Andreas Maurer

Bei Ihrem Amtsantritt wurde wegen Ihres jungen Alters die Befürchtung geäussert, dass Sie von Ihrer Partei als Marionette missbraucht werden könnten. In der Öffentlichkeit sind Sie kaum präsent. Haben die Skeptiker rechterhalten, Frau Mohn?

Sabrina Mohn:Nein, das denke ich nicht. Klar, muss man zuerst Kontakte knüpfen, wenn man ein neues Amt anfängt. Wir haben uns im Team aber sehr gut gefunden.

Wäre es nicht auch Ihre Aufgabe, in der Öffentlichkeit Präsenz zu markieren?

Mohn: Sicher, das habe ich auch gemacht. Mir ist es aber wichtiger, die Basis zu spüren, als an x Apéros zu sein. Mir war es sehr wichtig, bei den Ortssektionen vorbeizuschauen und den Kontakt zu spüren. Das hat viel Zeit beansprucht.

Sie haben sich vorgenommen, jede Sektion zu besuchen. Haben Sie Ihr Ziel erreicht?

Mohn: Ich habe nicht ganz jede besucht. Mit jeder stand ich aber in Kontakt. Es war sehr spannend, die vielen Leute kennen zu lernen. Ich habe gemerkt, dass den Leuten in vielen Gemeinden die gleichen Themen unter den Nägeln brennen. Zum Beispiel der Wunsch nach Alterswohnungen.

Ein Thema, das Sie persönlich noch nicht betrifft. Welchen Vorteil bringt Ihr junges Alter für Ihr Amt?

Mohn: Ich sehe den Vorteil generell darin, dass eine andere Generation hinzukommt. In der Politik ist die Genera-
tion 50+ übervertreten. Es sollten aber alle Generationen ihre Sicht einbringen können. Ob mein Alter für das Präsidium Vorteile hat, weiss ich nicht. Generell tut es der CVP aber gut, dass viele Junge in der Partei vertreten sind. Wir erreichen mehr junge Leute als andere Parteien, weil wir auch auf neue Medien wie Facebook setzen.

Das nannten Sie als weiteres Ziel bei Ihrem Amtsantritt: mehr Junge in die Partei einbinden. Ist es Ihnen gelungen?

Mohn: Ich habe sehr viele gute Gespräche mit jungen Leuten geführt. Wir führen keine Erhebung über die Anzahl Junger. Es sind aber sicher nicht weniger geworden.

Worin besteht denn der Reiz der CVP für Junge? Ihre Partei gilt als bieder.

Mohn: (lacht) Ja, dieser Ruf eilt uns voraus. Die SVP reisst wichtige Themen an, bringt uns aber durch ihren Stil nicht weiter. Deshalb sind Mitte-Parteien gefragt. Wir sind attraktiv, weil wir an Lösungen arbeiten.

Die CVP Baselland wird von Frauen dominiert. Sind Frauen die besseren CVP-Politiker?

Mohn: Nein, aber auch nicht die schlechteren. Die CVP ist einfach ein gutes Beispiel dafür, dass man einen ausgeglichenen Frauenanteil ohne Quoten und spezielle Regelungen schaffen kann.

Ihr wichtigster Mann ist Regierungsrat Peter Zwick. Sagen Sie ihm auch mal die Meinung, wenn er etwas falsch macht?

Mohn: Wir sehen uns regelmässig und pflegen einen guten Kontakt. Es ist aber nicht meine Art, mit dem Zeigefinger zu kommen, sondern in Diskussionen gute Lösungen zu finden.

Viele CVP-Frauen machen Karriere. Wann folgt Ihr nächster Sprung?

Mohn: Ich habe mein erstes Jahr als CVP-Präsidentin sehr genossen, auch wenn es anstrengend war. Auch im Landrat habe ich mich gut eingelebt. Beide Ämter würde ich gerne weiterführen. Die Politik ist aber nicht alles für mich. Die Nationalratswahlen werden jedoch sicher ein Thema sein. Ich würde gerne wieder kandidieren.

Wie bringen Sie Politik, Beruf und Privatleben unter einen Hut? Viele Ihrer Lehrerkollegen empfinden ja schon den Beruf als grosse Belastung.

Mohn: Im letzten Jahr habe ich 85 Prozent gearbeitet. Zudem habe ich einen sehr toleranten Partner. Beruf und Politik machen mir Spass, obwohl ich viel Zeit investiere.

Wie reagieren Ihre Sekundarschüler auf Sie, seit Sie CVP-Präsidentin sind?

Mohn: Ab und zu sagen sie, dass sie mich in der Zeitung oder im Fernsehen gesehen haben. Im Schulalltag spielt es aber fast keine Rolle. Ich bin für sie einfach die Lehrerin.