Doch besser Ruanda als Elena

Die tägliche Portion Meiereien aus der Aargauer Zeitung.

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Ziege

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Keystone

Jörg Meier

GESTERN WURDE an dieser Stelle die Geschichte der armen Elena aus Russland erzählt, die friert und um einen kleinen Holzofen bittet. Das Echo war unerwartet und überaus erfreulich: Sechs Öfen, viele Kleider und Geldspenden wurden bis gestern Abend aus der Leserschaft für die arme Elena angeboten. So viel Grosszügigkeit rührt.

LEIDER IST ELENA, die nicht Elena heisst, eine Betrügerin und ihre Geschichte frei erfunden. Ihre Ofen-Bitte hat sie wohl hunderttausendfach per Mail verschickt; der Trick dabei ist so einfach wie genial: ein Ofen, wie sie ihn möchte, ist hier neu ab ca. 150 Franken zu haben. Aber der Transport nach Russland kostet inkl. Zoll gut und gerne 300 Franken. Also schlägt Elena vor, wenn man sich dann mit ihr in Verbindung setzt, man solle ihr doch einfach das Geld überweisen, sie poste sich dann den Ofen direkt in Russland. So könne man den teuren Transport sparen. Und wenn das nun ein paar hundert oder tausend nette Menschen tatsächlich machen, kommt Elena - oder wer auch immer - sehr gut durch die nächsten paar Winter, und das, ohne auch nur einen einzigen Ofen zu kaufen. Raffiniert.

JA, ELENA IST leider eine Betrügerin. Entsprechend ironisch wurde gestern hier die Geschichte erzählt. Doch leider war die Ironie nicht für alle Leser erkennbar. Das ist natürlich schlecht. Als kleines Zeichen der Wiedergutmachung spendet der Schreibende eine Geiss für Ruanda. Dies in der Gewissheit, dass es beides gibt: Geissen und die Notleidenden in Ruanda. Und er empfiehlt allen grosszügigen Aargauerinnen und Aargauern statt eines Ofens für Elena, auch eine Geiss oder eine Kuh im Rahmen der AZ-Aktion für Ruanda zu spenden. Da weiss man, was man schenkt. Real und ohne jegliche Ironie.

joerg.meier@azag.ch