Elsbeth Caduff

Drei Angliker fliegen nach Vancouver

Mutter Elsbeth Caduff bereitet sich schon jetzt auf Vancouver vor. (aw)

Drei Angliker fliegen nach Vancouver

Mutter Elsbeth Caduff bereitet sich schon jetzt auf Vancouver vor. (aw)

Euphorisch haben Fabio Caduffs Eltern Elsbeth und Nino seine Olympiaqualifikation am Fernseher zu Hause in Anglikon live miterlebt. Innert vier Tagen war ihre Vancouver-Reise gebucht. Denn natürlich wollen sie ihren Sohn in Vancouver unterstützen.

Andrea Weibel

«Als seine Teilnahme definitiv war, haben wir sofort die Reise und das Hotel in Vancouver gebucht, und der Pass meines Mannes ist gerade angekommen», sagt Elsbeth Caduff lachend. «Eine solche Chance ist schliesslich nicht alltäglich.» Sie hat bisher noch kein Boardercrossrennen ihres Sohnes live miterlebt, aber an den Olympischen Spielen wollen sie und ihr Mann unbedingt mit dabei sein.

Schon als Kind ein Schneesportfan

Dass ihr Sohn einmal an den Olympischen Spielen teilnehmen könnte, hätte Elsbeth Caduff nie erwartet. «Er war aber schon als kleiner Junge ein echter Schneesportfan», erinnert sie sich. «Als er 15 Monate alt war, bekam er die ersten ‹Rutscherli› an seine Moonboots geschnallt. Von da an wollte er diese nicht wieder hergeben.»

Die meisten Winterwochenenden und viele Ferien verbrachte die Familie Caduff im Schnee. «Mein Mann stammt aus dem Bündnerland und wir haben dort auch eine Wohnung, da war es klar, dass wir häufig hinfuhren», so die Mutter. «Mein Mann hielt es nicht aus hier unten im Nebel, wenn er sich vorstellte, dass es oben in den Bergen traumhaftes Wetter gab.» Also packte er seine drei Buben und machte sich auf in den Schnee.

Im selben Skiklub wie Carlo Janka

Im Skigebiet Obersaxen, wo auch der Skiüberflieger Carlo Janka gross geworden ist, hat Fabio Caduff erst Ski fahren, dann snowboarden gelernt. Mehr als seine beiden Brüder Mario (22) und Gabriel (21) war der 24-Jährige vom Wintersport angefressen. «Auch während der Lehre ist er fast jedes Wochenende allein mit dem «Gleis 7» ins Bündnerland gefahren, um zu trainieren. Er hatte Glück, dass seine Arbeitgeber ihn immer darin unterstützten.»

Mit sehr viel Fleiss und Ausdauer schaffte er es bis ins A-Kader der Schweizer Boardercrosser. «Auch die Spitzensportler-RS in Magglingen hat ihm viel gebracht», sagt Elsbeth Caduff. Fabio sei schon immer sehr ehrgeizig gewesen. «Seine Turnlehrerin in der Primarschule sagte uns einmal, Fabio würde bei einem Wettrennen eher seine Lungen auf den Händen ins Ziel schleifen, als einen anderen vorbeiziehen zu lassen», lacht die 49-Jährige.

Eigenständiger Weltenbummler

Von seinen Eltern habe sich Fabio nie gross unterstützen lassen. «Er war immer sehr eigenständig und wollte das allein schaffen», so die Mutter. Für die Wettkämpfe reiste der Angliker mit seinem Team, aber ohne Familie rund um die Welt. «Das hat ihm immer gefallen, er ist eben ein Weltenbummler.»

Aber in Vancouver wollen ihn seine Eltern unbedingt anfeuern. «Gabriel, Mario und dessen zwei Töchter bleiben zu Hause und drücken Fabio von hier aus die Daumen», schmunzelt sie. «Vor allem die beiden Mädchen sind echte Glücksbringer für ihn. Sie sind wohl die grössten Fans ihres Onkels.»

«Ich bleibe realistisch»

Im Leben der Familie Caduff hat sich durch Fabios Qualifikation für die Olympischen Spiele bisher wenig verändert. Allein die Glückwunsch- und Fanpost habe deutlich zugenommen. «Seit klar ist, dass er in Vancouver starten kann, lachen mich die Leute auf der Strasse auch oft an oder gratulieren sogar, denn sie kennen Fabio ja alle», erzählt Elsbeth Caduff.

Trotz all der Freude bleibt sie jedoch realistisch. «Boardercross ist undankbar. In der Qualifikation kommen jeweils die schnellsten zwei von vier Fahrern eines Laufs weiter. Wenn einer stürzt, kann es sein, dass man ohne eigene Schuld mitgerissen wird und die Quali nicht schafft.» Von der Euphorie lässt sie sich dennoch ein wenig mitreissen. «Ich freue mich riesig für Fabio.»

Am Montag, 15. Februar, startet Fabio Caduff an den Olympischen Rennen in Vancouver.

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