Samuel Misteli

Als sich der Sommer 2008 dem Ende zuneigte, endete auch die kurze, aber intensive Karriere von drei jugendlichen Einbrechern. Mehr als zwei Dutzend Diebstähle hatten sie im Juli und im August begangen, hatten dabei mit Vorliebe Kellerabteile aufgebrochen und Autoscheiben eingeschlagen und nach Lebensmitteln und Wertgegenständen gesucht. In wechselnden Zusammensetzungen, zu dritt, zu zweit, auch mal alleine, erbeuteten sie auf ihren Touren in Bellach und Solothurn Deliktsgut im Umfang von rund 18 000 Franken. Der Sachschaden an aufgebrochenen Türen und eingeschlagenen Scheiben belief sich zuletzt auf knapp über 7000 Franken. Ende August setzte die Polizei das Trio in Haft. Sie waren geständig.

Gestern standen zwei der drei Täter vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern. Das dritte Bandenmitglied fehlte, weil es zum Tatzeitpunkt noch nicht volljährig war. Viel älter als ihr abwesender Partner waren auch seine beiden Kollegen nicht: 19-jährig zum Zeitpunkt der Einbrüche.

Läuterung mit «extremem Rückfall»

Zwanzig Minuten nach Verhandlungsbeginn sass nur noch ein Angeklagter im Saal. Manuel M.*, der an fast allen Einbrüchen beteiligt gewesen war, befand sich auf dem Heimweg. Zuvor hatte M. geschildert, wie ihm eine 2007 angetretene Lehrstelle «zu Unrecht» aufgelöst worden sei, wie er danach temporär gearbeitet und später eine Stelle als Koch gefunden hatte, wie die U-Haft alles kaputtgemacht habe, was er aufgebaut hatte, und wie er danach trotzdem die Kurve gekriegt hatte, dank seiner Verlobten und der Möglichkeit, einen KV-Vorbereitungskurs zu absolvieren. Die schöne Geschichte der vermeintlichen Läuterung von Manuel M. endete jäh und unschön mit der Frage von Gerichtspräsident Daniel Wormser, ob M. sich seit den Einbrüchen weitere Delikte habe zuschulden kommen lassen. Er hatte: Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit unter anderem wegen Brandstiftung. Der, wie M. sagt, «extreme Rückfall», datiert von diesem Frühjahr. Richter Wormser fand, es sei sinnvoller, nach Abschluss der laufenden Ermittlungen alle Vorwürfe auf einmal zur Verhandlung zu bringen: Er schickte den Angeklagten samt Verlobter nach Hause und die Akten zurück an die Staatsanwaltschaft.

Sieben Monate bedingte Freiheitsstrafe

Blieb also als einziger Angeklagter Melih R.* Dessen Geschichte erzählte grösstenteils sein Verteidiger: Werkklassabschluss, keine Lehrstelle, Temporärjobs. Mit 16 von der Mutter rausgeworfen, kein Kontakt mehr zu ihr, keiner zum Vater, keiner zu Verwandten. Ein «mangelhaftes soziales Netz», attestierte der Verteidiger seinem Mandanten. Die vorhandenen sozialen Kontakte boten keine sonderlich gute Gesellschaft. Gemeinsam mit seinen zwei Kollegen, die wie er in bescheidenen finanziellen Verhältnissen lebten, startete R. schliesslich die Diebstahlserie. «Aus Not», sagt R. Zur Beschaffung von Lebensmitteln und zur Finanzierung des Lebensunterhaltes, wozu der regelmässige Marihuana- und gelegentliche Kokainkonsum gehörte. Seit drei Monaten arbeitet R. als Hilfsarbeiter auf dem Bau. «Der Neustart ist ihm gelungen», lautete das positive Fazit des Verteidigers. Und auch Richter Wormser glaubte dem Angeklagten, dass die Läuterung in seinem Fall nicht nur eine scheinbare war: «Ich habe den Eindruck, dass Sie sich aufgefangen haben». Strafe musste trotzdem sein: Sieben Monate bedingte Freiheitsstrafe und 300 Franken Busse - wegen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs und Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes.

* Namen von der Redaktion geändert