Dieser Bahnlärm geht ins Geld

Nach Einsprachen droht sich das Bahnprojekt der Aare Seeland mobil zu verzögern. Trotzdem könnte das Bipperlisi bereits 2011 nach Oensingen fahren.

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Bipperlisi

Bipperlisi

az Langenthaler Tagblatt

Julian Perrenoud

Ob ein Ausbau der Bipperlisi-Strecke wirklich sinnvoll ist, darüber scheiden sich die Geister. Die Aare Seeland mobil (asm) meinte ja, und lancierte das 19 Millionen Franken teure Projekt. Einige Niederbipper Anwohner hingegen meinten nein. Und so gingen bis Ende letzten September 28. Einsprachen beim Bundesamt für Verkehr (BAV) ein. Viele verlangten, das Projekt zu verbessern, mit einer neuen Strassengestaltung und einer Lärmschutzwand entlang der Gleise.

Die Konsequenz: asm hat nun in der betroffenen Gemeinde eine Projektänderung aufgelegt. Diese soll ohne grosse Verzögerungen durchkommen. Eine etwa 380 Meter lange Lärmschutzwand soll auf der Stützmauer der geplanten asm-Bahnlinie (Nordseite) direkt neben den SBB-Schienen her. Schallfenster bei Wohnungen auf der Südseite. Die Profile werden demnächst gesteckt.

Die Züge der SBB poltern

Die geplante Lärmschutzwand wird bis zu 600 000 Franken kosten. Der untere Meter besteht aus Beton, der obere aus Glas. Übernehmen muss diese Mehrkosten die asm. Und dies, obschon sie kaum Lärm erzeugt, wie Hans Peter Oberhänsli sagt. Er ist Projektverantwortlicher und Leiter Fachbereich Bahnbau bei der Ostag Ingenieure AG. Denn 99 Prozent des Lärms komme von den SBB und ihren Güterzügen. Unter «SBB Lärmschutz» zeigen die Bundesbahnen zwar auf, wo und wann bauliche Schutzmassnahmen geplant sind - auch bei Niederbipp und Oensingen. Aber nicht gegen Osten, dort wo die tiefer liegenden Häuser stehen.

Laut Oberhänsli könnte sich durch die Projektänderung der Baubeginn um zwei, drei Monate verzögern. Trotzdem soll er noch Mitte Jahr oder wenigstens in der zweiten Hälfte erfolgen. Das sieht auch Ulrich Steinmann so, Vizedirektor der asm. In einer ersten Phase sollen die Brücken und Ingenieurbauwerke errichtet werden. Danach folgen der Tiefbau und die Entwässerungsanlage. Die Gleise werden erst 2011 verlegt. Steinmann betont, die Einsprachen wären nicht einheitlich: «Einige wollten Schutzwände, andere keine.» Man müsse halt zwischen zwei Übeln wählen - Lärm oder Wand.

Auch wenn das BAV rasch auf die Projektänderung reagiert, wird es mit dem Bauende zum Fahrplanwechsel 2011 eng. Steinmann: «Dann reicht es halt erst auf 2012.» Die neue Strecke mitten im Jahr zu eröffnen, sieht er als möglich, aber wenig sinnvoll. Das Angebot erhielte so zu wenig Aufmerksamkeit. Es ist ihm ein Anliegen, dass die asm auf die Wünsche der Anwohner eingeht. «Einige profitieren, andere sind im Nachteil - das ist im Verkehr immer so.» Jeder wolle herumfahren und niemand den Lärm; dieses Prinzip funktioniere halt nicht.

Erst auf Fahrplanwechsel 2012?

Herumfahren sollen auf der neuen Strecke besonders Pendler vom und zum Niederbipper Industriegebiet. Ein Beispiel liefern die Firmen Galexis und Tela, deren Mitarbeiter schon jetzt morgens und abends den provisorischen Busbetrieb nützen. Aber auch Reisende, die entlang dem Jurasüdfuss schlankere Anschlüsse nach Zürich wollen. Den Ausbau der Bipperlisi-Strecke bezeichnet Steinmann deshalb als «wertvoll.» Und umsteigen sei schliesslich nie beliebt. Höhere Betriebskosten soll der Unterhalt des Teilstücks für die asm keine erzeugen: Genügend Fahrzeuge und Mitarbeiter sind vorhanden. Zudem, sagt Steinmann, seien die neuen Angebote der asm jeweils gut angekommen. «Aber sie müssen für die Reisenden stimmen - gerade in ländlichen Gebieten.»

Ob die Strecke Niederbipp-Oensingen dieses Kriterium erfüllen und der Zug mit Pendlern gefüllt sein wird, bleibt abzuwarten. Steinmann rechnet mit etwa drei Jahren, bevor sich der Erfolg des Projekts bewerten lasse.