Die Wartezeit für Optimierung genutzt

Der Emmelauf zwischen dem Wehr in Biberist und der Kantonsgrenze zwischen Gerlafingen und Wiler wird verbreitert. Zudem werden die bestehenden Dämme erhöht. Damit sollen die beiden Gemeinden vor einem Hochwasserereignis geschützt werden.

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Solothurner Zeitung

Rahel Meier

Mitwirkung

Der kantonale Erschliessungs- und Gestaltungsplan Hochwasserschutz und Revitalisierungsprojekt Emme, Biberist-Gerlafingen liegt bis zum 27. November öffentlich auf. Die Pläne können in der Gemeindeverwaltung Biberist, in der Gemeindeverwaltung Gerlafingen oder im Bau- und Justizdepartement, Werkhofstrasse 56, 4502 Solothurn (nur auf Voranmeldung), angesehen werden. Die Unterlagen sind zudem publiziert unter www.afu.so.ch/emme. Da es sich um ein Mitwirkungsverfahren handelt, kann sich jedermann schriftlich äussern. Die Eingaben sind während der Auflagefrist schriftlich an das Bau- und Justizdepartement (Vermerk Mitwirkung Hochwasserschutz Emme) zu richten. Anfang 2010 sollte das Projekt öffentlich aufgelegt werden. Die Volksabstimmung für den Kredit ist - unter Vorbehalt der Zustimmung durch den Kantonsrat im Dezember - auf den 7. März festgelegt. Der Baubeginn wäre auf den Sommer vorgesehen. (rm)

22 Mio. Franken kostet das Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekt Emme. Damit wird der Teil zwischen der Kantonsgrenze in Gerlafingen und dem Wehr in Biberist saniert. Ein zweites Projekt wird später ab dem Wehr bis zur Einmündung der Emme in die Aare folgen. Das Hochwasserschutzprojekt sieht vor, die Emme links und rechts auf eine Sohlenbreite von 45 bis 50 Metern (heute sind es um die 30 Meter) auszuweiten und die Ufer abzuflachen. Der bestehende Damm zwischen dem Pfadiheim und dem Wehr Biberist wird um 0,3 bis 1,4 Meter erhöht.

Bepflanzung wird anders

Auf der rechten Seite wird die bestehende Mauer entlang des Leerlaufkanals in Gerlafingen erhöht und verstärkt. Auch die Mauer der Stahl Gerlafingen AG entlang der Emme wird verstärkt. Die beiden Schwellen im Projektperimeter werden verbreitert und so umgestaltet, dass die Fischwanderung wieder gewährleistet ist.

Mit der Verbreiterung des Sohlenbereichs der Emme wird die Abflusskapazität erhöht. Gleichzeitig werden sich wieder Kiesbänke und Vertiefungen ausbilden. Diese sind aus ökologischer Sicht erwünscht. Das Landschaftsbild dürfte sich deutlich verändern und als Naherholungsgebiet für die Bevölkerung attraktiver werden. Die heute vorhandene Uferbestockung wird im Zug der Projektrealisierung verschwinden. «Zu Anfang wird es wohl tatsächlich etwas nackt aussehen», gibt Projektleiter Bernardo Albisetti (Bau- und Justizdepartement Kanton Solothurn) offen zu. Mit der Neubepflanzung soll sich wieder ein standortgerechter, ökologisch wertvoller Uferbewuchs entwickeln. Auf der Biberister Seite werden rund 75 Prozent des Ufers bepflanzt. Auf den restlichen 25 Prozent sollen Lücken den Blick auf die Emme zulassen. Entlang der Dammstrasse wird zusätzlich eine Baumreihe mit hochstämmigen, grosskronigen Bäumen vorgesehen. Als Ersatzmassnahme wird der Kanton zudem im Wasseramt so genannte Altholzinseln fördern.

Neu Uferschutzzone

Sind alle Massnahmen realisiert, sollte es nur noch eine Restgefährdung geben. Eine Ausnahme bildet die heutige Industriezone, welche sich im Gebiet Ölwanne beim Gerlafingerweiher befindet. Dieses Land wird nicht mehr industriell genützt und soll in die kantonale Uferschutzzone umgezont werden. Die Projektkosten werden auf 22 Mio. Franken geschätzt. Über einen Verpflichtungskredit in dieser Höhe muss das Solothurner Stimmvolk am 7. März entscheiden. Es kann damit gerechnet werden, dass ein Bundesbeitrag von rund 7,7 Mio. gesprochen wird. 9,9 Mio. wird der Kanton effektiv bezahlen müssen, 4,4 Mio. Franken werden Gerlafingen und Biberist bezahlen. Der Anteil des Kantons wird mit den für die Gewässernutzung erhobenen Gebühren und Wasserzinsen finanziert.

