Alfred Borter

Als der Zürcher Restaurateur Fred Tschanz vor nun 14 Jahren für ein Oktoberfest ein Zelt auf dem Bauschänzli aufstellte, echte Münchnerinnen als Serviertöchter und eine ebenso originale Musikkapelle engagierte, war er weit und breit der erste.

Aber die Idee schlug ein. Letztes Jahr zählte man 40 000 Besucher, die rund 80 000 Liter Bier die durstigen Kehlen hinunterleerten, Leberknödlsuppe, Brathähnchen, Haxen, Weisswürstchen, Brezen und andere Köstlichkeiten verzehrten, schunkelten und aus voller Kehle mitsangen: «Ein Prosit der Gemütlichkeit.»

Dieses Jahr, erwähnt Geschäftsführer Urs Lingg, habe er 90 000 Liter Bier bestellt. «Aber das reicht wahrscheinlich nicht.» Die Tische, die reserviert werden konnten, waren im Nu ausgebucht, doch im Zelt, in dem gegen 1000 Personen Platz finden, gibt es jeden Abend 230 Plätze für Leute, die sich spontan zu einem Besuch entschliessen. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass man keinen Einlass mehr findet.

Das Bier übrigens hat einen reduzierten Alkoholgehalt von 4,5 Prozent. Die Gäste hätten damit keine Mühe: «Ihnen schmeckt das Bier.» 30 Tage dauert das Fest auf dem Bauschänzli - es geht erst am 7. November zu Ende.

Wenig Plätze für spontane Gäste

Bereits vorbei ist der «Züri-Wiesn»-Anlass im Hauptbahnhof. Er dauerte nur vom 7. bis 18. Oktober. «Unser Anlass soll langsam wachsen», erklärt Stephan Dübi, Pressesprecher des Organisationskomitees. Das Zelt vermochte 1000 Personen zu fassen; 60 Prozent der Plätze wurden im Voraus reserviert.

«Es macht uns etwas Sorgen», meint Dübi dazu, dass diejenigen, die spontan herkommen und etwas feiern möchten, nicht mehr unbedingt auch einen Platz finden. Die Stimmung sei gut gewesen, bilanziert er; er geht davon aus, dass pro Person sicher weniger als zwei Mass getrunken worden seien. «Uns geht es darum, dass unser Fest ein gutes Image hat», erwähnt er, und nicht um einen Rekord beim Bierkonsum.

Ganz neu dabei: Baden

Erst angefangen hat das erstmals durchgeführte Oktoberfest in Baden auf dem Trafoplatz. Noch heute Samstag sowie am kommenden Wochenende wird, wie Pressesprecher Philip Eggenberger erwähnt, im Zelt mit 850 Plätzen ein stimmungsvolles Fest geboten. Auch hier setzt man auf Münchner Madln und bayerische Bands. Eine Besonderheit besteht darin, dass eine Miss Oktoberfest gekürt wird; Dirndl stehen für die Fotografie zur Verfügung.

Man habe damit vor allem auch Frauen an den Anlass locken wollen, gibt Eggenberger zu. «Die Idee ist gut angekommen.» Der Publikumserfolg sei riesig. «Wir wurden zum Teil sogar etwas überrascht, öfters war das Zelt randvoll.» Darum habe man nicht immer schnell genug die gewünschten Essensportionen herbeischaffen können. Aber nun soll auch das reibungslos klappen.

«Work hard, play hard»

Ebenfalls erst angefangen haben die Oktoberfeste in Winterthur und Rapperswil - sie dauern noch bis Ende Monat. Bereits Vergangenheit ist der Anlass in Schlieren: Hier konnte man schon Ende September auf den (Bier-)Geschmack kommen.

Maurus Lauber, Marketingleiter bei Zürich Tourismus, erklärt den Erfolg der Oktoberfeste, die immer zahlreicher stattfinden, vor allem damit, dass Leute, die hart arbeiten, zum Ausgleich auch gern mal ausspannen. «Work hard, play hard», sage man.