TGV/SBB
Diese heruntergerissene Fahrleitung löste Bahnchaos im ganzen Mittelland aus

Ein TGV hat am Samstag auf dem Schienennetz der SBB ein Chaos verursacht. Der Hochgeschwindigkeitszug, der von Zürich nach Paris unterwegs war, riss kurz nach Aarau eine Fahrleitung herunter. Die Strecke nach Olten war während zwei Stunden gesperrt.

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Zugchaos im Mittelland
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SBB-Angestellte am Unfallort des TGV.
Bei Schönenwerd wurde eine Fahrleitung heruntergerissen.
Der beschädigte TGV. Die Passagiere wurden mit dem nebenstehenden IR-Zug nach Aarau gebracht.
Diese heruntergerissene Fahrleitung sorgte für ein Bahnchaos im Mittelland.
Wegen der defekten Fahrleitung: Etliche Züge haben Verspätung oder fallen ganz aus.
Gestrandete Passagiere in Aarau
und am Zürich HB
Diese gerissene Fahrleitung löste das Chaos aus (links), Bahnarbeiter beim Unglücks-TGV.
Der beschädigte TGV gestern Dienstag im Bahnhof Olten Hammer.

Zugchaos im Mittelland

Um 10 Uhr morgens fuhr der TGV-Zug von Zürich nach Paris durch Aarau. Wenig später, vor Schönenwerd, gab es einen Kurzschluss und einen Knall, der Zug kam zum Stillstand. Der TGV hatte eine Fahrleitung heruntergerissen. Wie ein SBB-Sprecher gegenüber «Tele M1» sagte, ist die Ursache noch unklar. Möglicherweise ist etwas auf der Fahrleitung gelegen. Aber konkrete Hinweise gab es bis Samstagabend noch nicht.

Gegenstand flog durch die Frontscheibe

Zudem sei offenbar ein Gegenstand in die Frontscheibe des Zugs geflogen, was zu einer Schnellbremsung geführt habe. Der Lokführer, sei zur Kontrolle ins Spital gebracht worden, blieb aber unverletzt, sagte der Sprecher der Kantonspolizei Solothurn, Andreas Mock, der sda.

Die rund 300 TGV-Passagiere mussten laut Wehrle etwa eine Stunde im Zug ausharren, bevor sie dann auf offener Strecke evakuiert werden konnten. Grund dafür sei unter anderem auch, dass in einem solchen Fall die Schweizerische Unfalluntersuchungsstelle (SUST) aufgeboten werden müsse.

Dominoeffekt auf dem Bahnnetz

Erschwerend sei hinzu gekommen, dass die Störung genau auf der Kantonsgrenze zwischen Aargau und Solothurn vorgefallen sei. Man habe sich schliesslich darauf geeinigt, dass die Kantonspolizei Solothurn den Lead übernehme, erklärte Wehrle weiter. Am späten Nachmittag konnte der TGV nach Olten abgeschleppt werden.

Der Unfall löste einen Dominoeffekt aus. Der Bahnverkehr im ganzen Mittelland wurde stark beinträchtigt.

Die SBB setzte den ganzen Tag Bahnersatzbusse ein. Die Züge zwischen Zürich und Bern sowie zwischen Zürich und Basel wurden umgeleitet. Erst am frühen Abend konnte die Strecke wieder freigegeben werden. Einige wenige Folgeverspätungen waren jedoch auch nach 18 Uhr noch die Folge. Tausende von Passagieren waren betroffen.

Auf den Bahnhöfen Aarau, Olten, Basel und Zürich herrschte vorrübergehend Chaos.

«Man hat keine Infos bekommen, auch SBB-Angestellte wussten anfangs offenbar nicht, was los war», sagte eine Passagierin gegenüber «Radio 32».

«Herumgestanden wie bestellt und nicht abgeholt» seien die Leute auch am Hauptbahnhof Zürich, erzählt «Radio 32»-Redaktorin Céline Raval, die selber von den Ausfällen betroffen war.

«Es herrschte Chaos pur: Die Leute fuhren sich gegenseitig mit den Koffern über die Füsse.»

Man habe keine Infos bekommen, auch SBB-Angestellte hätten anfangs offenbar nicht gewusst, was los sei, berichtet eine Passagierin vom Bahnhof Basel. «Leute waren genervt.»

Störungen bis in den Abend

Zugsreisende im Mittelland mussten sich seit dem Morgen gedulden: Etliche Züge werden umgeleitet, verkehren verspätet oder fallen aus. Die Störung dauert bis mindestens 19 Uhr.

"Die Ost-West-Achse ist momentan nur beschränkt befahrbar", sagte SBB-Sprecher Stephan Wehrle auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Es handle sich um eine gröbere Störung.

Die S23 Baden - Langenthal zwischen Aarau und Olten fährt nicht

Die SBB überbrückt die Einschränkung mit Bahnersatzbussen. Trotzdem sei mit grösseren Verspätungen im Reiseverkehr zu rechnen. Der Güterverkehr auf der betroffenen Strecke ist eingestellt.

Strecke Däniken-Aarau als Flaschenhals bekannt

Der Unfall ereignete sich auf einem zentralen Nadelöhr des schweizerischen Schienenverkehrs: Der Abschnitt Däniken - Aarau ist die einzige Doppelspurlücke im sonst vierspurig ausgebauten Korridor Westschweiz-Bern/Biel-Olten-Aarau- Zürich.

Jahrelang wurde der Ausbau des Flaschenhalses auf vier Spuren und der Bau des Eppenbergtunnels gefordert. Der Tunnel gehört denn auch ins Projekt "Zukünftige Entwicklung der Bahnprojekte" (ZEB).

Im Frühjahr 2013 wurden die Pläne für das Vorhaben öffentlich aufgelegt. 110 Einsprachen gingen gegen den Tunnel ein. Vor zwei Wochen gab das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) grünes Licht für das 800-Millionen-Projekt. Die Bauarbeiten beginnen im nächsten Frühjahr. (zam/roc/sda)