Nadine Böni

«Alle Krähenarten, speziell die Saatkrähe und die Rabenkrähe, profitierten in den letzten Jahren stark vom grossen Nahrungsangebot auf Kultur- und Landwirtschaftsflächen», erklärt Dominik Thiel von der Abteilung Wald vom Kanton Aargau der AZ. Das merken auch die Landwirte.

Spezielles Saatgut wird verwendet

«Mir ist vor allem aufgefallen, dass es im Moment ganze Schwärme von Saat- und Rabenkrähen hat», so Hans Metzger, Landwirt aus Möhlin. Diese Vögel können auf den Feldern grosse Schäden anrichten. «Am schlimmsten ist es bei der Aussaat. Wir können nur noch speziell behandeltes Saatgut verwenden, das für die Krähen ungeniessbar ist. Ansonsten fressen sie jedes Korn aus den Feldern», betont Metzger.

Das gebeizte Saatgut, also mit dem Pflanzenschutzmittel Mesurol behandelte Samen, ist allerdings teurer als nicht behandeltes Saatgut. «Pro Hektare macht das etwa 40 Franken Mehrkosten aus», weiss Metzger. Eine nicht ganz billige Angelegenheit also. Besonders auch noch, weil für die Aussaat von gebeizten Samen eine spezielle Einrichtung gebraucht wird. «Es ist allerdings schwierig zu sagen, wie hoch der Ertragsausfall schliesslich ist», meint Hans Metzger.

Genauer weiss das Rafael Feldmann. «Dieses Jahr hatten wir Glück», sagt der Rheinfelder Landwirt. Im vorigen Jahr allerdings hatte er Schäden zu beklagen. «Auf 3 Hektaren Land haben uns die Saatkrähen jedes einzelne Maiskorn aus dem Feld gefressen. Wir mussten alles noch einmal säen, und zwar mit gebeiztem Saatgut.»

2800 Franken hat das Feldmann gekostet. Nicht eingerechnet sind die Ausgaben für die zusätzliche Einrichtung zur Aussaat des gebeizten Saatgutes. Eine sinnvolle Methode zur Lösung des Krähen-Problems kennt Hans Metzger nicht.

Geschossen werden dürfen die Saatkrähen nicht, denn sie sind noch immer geschützt. Er setzt weiter auf vorbeugende Massnahmen, wie das Verwenden von behandeltem Saatgut, und hofft, dass sich die Zahl der Krähen nicht weiter vergrössert. «Ich befürchte allerdings, dass das erst der Anfang der ganz grossen Plage ist. Vielleicht muss die Saatkrähe zum Schädling werden, bis man andere Massnahmen ergreifen kann. Dann müssen alle zusammen eine sinnvolle Lösung erarbeiten - Gesetz, Jagd und Landwirtschaft.»

Für die von Saatkrähen-Schwärmen geplagten Fricktaler Landwirte gibt es Hoffnung auf Besserung. Denn im Rahmen der zurzeit laufenden Revision der Eidgenössischen Jagdverordnung ist geplant, die bisher geschützte Saatkrähe jagdbar zu machen und zwar mit klaren Schonzeiten während der Brutzeit.

«Dafür haben wir uns sehr stark eingesetzt, denn aus unserer Sicht muss der Schutz der Saatkrähe, die massiv Schäden anrichtet, gelockert werden», erklärt Ralf Bucher vom kantonalen Bauernverband der AZ.