Dorfladen vor ungewisser Zukunft

In Leuzigen sucht die Milchgenossenschaft einen neuen Betreiber für die Milchsammelstelle und das Geschäft.

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Milchzentrale Leuzigen

Milchzentrale Leuzigen

Solothurner Zeitung

Die Milchgenossenschaft Leuzigen sucht einen neuen Verantwortlichen für die Milchsammelstelle, den zugehörigen Laden und die Betriebswohnung. Für einige Bauern im Dorf hängt von der Milchannahme die Existenz ab, und das Dorf hängt an seinem letzten Laden.

Daniela Deck

Die Betreiberfamilie von Milchsammelstelle und Dorfladen Leuzigen bricht im Sommer zu neuen Horizonten auf. Das stellt die Milchgenossenschaft, wie die lokale Käserei- und Milchgenossenschaft neu heisst, vor eine Herausforderung. Sie braucht jemanden, der ab dem 1. August die Milch von 14 Landwirten entgegen- nimmt. Das bedeutet morgens und abends je eine Stunde Arbeit, und das sieben Tage in der Woche. «Der Idealfall wäre, wenn ein Paar oder eine Familie alles übernimmt, die Milchannahme, den Laden und die Wohnung», sagt Hansjürg Rätz, Kassier der Genossenschaft. Während für die Milchannahme ein Pflichtenheft von den Öffnungszeiten bis hin zur Reinigung des Tanks existiert, ist die Mieterschaft beim Laden völlig ungebunden. Die Öffnungszeiten und das Angebot des Lokals an der Dorfstrasse 1 können frei bestimmt werden.

Voll- oder Teilzeitstelle möglich

Genossenschaftspräsident Martin Affolter erklärt: «Der bisherige Betreiber würde seinem Nachfolger die Ausstattung des Ladens, Regale und Kühlaggregate, verkaufen, wenn das gewünscht ist.» Das Ladenlokal selbst wurde 2007 vergrössert und renoviert. Nun umfasst es 42 Quadratmeter. Falls der neue Mieter selbst Milchprodukte herstellt, dürften Laden und Milchannahme nach Einschätzung von Martin Affolter eine Vollzeitstelle ergeben. Wenn alle Produkte von aussen bezogen werden, lässt sich die gesamte Aufgabe im Rahmen einer Teilzeitstelle bewältigen.

Die Verankerung ihrer Angebote in der Region ist der Genossenschaft wichtig. «Falls ab August vor Ort keine Frischprodukte wie Joghurt mehr erzeugt werden, gibt es die Möglichkeit, diese aus der Region zu beziehen», erläutert der Präsident. «Es wäre aber schön, wenn diese weiterhin hier produziert werden könnten.»

Verbunden mit diesen zwei Aufgaben ist eine grosszügige Betriebswohnung mit rund 400 Quadratmetern Umschwung. Die Fünfzimmerwohnung teilt Strom und Wasser mit Milchzentrale und Laden. Daher wäre es schwierig, sie isoliert zu vermieten. Genossenschaftspräsident und -kassier sind sich einig: «Eine innovative Persönlichkeit kann daraus etwas
machen.»

Zur Not Kompromisse

Nicht nur die Genossenschaft hat viel zu verlieren, wenn es mit der Ablösung im Sommer hapert. Das gilt auch für das Dorf, das ausser diesem Laden nur noch über den Landi-Laden verfügt.

Am schlimmsten wäre eine Vakanz aber für die Bauern, die hier zweimal täglich ihre Milch abliefern. «Kleinere Landwirtschaftsbetriebe wären dann in ihrer Existenz bedroht», spricht Kassier Hansjürg
Rätz Klartext. «Die Investition für einen eigenen Milchtank auf dem
Hof wäre für sie nicht rentabel, und dann müssten sie den Milchbetrieb aufgeben.»

Die Milchgenossenschaft setzt auf das Prinzip Hoffnung. Mit den Inseraten im «Schweizer Bauer», im «Anzeiger Bezirke Solothurn, Lebern, Bucheggberg und Wasseramt» und im «Jurablick» letzte Woche möchte sie eine Person oder Familie erreichen, die genau den gestalterischen Freiraum sucht, den die Aufgabe im Herzen von Leuzigen bereithält. Dabei stehen die Verantwortlichen mit beiden Füssen auf dem Boden. Hansjürg Rätz: «Wenn es mit dem Idealfall nicht klappt, sind wir offen für Kompromisse. In diesem Fall würden die drei Standbeine Milchannahme, Laden und Wohnung voneinander getrennt.»