Die Triennale braucht neue Strukturen

Heinz Westreicher: Der Präsident der Triennale wird sein Amt abgeben. Das Organisationskomitee muss einem neuen Präsidenten oder einer neuen Präsidentin folgen. (uby)

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Heinz Westreicher: Der Präsident der Triennale wird sein Amt abgeben. Das Organisationskomitee muss einem neuen Präsidenten oder einer neuen Präsidentin folgen. (uby)

Die 18. Ausgabe der Triennale für Originaldruckgrafik ist zu Ende und steht gleichzeitig vor einem Neuanfang. Noch-Präsident Heinz Westreicher fordert mehr Engagement von der Stadt.

Urs Byland

Heinz Westreicher, in wenigen Stunden schliessen die Tore der 18. Triennale. Wie lautet Ihr Fazit?
Heinz Westreicher: Der Publikumsaufmarsch war mit rund 3000 Personen recht gut. Am Samstag war ein schlechter Tag, da bekam ich etwas Angst. Aber der gutbesuchte Sonntag hat wieder alles aufgewogen.

Haben Sie mehr Leute erwartet?
Westreicher: Schon, aber rein gefühlsmässig glaube ich, das Publikum war zahlreicher als bei der letzten Ausgabe.

Wie verkauften die Verleger?
Westreicher: Sie sind sehr zufrieden, lustigerweise auch für den Samstag. Das heisst, am Samstag kam ein interessiertes Publikum, das kaufen wollte. Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise bin ich überrascht, wie gut die Verleger verkauften. Das hat mit dem Triennale-Stammpublikum zu tun, das einen sicheren Wert darstellt.

Demnach fehlte das andere Publikum, das die Triennale entdecken könnte.
Westreicher: Mit dem Dreijahresrhythmus hat es die Triennale immer schwer, sich in den Köpfen des weniger interessierten Publikums festzusetzen. Da muss mit der Werbung immer wieder von vorne angefangen werden.

Kann der Rhythmus verkürzt werden?
Westreicher: Nein, aus finanziellen Gründen geht das nicht.

Vermisst wurde der Preis für Originaldruckgrafik.
Westreicher: Den vermisste auch ich. Für dieses Jahr hatte sich der Sponsor zurückgezogen. Für Künstler hat dieser Preis natürlich Signalwirkung. Ich hoffe, dass der Preis an der nächsten Triennale wieder vergeben werden kann.

Damit sind wir bei der Zukunft. Wie präsentiert sich diese?
Westreicher: Wir werden über die Bücher gehen müssen. Zuerst muss das gesamte Organisationskomitee neu strukturiert werden. Der künstlerische Leiter Hannes Luterbacher tritt ab und ich als Präsident auch.

Sie treten ebenfalls zurück?
Westreicher: Ja. Das ist meine fünfte und letzte Triennale. Ich denke die Organisationsstruktur muss viel feiner gegliedert werden, weil der Arbeitsaufwand für die Mitglieder zu gross ist.

Welche Funktionen meinen Sie?
Westreicher: Eigentlich alle. Es muss sich jemand ausschliesslich um Werbung kümmern können, jemand anders nur ums Internet, etc.

Wurden Fehler gemacht?
Westreicher: Ich denke, wir waren hintendrein beim Versand. Das hatte auch mit der Entwicklung in der Stadt zu tun, mit dem Abgang von Anna Messerli und dem Übergang des Amtes für Kultur in die Abteilung für Standortmarketing und Kultur. Aber wir haben das Budget für Werbung ausgeschöpft.

Was für eine Triennale übergeben Sie Ihrer Nachfolge?
Westreicher: Eine gut funktionierende Organisation und ein funktionierendes Konzept. Aber was nötig sein wird, falls die Stadt voll hinter der Triennale steht, ist eine absolute Vorwärtsstrategie. An der Triennale müssen 40 bis 50 Verleger teilnehmen, nicht wie heute 20 bis 30.

Wie wird das möglich?
Westreicher: Dieses Netzwerk muss der neue künstlerische Leiter mitbringen, das haben wir nicht.

Gibt es einen Markt für künstlerische Leiter?
Westreicher: Wir hatten in der Vergangenheit diverse künstlerische Leiter. Vielleicht müssen wir auch die Stelle ausschreiben. Aber das ist noch offen. Tatsache ist, dass die Triennale ihre Strukturen neu definieren muss. Wir müssen mit der Stadt zusammen sitzen und wissen, wie stark sie sich engagiert.

Soll die Stadt mehr zahlen?
Westreicher: Vielleicht braucht es auch mehr Finanzen. Was wir sicher brauchen, ist die administrative Unterstützung. Ein Büro, das während der Arbeitszeit auch Erreichbarkeit sicherstellen kann. Früher hatten wir mit Anna Messerli und Margrit Jaggi zwei Personen bei der Stadt, die uns halfen. In diesem Jahr war der Wegfall von Messerli spürbar.

Wer wird neuer Präsident?
Westreicher: Es gibt einen Kronfavoriten, aber es wäre noch zu früh, darüber zu reden.

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