Anna Rosenwasser ist bisexuell: Sie liebt Männer und Frauen. Das war auch für die freischaffende Journalistin und Politikstudentin ein Lernprozess. «Lange dachte ich, dass ich mich nicht in Frauen verlieben, sondern mich nur sexuell zu ihnen hingezogen fühlen könne», sagt sie in der Sendung «Talk Täglich» unter der Moderation von Oliver Steffen. «Rückblickend glaube ich, es liegt daran, dass Frauen die ganze Zeit als etwas Anziehendes gezeigt werden; die sexy Frau ist allgegenwärtig.»

Verantwortlich dafür macht sie auch die vorherrschenden Vorstellungen von klaren Geschlechterrollen. Dass es nur Mann und Frau gibt. Darauf würden sich Vorstellungen aufbauen, wie eine Beziehung auszusehen habe. Eine heterosexuelle Beziehung.

«Die Schweiz ist überhaupt nicht fortschrittlich»

«Homophobie ist immer noch ein Problem in der Schweiz», erklärt sie. Als neue Präsidentin der Lesbenorganisation Schweiz (LOS) kämpft Rosenwasser für die Rechte einer Minderheit, die auch hierzulande immer noch unter Diskriminierung leidet. Zwar herrsche in der breiten Bevölkerung die Ansicht, die Schweiz sei fortschrittlich und modern, «wenn es um Homothemen geht, ist die Schweiz aber überhaupt noch nicht fortschrittlich.»

Für Rosenwasser, die ihre ersten sexuellen Erfahrungen mit Männern machte, war es eine «Umgewöhnung», die erste homosexuelle Beziehung zu führen. «In jeder Situation, bei jedem Händchen-Halten, bei jedem Kuss überlegt man: Ist es gerade sicher; kann ich das machen? Das Gefühl wünsche ich niemanden.»

Mit Anfeindungen wird auch die höchste Lesbe in der Schweiz immer wieder konfrontiert: «Vor wenigen Tagen hat mich ein älterer Herr angerufen und mich als Dreckslesbe beschimpft.» (sam)

Die ganze Sendung sehen Sie hier:

Kampf- oder Berufslesbe?

Kampf- oder Berufslesbe?

Anna Rosenwasser ist die neue Präsidentin der LOS Lesbenorganisation Schweiz. Warum Lesben in der Gesellschaft zu wenig wahrgenommen werden und wieso man als Vorzeigelesbe auch mit Männern Sex haben kann.