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Draussen vor der Kurhaus-Tür

Harte Zeiten für Ausflügler: Sie stehen diesen Winter beim Kurhaus auf dem Weissenstein und dem Balmberg vor geschlossenen Türen. Von den anderen Restaurants auf den Jurahöhen wird dies unterschiedlich aufgenommen. Einig sind sich alle in einem: Es muss rasch eine Lösung für den öffentlichen Verkehr auf den Weissenstein gefunden werden.

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Astrid Bucher

Nun ist es definitiv: Das Kurhaus Weissenstein ist ab dem 7. Dezember geschlossen (wir berichteten). Jedoch nicht für immer, wie zunächst befürchtet wurde: «Wir sind kurz davor die Verträge anzupassen, so dass mit dem Gastrobetrieb am 1. April wieder gestartet werden kann», sagt Heinz Blattmann, Pächter des Kurhauses auf Anfrage: «Ob wir als Pächter im Frühling 2010 wieder dabei sind, das wird zurzeit verhandelt.» Weder bestätigen noch dementieren will dies Josef Ingold, Verwaltungsratspräsident der Kurhaus Weissenstein AG; «Wir werden voraussichtlich nächste Woche informieren», sagt er.

Eine unangenehme Situation für die beiden Familienbetriebe «Sennhaus» (Gebrüder Niederberger) und «Hinter Weissenstein». «Die Bevölkerung ist verunsichert», sagt Annegret Stucki vom Berggasthof Hinter Weissenstein. «Unsere Gäste verlangen von uns mehr Informationen. Wir wissen aber auch nicht viel mehr.»

Sich auf die neue Situation vorbereiten sei schlicht unmöglich. «Wir nehmen's wie es kommt», sagt Ursula Moser-

Tourismus-Direktor baut auf Busbetriebs-Lösung

«Der öffentliche Verkehr (öV) ist zurzeit das Schlüsselproblem auf dem Weissenstein», bestätigt Jürgen Hofer, Direktor Region Solothurn Tourismus: Flankierende Massnahmen seien dringend nötig. «Wenn es dem Kanton und Region Solothurn Tourismus noch diesen Winter gelingt, den Weissenstein mit dem öffentlichen Verkehrsmittel - vorübergehend mit einem Bus - zu erschliessen, so könne wir den Prozess der entstandenen Negativspirale rund um die Seilbahn und das Kurhaus Weissenstein aufhalten.» Erst danach mache es Sinn über ein gesamtes Nutzungskonzept nachzudenken. Sei bis im Sommer keine Lösung auf dem Tisch, stünden auch weitere Events, wie das Uhuru-Festival, auf dem Spiel. «Ende 2009 sollte klar sein, ob wir zumindest an Wochenenden einen Bus einsetzen und allenfalls die Strasse Nord als Schlittelpiste nutzen könnten.» Nach wie vor möchte Hofer alle Beteiligten «an Bord holen, um gemeinsam eine Lösung zu finden.» Aus touristischer Sicht sei die Situation, dass beide Kurhäuser geschlossen sind, nicht gerade ein Gütezeichen für Stadt und Region Solothurn. «Aber ich möchte nicht darauf spekulieren, ob dies jetzt ein Imageschaden für die restlichen Betriebe auf den Jurahöhen ist», sagt Hofer. Schliesslich machten die Pächter der übrigen Berggasthöfe einen guten Job. Weiter nennt Hofer auch den Seilpark auf dem Balmberg als positives Beispiel für funktionierenden Tourismus in der Region. «In einem weiteren Schritt haben wir auch ein touristisches Gesamtnutzungskonzept im Gebiet Grenchenberge, Weissenstein, Balmberg bis Schmiedenmatt angedacht», blickt der Tourismus-Direktor in die Zukunft. (abs)

Beliebte Höhenwanderungen

Ob die geschlossene Seilbahn zu mehr motorisiertem Individualverkehr geführt hat, das sei nach knapp einem Monat nicht abschliessend zu beurteilen: «Im Winter ist das Problem gering», sagt Ulrich Stucki. «Aber bei schönem Wetter fahren mehr Leute mit dem Auto hoch und es könnte ein Chaos beim parkieren geben. Ein Problem wird dies aber erst im Sommer sein. Solage die Strasse offen ist, werden wir Gäste haben.» Als erste Massnahmen wurden darum vom Kanton Tafeln mit Halteverbote entlang der Passstrasse montiert.

