Aarau

Die Wagen der Furka-Dampfbahn kommen aus Aarau

Ein Traum geht für die Freunde der Furka-Dampfbahn in Erfüllung: Erstmals erreichen die Züge im Sommer wieder Oberwald. Alle Wagen gehören der Sektion Aargau und sind in Aarau in Bijous verwandelt worden.

Hans Lüthi

Emsige Arbeit auch diese Woche für die Furka-Dampfbahn – mitten in Aarau: Zwei Dutzend meist ältere Männer sind im früheren Schlachthof am Wirken. Sie schlachten keine Schweine und Kühe mehr, aber sie sezieren alte Personenwagen der Furkabahn. Zumindest im ersten Schritt, dann folgt der Aufbau. Eisenbauer, Schreiner, Maler, Zimmerleute und weitere Spezialisten pflegen in der Bahnfabrik neben dem Güterbahnhof Aarau mit Herzblut ihr Hobby. Sie bearbeiten Tausende von Einzelteilen, für den Unterbau aus Eisen, dann für den Wagenkasten, später für den Inhalt: schöne Bänke, Fenster, dichtes Dach, Dampfheizung.

Fronarbeit für die alte Dampfbahn

Geld gibt es für diesen strengen Einsatz nicht, er ist für die Beteiligten höchstens mit Unkosten verbunden. Aber das spielt keine Rolle, denn sie alle sind vom Virus befallen, die 1982 nach Eröffnung des Basistunnels eingestellte Bergstrecke neu zu beleben. Schönster Lohn für die Arbeit der Bahnnostalgiker ist in Aarau nach einem Jahr ein fertiger Bahnwagen. Diese neuen Zeugen alter Handwerkskunst lösen selbst bei Nichtbähnlern Freude, Entzücken und Bewunderung aus. Der Bonus zum Lohn sind die Dampffahrten über die wieder eröffnete Teilstrecke von Realp im Urnerland über die Furka nach Gletsch. Am 12. August wird der Traum wahr: Die durchgehende Fahrt bis Oberwald, was hier, in Gletsch und auf der Strecke gehörig gefeiert wird.

Aargauer Wagen stehen im Schnee

Vor bald 100 Jahren führten die Bergbahn-Pioniere einen harten Kampf gegen die Natur, gegen Lawinen, Erdrutsche, Rüfen. Schon 1914 rollten die ersten Züge von Brig bis Gletsch, aber erst 12 Jahre später via Furka und Oberalppass bis Disentis. Lawinen verschütten das Trassee bei der demontierbaren Steffenbachbrücke Winter für Winter, 5 bis 10 Meter hoch. Derzeit liegt am tiefsten Punkt, in Oberwald, noch immer viel Schnee, die Räumung der Schienen dauert noch Wochen. Trotz viel Fronarbeit auch an und auf der Strecke, 7700 Mitgliedern weltweit – davon 1300 in der starken Sektion Aargau – und etlichen Sponsoren fehlt es überall an Geld. In Realp haben die Lokomotiven bereits ein Dach über dem Kopf, für eine Remise steht aber erst das Fundament. Ein Jammer vor allem für die Aargauer ist die Tatsache, dass ihre so liebevoll restaurierten Wagen bei Schnee und Kälte im Freien überwintern müssen.

Erst mit einer neuen Halle, ab 2012 zu bauen, falls die Finanzierung durch die Stiftung der Furka Bergstrecke gelingt, besteht Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Den Aargauern liegt das speziell am Herzen, «denn wir bauen die Wagen nicht nur, wir bezahlen sich auch», sagt Ex-Präsident Walter Benz von der Aargauer Sektion.

Zwei weitere Wagen in Arbeit

Zurück nach Aarau, wo die 1987 entstandene Aargauer Sektion schon 10 Bahnwagen fachgerecht renoviert hat. Aktuell werden zwei Zweiachser mit Baujahr 1914 parallel und von Grund auf erneuert. Zum harten Kern gehören rund 50 Männer, die sich jeden Dienstag und Donnerstag am Abend zum Einsatz treffen. Als grosser Koordinator amtet Werkstattchef Werner Beer, «er macht das absolut perfekt», lobt ihn Präsident Walter Lüthi, der die Sektion seit einem Jahr leitet.

Nur kurze Betriebszeit im Sommer

Auch wenn das grosse Ziel bald erreicht ist, wird die Arbeit in Aarau nie ausgehen. Die ersten Wagen kommen schon bald aus den Bergen lädiert zurück, für das alte Schlachthaus läuft der Mietvertrag mit der Stadt vorerst bis 2022. «Die Strecke kann nur leben, wenn die Leute ehrenamtlich schaffen», betont ein Beteiligter. In der Tat hat die Furkabahn nur 3 bis 5 Voll- und Teilzeit-Mitarbeiter. Einnahmen gibt es nur in der kurzen Betriebszeit von Ende Juni bis Mitte Oktober.

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