Der Bau von Radwegen im Freiamt verzögert sich: Entweder will der Kanton Bundesgelder anzapfen oder er muss ein Projekt nochmals überarbeiten. Eine Bestandesaufnahme der wichtigsten
Projekte in der Region.

Fabian Muster

Der Kanton Aargau ist in Sachen Veloverkehr ambitioniert: Bis ins Jahr 2015 soll das kantonale Radroutennetz von 950 Kilometern fertig gestellt werden (siehe Stichwortkasten). Die AZ Freiamt hat sich in der Region umgeschaut und zeigt auf, welche wichtigen Routen noch auf die Realisierung warten.

Die grösste Lücke befindet sich mitten im Freiamt: Wer heute mit dem Velo von Wohlen nach Bremgarten gelangen will, muss sich entweder durch den Wohler Wald kämpfen oder einen Umweg über Waltenschwil oder Fischbach-Göslikon in Kauf nehmen. Und dies wird sich auch in nächster Zukunft nicht ändern: Laut Kreisingenieur Manuel Baldi vom kantonalen Werkhof in Wohlen wird der seit Jahren vorgesehene Radweg nicht vor 2011 gebaut. Der Hauptgrund: Die Radroute ist ins Agglomerationsprogramm aufgenommen worden. Die vom Bund in Aussicht gestellten 40 Prozent Kostenanteil werden nur ausbezahlt, wenn das rund 4,5 Mio. teure Projekt zwischen 2011 und 2014 realisiert wird. Ein weiterer Verzögerungsgrund sind die gesetzlich geforderten Ausgleichsflächen für die Waldrodungen. Um den Radweg, der sich von Wohlen aus gesehen rechts der Kantonsstrasse befinden soll, bauen zu können, müssen Bäume gefällt werden. Dafür ist eine Aufforstung «eigentlich im gleichen Perimeter der Rodungsfläche nötig», betont Baldi. Doch dafür sei im Wohler Wald kein Platz. Baldi ist daher zurzeit mit verschiedenen Gemeinden in Verhandlungen, um die nötige Ausgleichsfläche zu erreichen. Dazu kommt: Das Projekt musste überarbeitet werden, weil auf der 2,3 Kilometer langen Strecke Auflagen für Amphibien gemacht wurden: Zwei unterirdische Durchlässe für Frösche und Eidechsen sind nun vorgesehen.

Zwei Projekte werden überarbeitet

Verzögerungen wirds ebenso für den beabsichtigten Radweg vom Kreisel in Niederwil bis ins Gnadenthal geben. Das Projekt war bereits spruchreif, doch aufgrund des Neubaus der Reussbrücke wird die Sache nochmals überarbeitet. «Die Streckenführung war ursprünglich nördlich der Gnadenthalerstrasse geplant, doch nun wird ein Radweg südlich der Strasse nochmals in Erwägung gezogen», sagt Kreisingenieur Baldi. So wie es sich die Niederwiler bereits von Beginn weg gewünscht hatten. Der Grund: Der Radweg über die neue Reussbrücke wird von Niederwil aus gesehen ebenfalls auf der linken Seite geführt. Man will somit eine unnötige Strassenquerung verhindern. Baldi rechnet damit, dass das Projekt nicht vor 2011 ausgeführt wird. «Tendenziell wird es noch länger dauern als der Radweg durch den Wohler Wald.»

Radweg statt Radstreifen in Aristau

Erneut an den Anfang zurückgeworfen wurde der Kanton auch auf der Strecke zwischen Othmarsingen und Dottikon. Ein erster Entwurf war bereits ausgearbeitet, jetzt soll dieser nochmals revidiert werden. «Bei der Einmündung in die Eichhofstrasse wird die Situation nach dem tödlichen Töffliunfall letztes Jahr gesamthaft neu beurteilt», weiss Manuel Baldi. Der Radweg ausgangs Othmarsingen bis zur Kreuzung Richtung Eichhof soll allerdings laut Baldi «möglichst rasch» bis 2012 verwirklicht werden. Von Eichhof bis nach Dottikon ist derzeit kein Vorhaben in Planung.

Ein grösseres Projekt wartet zwischen Aristau und dem zürcherischen Ottenbach auf die Ausführung. Laut Peter Keller, Leiter Realisierung im kantonalen Tiefbauamt, ist das Vorhaben so weit, um es den Gemeinden vorzustellen. Zusammen mit der Strassensanierung – laut Keller derzeit eine «Holperpiste» – ist nun statt eines beidseitigen Radstreifens ein Radweg für 900000 Franken projektiert. Bis ins Jahr 2013 rechnet Keller mit der Umsetzung.

In Muri ist der Kanton hingegen schon weiter. Ein Teil des Radstreifens bergwärts auf der Seetalstrasse Richtung Geltwil ist bereits ausgeführt. Die Realisierung des anderen Teils will der Kanton noch diesen Herbst zusammen mit den Sanierungen der Werksleitungen beginnen. Im Klosterdorf selbst sind ebenfalls Verbesserungen für die Velofahrer vorgesehen.