Allerdings bleiben die Gäste, die bisher mit dem öffentlichen Verkehr (öV) angereist sind vermehrt aus. Die Höhenwanderung ist bei Senioren eine beliebte Route. «Sie schätzten die Seilbahn sehr», sagt Annegret Stucki. «Diese Gäste fehlen uns jetzt, das spüren wir.» Von der Seilbahn bis zum Gasthaus Hinter Weissenstein sind es zu Fuss gerade mal zwei Kilometer. «Wir und unsere Gäste hätten uns eine Anschlusslösung punkto öV gewünscht und haben dies auch bei den Verantwortlichen deponiert», sagt die Pächterin.

Die Ausflügler auf dem Balmberg stossen schon länger auf geschlossenee Türen des Kurhauses Oase Balmberg. «Kurhäuser repräsentieren den Berg - wenn diese geschlossen sind, heisst es unter den Touristen rasch einmal: Der Balmberg ist schlecht», sagt Melanie Hauswirth, die zusammen mit Freddy Boillat das Restaurant Mittlerer Balmberg führt. «Oben auf der Passhöhe trampen einem die Gäste regelrecht in die Wirtsstube, wir weiter unten müssen schon mehr um sie kämpfen. Uns fehlt viel Fussvolk, das vorher häufig vom Weissenstein her kam. Ohne Kurhaus ist das schlecht fürs Image des Berges», sagt Hauswirth.

Blechlawinen im Sommer

Weiter westwärts, bei Christoph und Timna Räuftlin-Dorsman im «Althüsli», sei von den Konsequenzen der fehlenden Seilbahn Weissenstein zurzeit nicht viel zu spüren: «Unser Hof liegt in der Mitte - gut zu Fuss zu erreichen von den Grenchenbergen und auch vom Weissenstein her. Wir merken gottseidank noch keine Nachteile», sagt Timna Räuftlin. «Wir hoffen natürlich, dass es bald wieder eine Seilbahn gibt, sonst könnte es im Sommer, wenn alle mit dem Auto auf den Berg fahren, Engpässe geben.»

Dazu macht sich auch Viktor Stüdeli, Gemeindepräsident von Selzach seine Gedanken: Es könnte ja sein, dass die Berghöfe oberhalb von Selzach und Bettlach regelrecht gestürmt werden vom motorisierten Verkehr. «Im Winter wird dies wohl weniger der Fall sein, da viele Strassen ohne Allradantrieb schwer passierbar sind. Von der Kapazität her, sehe ich keine Probleme Aber im Sommer gibt es bei den Berggasthöfen - Schauenburg, den beiden Brüggli, Althüsli und Bettleberg - zuwenig Parkplätze.»

Einbahnverkehr hat sich bewährt

Im Winter, wenn Schnee liegt und während den Stosszeiten ist der Verkehr auf die Grenchenberge im Einbahnsystem geregelt. «Wir haben uns gut an diese Situation gewöhnt und begrüssen diese Verehrsregelung», sagt Vreni Schneider, vom Berghof Unter-Grenchenberg. «Nicht jeder Autofahrer ist auch ein sicherer Bergfahrer.» Die Restaurants auf den Grenchenbergen seien gerüstet für den Winter, das bestätigt auch Anna-Maria Schmidig vom «Oberen Grenchenberg»: «Der Winter darf kommen.»

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