Züri
Die VBZ sind im Zwiespalt

Der Direktor der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) ist nicht «nahezu machtlos», wie das der zurücktretende VBZ-Direktor Hans-Peter Schär behauptet. Das jedenfalls ist die Auffassung von Stadtrat Andres Türler. Die VBZ hätten gute Chancen, im Wettbewerb zu bestehen.

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Türler

Türler

Aargauer Zeitung

Alfred Borter

Hans-Peter Schär, Direktor der Verkehrsbetriebe Zürich, tritt diesen Sommer von seinem Posten zurück, aber nicht still und leise. In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» hat er zu verstehen gegeben, seiner Ansicht nach hätten die VBZ keine Chance, im Wettbewerb mit anderen Anbietern von Verkehrsleistungen den Sieg davonzutragen. Im Clinch zwischen dem Zürcher Verkehrsverbund und dem städtischen Personalrecht würden die VBZ über kurz oder lang sowohl die Bus- wie die Tramlinien abgeben müssen, weil andere, möglicherweise ausländische Unternehmen dem ZVV günstigere Offerten machen könnten.

Das habe man gerade wieder im Glatttal sehen können, wo die VBZ Buslinien verloren hätten. Das Stadtzürcher Personalreglement sehe für das Fahrpersonal grosse Privilegien mit hohen Kosten vor, resümierte er, nur mit einer Ausgliederung aus der Stadtverwaltung könne das Unternehmen VBZ kostengünstig betrieben werden. Aber der Stadtrat wolle das nicht, daher habe er gekündigt. Der VBZ-Direktor sei «nahezu machtlos», sagte er.

Erfahrung und Qualität sind wichtig

Ist auch der politische Verantwortliche, Stadtrat Andres Türler, Vorsteher der Industriellen Betriebe, nahezu machtlos? Türler widerspricht vehement. «Wir haben eine reelle Chance, dass wir auch in Zukunft das VBZ-Netz betreiben können», versichert er. Er gesteht zu, dass der ZVV sehr klar auf eine kostengünstige Erbringung der Dienstleistungen pocht, aber er betont auch, dass der Preis nicht das allein ausschlaggebende Merkmal ist. «Wir können zum Beispiel mit unserer langjährigen Erfahrung und Qualität punkten», sagt er, «wir bieten Sauberkeit, Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und vieles mehr.»

Auch dass die VBZ als fairer Arbeitgeber gälten, könne in die Waagschale geworfen werden. Es ist ihm wichtig, dass alle städtischen Mitarbeitenden gleich behandelt werden und dass auf der anderen Seite niemand meint, er könne mehr herausholen. Für Türler ist klar: «Wir sind nicht die billigsten, aber die stärksten.»

Aber Türler verhehlt nicht, dass es eine Herausforderung bedeutet, die ZVV-Verantwortlichen auch in Zukunft davon zu überzeugen, dass die VBZ am besten geeignet sind, das Bus- und Tramnetz in Zürich und darüber hinaus zu betreiben. Das Personalreglement empfindet er nicht als Zwangsjacke. Aber es sei klar: Die Kosten müsse man, wie jedes Unternehmen, im Griff haben. Und zwar ohne Ausgliederung aus der Stadtverwaltung. Türler verweist auf die Volksabstimmung zur Ausgliederung des Elektrizitätswerks, die vom Volk haushoch verworfen worden ist. Dass der Ausgliederung der VBZ zugestimmt würde, hält er für absolut ausgeschlossen, und da weiss er sich mit dem Gesamtstadtrat einig. «Ich setze meine Energie lieber dort ein, wo Aussicht auf Erfolg besteht», sagt er.

Die Luft ist dünn

Aussicht auf Erfolg sieht er, was die Buslinien im Glatttal angeht, die 2012 zur Konkurrenz ausgeschrieben werden. «Wir bewerben uns und geben uns Mühe, dass wir den Zuschlag erhalten», sagt Türler. Ob es klappt, ist nicht sicher. «Die Luft ist dünn», räumt er ein. 2017 kommt die nächste Herausforderung auf die VBZ zu, dann geht es um die Frage, ob die VBZ die Glatttalbahn weiter betreiben können. Nicht auszuschliessen ist, dass später einmal das ganze Zürcher Bus- und Tramnetz zur Disposition steht.

Für Türler ist klar: «Wir haben keinen Speck angesetzt.» Man werde nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sondern dafür besorgt sein, den Auftrag weiter ausführen zu können. Er rechne auch damit, dass die Tatsache berücksichtigt wird, dass die rund 2500 Mitarbeitenden der VBZ zumeist im Kanton Zürich wohnen und hier Steuern zahlen. Aber es stimme auch, dass der Kostenfaktor wichtig sei.

Türler weiss aber auch, dass das VBZ-Personal nicht klein beigibt, wenn es den Eindruck hat, man wolle ihm etwas wegnehmen. Im Oktober 2008 drohte ein Streik, als die Wagenführer und Chauffeure glaubten, mit den neuen Dienstplänen würden sie geplagt. Man habe aber bisher immer eine Lösung gefunden, bemerkt Türler. Dabei soll ihm der neue VBZ-Direktor Guido Schoch, der sein Amt am 1. September antritt, zur Seite stehen. «Die VBZ zu führen, ist nicht nur ein Managerjob», erklärt er, «das ist auch eine Passion.»