Bildung
Doppelabschluss für Maturanden

Aargauer Maturanden sollen einen besseren Zugang zu Universitäten im Ausland erhalten. Dazu wird in Aarau und Wettingen ein Doppelabschluss mit der Matur und einem internationalen Diplom angeboten.

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Urs Moser

Die Organisation International Baccalaureate Diploma (IB) besteht schon seit 1968, sie wurde in Genf ins Leben gerufen. Der weltweit anerkannte IB-Mittelschulabschluss soll den Zugang zu internationalen Universitäten erleichtern. In der Schweiz gibt es ihn bisher aber fast nur an Privatschulen. Das Literatur- und das Realgymnasium Rämibühl in Zürich sind die einzigen öffentlichen Schulen, die den IB-Lehrgang anbieten.

Testlauf in Aarau und Wettingen

Jetzt sollen im Aargau die Neue Kanti Aarau und die Kantonsschule Wettingen dazukommen. Bildungsdirektor Alex Hürzeler stellte das Projekt gestern mit den Rektoren Daniel Siegenthaler (Aarau) und Kurt Wiedemeier (Wettingen) vor. Das Parlament hat für einen vorerst auf fünf Jahre befristeten Schulversuch einen Kredit von 1,8 Millionen bewilligt. In Aarau und Wettingen soll ab nächstem Schuljahr je eine Abteilung mit 24 Absolventen pro Jahrgang geführt werden. Der IB-Lehrgang ist ein zweijähriges Programm und knüpft an den bereits bestehenden Immersionsunterricht (Fachunterricht in einer Fremdsprache) an. International kann das IB-Diplom in Englisch, Französisch und Spanisch erworben werden. Im Aargau ist die Zweitsprache Englisch. Das IB-Programm besteht aus je einem Fach aus den Bereichen Erstsprache, Zweitsprache, Geistes- und Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften, Mathematik oder Informatik und einem sechsten Wahlfach in der 3. und 4. Gymnasium-Klasse. Dazu kommen:

•Ein Unterrichtsmodul «Theory of Knowledge» (Tok, ebenfalls in Englisch), mit dem die Reflexionsfähigkeit, das Vernetzen von Fächern und das Nachdenken über das Lernen und Wissen gefördert werden sollen.

•Eine in Englisch zu verfassende Abschlussarbeit im ähnlichen Rahmen wie die Maturarbeit.

•150 Stunden Einsatz in Jugend- oder gemeinnütziger Arbeit, das kann auch eine Tätigkeit als Pfadileiter sein.

Massnahme zur Standortförderung

Damit ist schon gesagt: Die Teilnahme am IB-Programm stellt einen nicht zu unterschätzenden Mehraufwand gegenüber der «normalen» Maturitätsschule dar. Es handle sich um ein Bereicherungsangebot für leistungsstarke Schüler, so Kurt Wiedemeier. Die IB-Prüfungen sind freiwillig.

Der Aufwand für die Kombination von Maturität und international anerkanntem IB-Diplom dürfte dafür mit klaren Vorteilen belohnt werden: sehr hohe Sprachkompetenz in Englisch und besserer Zugang zu Hochschulen im Ausland. Und schliesslich werde auch die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung der Maturanden im Hinblick auf ein späteres Studium gefördert, wie das von den Hochschulen gefordert werde, so Rektor Wiedemeier.

Für Bildungsdirektor Alex Hürzeler stellt die Einführung des Doppelabschlusses auch eine Massnahme zur Steigerung der Standortattraktivität des Aargaus als Wohnkanton insbesondere für international ausgerichtete, hoch qualifizierte Arbeitskräfte aus dem In- und Ausland dar. Und er stärke die öffentliche Schule des Kantons in der Diskussion bezüglich freier Schulwahl.