«Diesen Winter brauchts 15 Ster»

Trotz strengem Winterwetter frieren Vreni und Fredy Forster in ihrem 300-jährigen Haus nicht. Auch ohne Zentralheizung überleben sie mit dem traditionellen Heizsystem aus früheren Zeiten ohne Probleme.

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«Diesen Winter brauchts 15 Ster»

«Diesen Winter brauchts 15 Ster»

«Eigentlich leben wir in einem früheren Jahrhundert, aber wir haben es bewusst so gewählt und wir fühlen uns sehr wohl dabei», sagt Fredy Forster. Draussen tanzen die Schneeflocken, aber in der Stube der Forsters ist es wohlige 23 Grad warm. Die Wärme liefert der grüne Kachelofen, der eine Ecke des Raumes dominiert, und eine Chouscht. Beheizt wird beides ab der benachbarten kleinen Küche. Die Tür zum Büro neben der Stube ist geöffnet, sodass auch dieser Raum angenehm temperiert ist. In den vier Zimmern im oberen Stockwerk – so auch im Schlafzimmer – herrscht aber ein anderes Klima: «Im Winter sind es in der Regel etwa 1 bis 2 Grad, wenns ganz bitterkalt wird, kanns auch mal etwas unter null fallen, doch das ist bis jetzt erst ein- oder zweimal passiert», sagt Vreni Forster. Schlafen bei diesen Temperaturen sei keine Tortur, sondern reine Gewohnheitssache.

«Wir leben im Paradies»

Forsters leben bewusst einfach und mit wenig Komfort. 1973 hatten die beiden Züribieter nach längerer Suche den Melliker Ortsbürgern das ehemalige Gesindehaus des Schlössli abgekauft. Im Jahr darauf brachen sie zu einer einjährigen Asienreise auf und lernten im ungeheizten Bus in Afghanistan und Kaschmir ein Leben kennen, das zu unserer Realität keinen Bezug mehr hat. «Die Kinder liefen im Winter ohne Socken in Sandalen aus alten Autopneus herum. Im Vergleich dazu leben wir hier alle im Paradies», sagt Vreni Forster. Wieder zu Hause, beschlossen sie, in ihrem historischen Traumhaus nur das zu sanieren, was wirklich baufällig oder sicherheitstechnisch nötig war. In der Küche wurden lediglich der kombinierte Holz- und Elektroherd und die Wand des grossen Ofens erneuert.

Harter Winter frisst Holz

Seit über 30 Jahren überwintern Forsters so wie vor ihnen unzählige Generationen mit nur einer beheizten Etage in ihrem grossen Gebäude. «Im Durchschnitt brauchen wir 10 Ster Holz pro Heizsaison», sagt Fredy Forster. «Das ist im Vergleich mit anderen holzbeheizten Häusern wenig, aber deren Zentralheizungen brauchen zum Erwärmen der ganzen Gebäudevolumen natürlich viel mehr Energie.» Forster beschafft sich das nötige Brennholz selber. Ein Teil fällt als Baumschnitt aus dem eigenen Obstgarten an, ein weiterer Teil kommt von vereinzelten Kundenaufträgen. Den Hauptharst rüstet er im Forst aus Restholz auf, das bei den Waldarbeiten als Abfall liegen bleibt. Für diesen Winter rechnet Forster, dass er wie schon im letzten etwa 15 Ster Holz verfeuern muss: Ein harter Winter treibt den Brennholzverbrauch deutlich in die Höhe.

Eine Staude pro Tag

In der Regel heizen Forsters am Morgen mit einer Staude den Kachelofen ein. «Es braucht ein bisschen Zeit und man muss das Feuer bewirtschaften, indem die Schieber im richtigen Moment geschlossen werden. Aber dann hält die Wärme 24 Stunden lang», sagt Vreni Forster. Ebenso eingeheizt wird am Morgen der Holzherd, der die Chouscht aufwärmt und auf dem sich gleichzeitig der Zmorge zubereiten lässt. Das warme Ofenrohr kann nach Belieben im Laufe des Tages zum Kochen, Früchtetrocknen, Backen oder zum Zubereiten von Eintöpfen genutzt werden.

Heiztechnisch autonom

Es gab nur einen einzigen Moment, in dem die Forsters in Versuchung kamen, das Heizsystem des Hauses zu ändern: 2004 brannte ihr Holzschopf mit den Brennholzvorräten ab. «Die Versicherungssumme des Schopfes hätte gereicht, im Haus eine Zentralheizung einbauen zu lassen. Wir haben uns dann aber schnell entschieden, heiztechnisch autonom zu bleiben; mitgespielt hat dabei auch die Erfahrung eines zweitägigen Stromausfalls, während dem die Nachbarn bei uns eine warme Suppe genossen oder Gasbrenner für ihre eigene Küche ausliehen.» (pk)