino auf der Hochwacht statt.

Die «Züglete» ist in vollem Gange

Bis Ende Juni kommt auf die beiden allerdings noch einiges an Arbeit zu, denn die «Züglete» ist schon in vollem Gange. Auch der beliebte Tatarenhut, die Hausspezialität im «Pöstli», zieht nach Reisiswil um.

Was sie an Langenthal am meisten vermissen werden, seien ganz klar die Gäste, welche über all die Jahre dem «Pöstli» treu geblieben seien, sagen Hofers. Sie sind überzeugt, dass einige von ihnen sicher ab und zu auch nach Reisiswil kommen werden, um sie an ihrer zukünftigen Wirkungsstätte zu besuchen.

Den Gästen widmet das Ehepaar denn auch seinen letzten Tag im «Pöstli», den 28. Juni: «Wir werden uns mit einem Dankeschön und einer Portion Wehmut verabschieden», hält Esther Hofer fest.