Die Zwischenlösung zum Heim

Kerstin Franke hat ihre Tagesstätte «Herbstzeitlose» speziell für denn Aufenthalt von demenzkranken Gästen eingerichtet (apl)

demenz

Kerstin Franke hat ihre Tagesstätte «Herbstzeitlose» speziell für denn Aufenthalt von demenzkranken Gästen eingerichtet (apl)

Eine Tagesstätte nur für De-menzkranke: Das ist das besondere Angebot von Kerstin Franke. Seit letzten August bietet sie auf privater Basis in der vertraut eingerichteten Wohnung an der Allmendstrasse sechs Betreuungsplätze an.

Von Agnes Portmann-Leupi

Nicht etwa der Film «Herbstzeitlosen» habe den Ausschlag für den Namen der Tagesstätte gegeben. Vielmehr stehe «Herbst» für den Herbst des Lebens und «zeitlos» für die Krankheit, in welcher die Zeit nicht mehr realisiert werde. «Diese Tagesstätte ist eine kluge, alternative Zwischenlösung zum Heim», sagt die Inhaberin Kerstin Franke. Das Einmalige daran ist, dass sie nur für demenzkranke Menschen gedacht ist. «Eine gemischte Tagesstätte geht bis zu einem bestimmten Stadium gut. Aber irgendwann kommen die Demenzpatienten ins Hintertreffen und ziehen sich in die Isolation zurück. Umgekehrt fühlen sich Menschen mit anderen Erkrankungen geistig unterfordert», erklärt die Gerontologin.

Erinnerungsecken

Die speziell eingerichtete Fünfeinhalb-Zimmer-Wohnung mitten im Wohnquartier an der Allmendstrasse 8 in Solothurn wirkt einladend, fernab eines jeglichen Heimcharakters. In der grossen, hellen Wohnküche sorgen bewusst ausgesuchte Gegenstände für eine vertraute Atmosphäre: Etwa das alte Bügeleisen, die Kaffeemühle, Stickereien, das mit Rosablümchen bemalte Geschirr, eine alte Tretnähmaschine und Bilderbücher. «Diese Erinnerungsecken erleichtern den Zugang zu den kranken Menschen, wobei das Wissen über die Biographie jedes Einzelnen unabdingbar ist», klärt Kerstin Franke auf.

Zur Behaglichkeit tragen die alten Möbel und die wohnliche Gestaltung mittels wohligen Sitzecken bei. Im Sommer kann zudem die Terrasse von jedem Zimmer aus betreten und so zu einem barrierefreien Rundweg genutzt werden. «Ich habe mich bewusst nicht für eine hypermoderne Wohnung und Einrichtung entschieden, sondern lasse die Kranken in eine Zeit zurückgehen, die für sie am intensivsten war», meint die 43-Jährige. Denn die zuletzt aufgenommenen Eindrücke gingen als Erstes weg.

Klein und fein

«Senioren haben mich schon immer interessiert», sagt Kerstin Franke. Der stetige Umgang mit ihrer betagten Mutter im selben Haushalt habe ihr Verständnis für das Alter wachsen lassen und sie zur Zweitausbildung einer diplomierten Gerontologin motiviert. Sechs Personen finden in ihrer Tagesstätte Platz, wobei eine Fachkraft zwei Gäste betreut. Je nach Bedarf greift sie auf gut ausgebildete Fachpersonen zurück. Neben der Tagesbetreuung bietet die «Herbstzeitlose» zudem Nachtbetreuung an und ein Notfall-Pflegebett mit 24-Stunden-Betreuung.

Zusätzlich können externe Dienstleistungen wie Coiffeur, Fusspflege und Massage gebucht werden. Speziell ist das Angebot des Ferien-Doppelzimmers, das mit Möbeln aus verschiedenen Ländern eingerichtet ist. «So können die Demenzkranken die Tagesbetreuung nutzen, die Angehörigen aber dürfen sich ohne schlechtes Gewissen zurückziehen und so von einer vielfach dringend notwendigen Entlastung profitieren», erläutert die Gerontologin. Die Tagesstätte entspricht den kantonalen Richtlinien, existiert aber auf privater Basis ohne jegliche staatliche Unterstützung.

Tagesstätte «Herbstzeitlose», Kerstin Franke, Telefon 032 622 10 17 oder www.herbstzeitlose.ch

Meistgesehen

Artboard 1