Interview Robert Zingg
«Die Tierhaltung ist nie fertig erfunden»

Wien ist nicht nur die attraktivste Stadt, sondern sie hat auch den tollsten Zoo Europas: Ihr Tierpark Schönbrunn ist bei einem Vergleich der 40 grössten Zoos mit der besten Note ausgezeichnet worden. Doch auch der Zürcher Zoo hat die Nase vorn: Er erreichte den 4. Platz. Robert Zingg, Kurator des Zürcher Zoos verrät, wie man es schafft, vorne zu bleiben.

Merken
Drucken
Teilen
Der Zürcher Zoo und seine Tiere
18 Bilder
Ein Flamingo pflegt sein nasses Federkleid
Eine Sumatranischer Orang-Utan Mutter mit ihrem Baby
Ein Zwergflusspferd zeigt seine Zähne beim traditionellen Presse-Apéro
Ein Parsons Chamäleon klettert auf einer Pflanze
Ein Roter Vari in der Masoala
Seehunde geniessen das kühle Bad in ihrem Becken
Zebra im Zürcher Zoo
Ein Anemonenfisch schwimmt durch sein Aquarium.
Ein Amurtiger am Fressen
Die Galapagos Riesenschildkröte Jumbo mit Jungtier
Eine Spitzkopfnatter hängt auf einem Baum
Eine Löwenmutter lehrt ihre Tochter
Das Kameljunge Jargalan steht neben seiner Mutter Urga
Ein Blauer Pfeilgiftfrosch in seinem Reich
Ein junger Brillenbär beim Badeplausch
Ein Kaiserschnurrbarttamarin sitzt in seinem Gehege
18 Königspinguine spazieren durch den verschneiten Zürcher Zoo

Der Zürcher Zoo und seine Tiere

Keystone

Herr Zingg, der Zoo Zürich hat den 4. Platz erreicht. Haben Sie mit der guten Bewertung gerechnet?

Robert Zingg: Wir kennen die Zooszene relativ gut und wissen daher, dass wir mit unseren modernen Tiergehegen im oberen Bereich liegen.

Was hat ihm für den 1. Platz gefehlt?

Zingg: Der Tiergarten Schönbrunn in Wien hat eine sehr lange Tradition. Er besteht seit 250 Jahren. Die Bausubstanz, die teilweise noch auf seine Anfangszeit zurückgeht, verbunden mit der modernen Tierhaltung, ergeben einen interessanten Mix. Ausserdem besitzt der Tiergarten einige besondere Tierarten wie den grossen Panda, und er ist sehr gut besucht. Der Zoo in Berlin zeichnet sich beispielsweise durch seinen hohen Tierbestand aus.

Wie lief die Beurteilung vor sich? Ist jemand bei Ihnen vorbeigekommen?

Zingg: Das europaweite Rating hat Anthony D. Sheridan aus London, Vorstandsmitglied der zoologischen Gesellschaft, durchgeführt. Er hat die Zoos anhand von 25 Kriterien, wie Tiervielfalt, Gehege, geplante Investitionen oder Eintrittspreise, bewertet. Er hat den Zoo Zürich besucht, mit der Direktion Gespräche geführt und viel Material mitgenommen.

Was zeichnet einen modernen Zoo aus?

Zingg: Wenn man als Zoo weiter bestehen will, muss man für Innovationen offen sein. Die Tierhaltung ist nie fertig erfunden. Im Moment laufen im Zoo Zürich zwei grössere Projekte: Die Gehege im Südamerika-Bereich werden verbessert und neu gestaltet. Daneben findet die Planung für den neuen Elefantenpark statt. Ein Zoo sollte immer Projekte am Laufen haben und sich weiterentwickeln.

Schaffen Sie sich in nächster Zeit neue Tiere an?

Zingg: Durch die Neugestaltung des Zoos haben wir den Tierbestand reduziert. Es ist möglich, dass wir im Savannen-Bereich einige neue Tierarten beschaffen wie Gnus, Giraffen oder Zebras.

Welche Tiere sind bei den Besuchern am beliebtesten?

Zingg: Hochattraktiv für Besucherinnen und Besucher sind Menschenaffen, Elefanten oder Raubkatzen. Bei einigen Zoobesuchern schlägt beispielsweise auch das Herz höher, wenn sie ein Nashorn oder eine bestimmte Art von Reptilien sehen.

Österreich, Deutschland und die Schweiz haben besonders gut beim Rating abgeschnitten. Sind gute Zoos ein Privileg für wohlhabende Länder?

Zingg: Das ist in gewisser Weise so. Athony D. Sheridan hat sich nur Zoos angeschaut, die über eine Million Besucher aufweisen. Finanzielle Mittel sind für Innovationen natürlich unabdingbar. Und Zoos müssen sich dynamisch verhalten, um attraktiv zu bleiben. Wichtig ist aber auch, welches Verhältnis kulturell zu den Tieren besteht und welche Wertschätzung den Tieren entgegengebracht wird. (fhe)