Der Emme wurde Kulturland abgetrotzt

Die Hochwasserereignisse in den Jahren 2005 und 2007 haben aufgezeigt, dass an der Emme im Abschnitt Biberist-Gerlafingen ein erhebliches Hochwasserschutzdefizit vorhanden ist. Tatsächlich hatte die Emme vor 200 Jahren ein ganz anderes Flussbett als heute. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden viele Flüsse korrigiert: die Rhone, der Ticino, die Aare und eben auch die Emme. Dadurch konnte im Wasseramt Kulturland gewonnen werden.
Entlang des Aare-Emmen-Kanals begann die Industrialisierung des Kantons Solothurn. Auf Gerlafinger Gemeindegebiet wurde Industrie angesiedelt, in Biberist wurden vorwiegend Wohnhäuser entlang der Emme gebaut. Die damals gebauten Dämme und Mauern sind in der Zwischenzeit baufällig geworden und schützen nicht mehr genügend. Das Schadenpotenzial beträgt laut Berechnungen der Behörden bei einem statistisch alle hundert Jahre auftretenden Hochwasser rund 500 Mio. Franken. Die Wirtschaftlichkeit wird standardisiert als Nutzen-Kosten-Faktor ausgedrückt. Beim vorliegenden Projekt ergibt dieser Faktor 23. Dieser Wert sei im schweizweiten Vergleich ausserordentlich hoch. (rm)

Anlieferung per Bahn

Wegen des fehlenden Rodungsgesuches (wir berichteten) gab es eine Verzögerung der Auflage und damit auch des Baubeginns. Die Sommermonate wurden von den Verantwortlichen des Kantons genützt, um das Projekt zu optimieren. Die Bauarbeiten werden rund zweieinhalb Jahre lang dauern. Über 100 000 Tonnen Material werden entweder in die Emme geführt oder von dort wegtransportiert. «Wir wollen die Bevölkerung von den Transporten weitgehend verschonen. Ursprünglich war die Rede davon, dass jede Viertelstunde ein Lastwagen über die Dammstrasse fährt», erklärt Bernardo Albisetti.

Neu soll die Baustelle per Bahn mit einem 200 Meter langen und neu zu bauenden Geleise auf dem Areal der Stahl Gerlafingen AG erschlossen werden. Die Baustellen-Installationen werden das Gelände des Hundesportvereins und den Sprayerplatz auf Gerlafingerseite beanspruchen. «Die Stahl Gerlafingen AG wird voraussichtlich auch Rangierarbeiten für uns übernehmen. Im Gegenzug kann sie nach Beendigung des Baus das Geleise weiter gebrauchen.»

Verbessert wurde das Projekt zudem auch für die Gerlafinger Bevölkerung. Im ursprünglichen Projekt waren die Massnahmen am Leerlaufkanal nicht mit enthalten. Auch wird ein Damm entlang des Strackbaches auf dem Gemeindegebiet von Zielebach den Schutz von Gerlafingen verbessern.

Risiko wegen belasteter Böden

In der Kostenschätzung von 22 Mio. Franken sind drei bis vier Millionen Franken für die Entsorgung belasteter Böden und Aushub vorgesehen. «Wir bauen an Standorten, die jahrzehntelang industriell oder als Deponie genutzt wurden. Wir wissen zwar, dass wir in belasteten Gebieten arbeiten, eine genaue Abschätzung der Qualität und Menge des zu entsorgenden Materials ist jedoch schwierig.» Die Standorte seien zwar nicht sanierungspflichtig, da gegenwärtig keine Gefährdung auf Mensch und Umwelt von ihnen ausgehe. Werde das Bodenmaterial jedoch abgetragen, müsse es teuer entsorgt werden.

Die Bevölkerung in Gerlafingen wird heute Abend an der Gemeindeversammlung von den Verantwortlichen des Kantons über das Projekt informiert. Die Biberister Bevölkerung kann sich morgen Abend um 19.30 Uhr im Singsaal Schulhaus Bleichematt orientieren lassen.